Matthias Reim - MR20

Matthias Reim- MR20

RCA / Sony
VÖ: 25.10.2019

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Eckige ins Runde

Manchmal fühlt man sich überflüssig. Da freut sich der Rezensent darüber, dass er auserkoren wurde, "MR20" von Matthias Reim besprechen zu dürfen und muss feststellen, dass das immer wache, immer mitteilungsfreudige Forum von Plattentests.de schon die ganze Arbeit übernommen hat. Ehre gebührt Analog Kid, Stroffus und Glühfranz, die den Mann, den Mythos, die (Gurken-)Maske Matthias Reim mit huldvollen, aber treffenden Worten greifbar machen. Und es ist ja nicht so, dass Reim es seinen Anhängern leicht machen würde: Dieses komplexe Album ist eine Herausforderung für den Hörer, aber Reim selbst hat es sich auch nicht leicht gemacht. Ganz neu und doch vertraut sollte diese Platte werden, ein eckiger Kreis. Um es mit Analog Kids Worten zu sagen: "Es ist der Versuch, das Unvereinbare zu vereinen, eine unendliche Annäherung, ein Weg, der bereits das Ziel ist, sicherer Zweifel, bleibt alles anders, lose Enden, Kapitulation, eiskalt, MR20."

Eigentlich könnte man es jetzt dabei belassen, die 10/10 rausholen und Tool trösten, dass es eben unmöglich ist, den Meister zu übertrumpfen. Doch ist man zu sehr Bekehrer und Verehrer, um nicht wenigstens den Versuch zu unternehmen, auch Neulinge im Universum Reim an die Hand zu nehmen und sie neugierig zu machen. Man nehme nur "Eiskalt", den Türöffner dieser Platte. Reim leidet, die Verflossene tanzt in seinen Gedanken, neckt und reizt. Doch während er vom Stampfbeat rüde von der Seite angebummst wird, bleibt er Mann, bleibt er Alpha. Vorbei die Zeiten, die nur im Besäufnis zu ertragen waren, "Eiskalt / Du bist mir voll egal." Reim kann vielleicht nur deshalb so aufrecht durch dieses klanggewordene Wunderland gehen, weil er sich seiner Herkunft bewusst ist. Er mag zwar Erneuerer und Revolutionär der alternativen Druckbetankungs-Musik sein, seine Wegbereiter vergisst er nicht, "Deep Purple und Led Zeppelin", "Zeitmaschine Rockmusik, ich drehe auf und flieg zurück." Und da ist es dann auch, das Alte im Neuen, das Neue im Alten, der eckige Kreis.

Die kernigen Gitarren von "Problem" stehen authentisch für das Echte im Unterhaltungssektor, wandern tief durch die Canyons in Reims Gesicht, doch ist da eben auch der Wille, die Leute zum Tanzen, zum Trinken und ja, vielleicht auch zum Kotzen zu bringen. Reim geht den ganzen Weg, wer A sagt, muss auch B sagen, wer ja sagt, muss auch nee sagen. Ambivalenz nicht zu vergessen: Aus dem anfänglichen "Eiskalt" wird ein vielschichtiges "heißkalt". Der schamanische Wanderweg durch Himalaya, Anden und Schwarzwald, wie ihn Reim in "Stärker" zurücklegt, sorgt für spirituelle Reinigung, archaisches Instrumentarium setzt reizvolle Kontraste zu der Modernität, die er trotz seines Alters ebenso perfekt beherrscht. Und so ist Reim ebenso in der Wildnis zu Hause wie in der "Hauptstadt", wo sich Gitarrenmusik und Club-Sounds auf dem Dach über den Straßen treffen.

"Kopf oder Zahl", "Dezember" oder "Großes Kino" – Hit reiht sich an Hit, mal mit überraschendem Zartgefühl, mal mit markigem Selbstbewusstsein, Reim liefert, liefert, liefert. Dass er sich dabei souverän neu erfindet, ohne seine Wurzeln zu verraten, macht aus diesem Album das Schlager-Ereignis des Jahres. Und zum Schluss kommt dann noch Michelle zu einem Duett vorbei, in Musik gegossene Liebe. Und wenn am Ende doch nicht die Höchstwertung oben steht, dann nur, weil man Matthias Reim schon längst nicht mehr mit Zahlen beikommt. Die Grenzen der Mathematik hat er hinter sich gelassen. Er ist der eckige Kreis.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Wählt man unter seinen Kindern ein liebstes?

Tracklist

  1. Eiskalt
  2. Deep Purple und Led Zeppelin
  3. Tattoo
  4. Karma
  5. Problem
  6. Stärker
  7. Hauptstadt
  8. Wo ist der Mond
  9. Kopf oder Zahl
  10. Dezember
  11. Großes Kino
  12. Nicht verdient (Rock Edit) (Duett mit Michelle)

Gesamtspielzeit: 42:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Pierre Baguette

Postings: 13

Registriert seit 21.06.2013

2019-10-31 23:57:20 Uhr
Eiskalt. Grosse Klasse.

Glühfranz

Postings: 350

Registriert seit 30.11.2014

2019-10-31 17:51:05 Uhr
Die Rezi bei laut ist durchweg positiv. 3/5

Christopher

Postings: 1231

Registriert seit 12.12.2013

2019-10-28 18:05:26 Uhr
"Dieser Song trägt Camp David!"

Musste gerade laut lachen, danke dafür.

tjsifi

Postings: 360

Registriert seit 22.09.2015

2019-10-28 13:49:34 Uhr
Wow! Die "Fanbox" ist ein Fake oder?

Huhn vom Hof

Postings: 1389

Registriert seit 14.06.2013

2019-10-28 12:37:43 Uhr
"Wo ist der Mond" klingt höchstens minimal nach Pink Floyd, ist aber trotzdem ein passabler Song. Echte Instrumente statt Schlager-Bumsbeat.
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