Desert Sessions - Vols. 11 & 12

Desert Sessions- Vols. 11 & 12

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 25.10.2019

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unverwüstet

Man ist ab einem gewissen Alter einfach nicht mehr so oft auf der Piste. Die Beine werden träger, die umgebenden Freunde auch – der Stress im Alltag reicht ja meist schon aus, sodass man froh sein kann, wenn das Wochenende ruhig bleibt. Josh Homme geht es da wohl nicht anders: Die Zeit reichte seit dem Aufstieg der Queens Of The Stone Age kaum noch für eine entspannte Jamsession mit Freunden, weil er nebenher bei Eagles Of Death Metal, Them Crooked Vultures, Arctic Monkeys, Iggy Pop und weiteren als Musiker oder Produzent tätig war. Dementsprechend schon eine Ewigkeit ruhten seine Desert Sessions auf der Rancho de la Luna, die zwischen 1997 und 2003 immerhin fünf Pakete mit je 2 EPs produzierten. Bis vor kurzem zumindest. Denn nachdem 2003 mit "Vol. 9 & 10" die letzte Ausgabe mit prominenter und fulminanter Beteiligung von PJ Harvey erschien, hat Homme um Weihnachten 2018 herum ein paar befreundete Musiker wieder in die Wüste eingeladen, welche "Vols. 11 & 12" erschufen.

Darunter finden sich mehrere bekannte Namen. ZZ Tops Billy Gibbons etwa, der bereits Gastvocals bei Queens Of The Stone Age beisteuerte und den Opener "Move together" so krächzend einsingt, dass er sich beinahe wie Homme selbst anhört. Knochentrocken schält sich der Song aus dem Kokon, verfällt erst spät in eine wuchtige Drumattacke samt Lärm-Gitarrensolo und spendiert sich kurz vor Ende ein echtes Riff. Das wirkt anfangs spröde, gefällt aber mehr und mehr. Man wünschte sich, es wäre mit jedem der mageren acht Stücke innerhalb der halben Stunde so, doch leider, leider ist "Vols. 11 & 12" eine konfuse Sammlung an oft halbfertigen oder schwachen Ideen geworden. Besonders die Songs mit Hommes Gesang wirken wie von der Hauptband abgeguckt. "Noses in roses, forever" etwa klingt wie ein schwachbrüstiges "Villains"-Outtake, stolpert durch mehrere Breaks und zieht sich elend über fünf Minuten. Auch der Closer "Easier said than done" versucht sich an der Theatralik der letzten QOTSA-Schlusstracks, ist aber nur die okaye Economy-Variante davon.

Die Gäste haben ebenfalls nicht immer Glück. "Something you can't see" ist lahmer Düdelpop, dem auch Jake Shears von Scissor Sisters am Mikro seinen Stempel nicht aufdrücken kann. Royal Bloods Mike Kerr hat mit "Crucifire" immerhin ein schmissiges, kurzes Stück, welches jedoch hauptsächlich nach seiner eigenen Band klingt. Ganz furchtbar ist hingegen "Chic tweetz". Schon klar, auch die Vorgänger hatten Unsinns-Tracks. Die störten jedoch den Fluss nicht und hatten Wiederhör-Potenzial, man denke an "Winners" von "Vol. 7 & 8". Das hopsende Georgel hier nervt jedoch schon beim ersten Mal und wird danach eher noch schlimmer. Ganz offensichtlich soll die singende Figur namens Töôrnst Hülpft samt Fake-Twitteraccount als Social-Media-Geheimnis ausgeschlachtet werden. Angeblich aus Lappland, angeblich zufällig im Studio vorbeigestolpert. Wer auch immer dahinter steckt: Eine quietschig verfremdete Stimme singt mit eher deutsch klingendem Akzent Kram wie "I sent you this hot fax / But you gave me the axe / I said I was wax for your cracks." Sogar das Wort "Schmutzfink" kommt vor. Es dauert mit fast vier Minuten viel zu lange und mit jedem Durchgang wird die Penetranz schlimmer.

Hätte man sich mehr an die Wüstenatmosphäre gehalten, wäre die Chose wohl deutlich besser verlaufen. Das instrumentale "Far east from the trees" hat nämlich mit seiner akustischen Gitarre eine angenehm hypnotisierende Wirkung und bleibt interessant. Die bisher unbekannte Libby Grace veredelt derweil "If you run", den verhuschten Schleicher in der Wüstennacht. Da ist eine Prise Country drin, ein wenig knarzende Psychedelik, eine tolle, unerwartet krachige Klimax – das hat Klasse. "If you run you better have a place to go", lautet die zentrale Textzeile hier. Wo "Vols. 11 & 12" eigentlich hin will, ist überhaupt nicht klar. Auf den Vorgängern kam trotz der drogengeschwängerten Happenings immer etwas Faszinierendes raus. Hier reicht es leider nur für ein paar nette Momente und unterm Strich ein großes Achselzucken. Woran lag es? Stimmte die Chemie zwischen den eingeladenen Musikern nicht? Ist Homme mittlerweile zu professionell unterwegs, um sich auf so etwas richtig einzustellen? Oder sollte man ab einem gewissen Alter manche Dinge doch sein lassen?

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Move together
  • If you run

Tracklist

  1. Move together
  2. Noses in roses, forever
  3. Far east from the trees
  4. If you run
  5. Crucifire
  6. Chic tweetz
  7. Something you can't see
  8. Easier said than done

Gesamtspielzeit: 31:36 min.

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User Beitrag

tjsifi

Postings: 360

Registriert seit 22.09.2015

2019-10-29 14:11:15 Uhr
Gefällt mir nach ein paar Durchgängen immer besser vor allem die eher QOTSA untypischen Stücke:

Far East For The Trees
If You Run
Crucifire
Chic Tweetz (was ja in der Rezi so böse gescholten wird)
Something You Can't See

fuzzmyass

Postings: 337

Registriert seit 21.08.2019

2019-10-28 11:53:22 Uhr
Bei mir wirds wohl irgendwas zwischen 6 und 7/10, passt schon.

tjsifi

Postings: 360

Registriert seit 22.09.2015

2019-10-28 11:02:39 Uhr
Mir gefällt die Platte besser als Villians falls das überhaupt ein valider Vergleich ist.

Momentan ne solide 7/10 bei mir.

Voyage 34

Postings: 486

Registriert seit 11.09.2018

2019-10-26 14:11:41 Uhr
Die letzte QOTSA hat mein Interesse an der Band und allem drum herum schon extrem abgeflaut


Ich komm ja in "Villains" einfach nicht rein. Wie "Gore" von den Deftones ein Album, dass den 8/10-Plus-Lauf der jeweiligen Band für mich hart beendet hat. Jetzt halten sich nur noch "Trail of dead" auf dem Niveau über so viele Alben.
Und natürlich Motorpsycho. :D

kann ich nicht widersprechen

fuzzmyass

Postings: 337

Registriert seit 21.08.2019

2019-10-26 09:48:10 Uhr
Schon sehr fahrig, das Ganze... aber auch nicht somschlecht, wie die Rezension vermuten lässt... kommt an die letzte grandiose Desert Sessions niemals ran, aber die älteren Ausgaben waren ja auch schon sehr weird...

Villains find ich immer noch klasse, aber es gehört natürlich schon zu den schwächeren QOTSA. Dennoch sind viele liebgewonnene Songs drauf, die ich heute noch gerne höre.

Post Pop Depression ist anübsolut Pflicht für Leute, die Josh Homme (und vor allem Iggy Pop) gerne hören. Für mich eine 9/10.
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