Danny Brown - uknowhatimsayin¿

Danny Brown- uknowhatimsayin¿

Warp / Rough Trade
VÖ: 04.10.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Festgebissen

Irgendwann werden eben auch Rapper mal erwachsen. An der Westküste hat sich Snoop Dogg vor einer Weile zum American-Football-Coach ausbilden lassen, um dort einst das Team seines Sohnes zu trainieren. An der Ostküste formt Jay-Z gemeinsam mit seiner Frau Beyoncé quasi das First Couple der Unterhaltungsindustrie, das ist fast schon US-amerikanische Monarchie. Und im Mittleren Westen? Da fing gefühlt alles damit an, dass sich Danny Brown 2017, ein Jahr nach Veröffentlichung seines grandiosen vierten Albums "Atrocity exhibition", die Zähne richten ließ. Dabei waren die kaputten Beißerchen, eine Folge eines Fahrradunfalls aus Jugendtagen, doch schon ein Markenzeichen des Mannes aus Detroit, der bisher auch sonst nicht mit verrückten Auftritten geizte.

Aber Danny Brown, bürgerlich Daniel Dewan Sewell, bewegt sich mittlerweile eben auch zügig auf das 40. Lebensjahr zu. Und so verwundert es auch gar nicht mehr so sehr, dass sein fünfter Streich "uknowhatimsayin¿" im Vergleich zum bisherigen Output des Rappers regelrecht harmlos ist. Das ist nicht schlecht – auch dank der Produktion von solchen Meistern wie Flying Lotus, Thundercat oder insbesondere Urgestein Q-Tip entstand so ein starkes, fast schon klassisches HipHop-Album, das zwar nicht ganz so eklektisch klingt wie man es von Brown gewohnt ist, aber mit seiner straighten Linie dennoch zu überzeugen weiß. Und man darf wohl behaupten, dass er sich selbst einen Gefallen damit getan hat, indem er "Atrocity exhibition" eben nicht einfach zu wiederholen versucht.

In einem Interview mit NPR.org erklärte der 38-Jährige im Vorfeld, dass er zum ersten Mal das Gefühl hätte, auf einem Alben mit den Hörern zu sprechen anstatt ihnen einfach nur einen Schwank aus seinem Leben zu erzählen. Dieser Eindruck bestätigt sich auch auf der anderen Seite: Sei es in der augenzwinkernden Leadsingle "Dirty laundry", im melancholisch-düsteren "Shine" mit der Unterstützung von Dev Hynes alias Blood Orange oder auch im nervösen "Negro spiritual", dem ein hier unglaublich markanter JPEGMAFIA seinen Stempel aufdrücken durfte. Dass diese vermeintliche Veränderung auch damit zu tun hat, dass Brown sein eigener Lebensstil langsam zu viel wurde, offenbart der Opener "Change up": "Need to calm down, so pass me the weed / Got me stressed out, situations look bleak / Time's running out, how'd my days turn to weeks? / Up all night, toss and turn when I sleep / Pacing around, drowning sorrows in my drink."

Bei aller Entspannung sollte man jedoch nicht den Fehler machen zu glauben, dass Brown müde oder gar angreifbar geworden sei. "I'm legend in the end / So never try a scene, 'cause you could get bent", stellt er selbstbewusst fest und das oldschoolig vor sich hinflowende "Best life" gibt ihm Recht. Wenn Run The Jewels die Tür zur Fete aufstoßen und das Dreiergespann sich im rumpeligen "3 tearz" gegenseitig zu Höchstleistungen aufputscht, kann von Ruhestand ohnehin keine Rede sein. Zum Schluss, wenn "Combat" sich sicher nicht nur aufgrund Q-Tips Einflusses großzügig am jazzigen Charme von A Tribe Called Quest bedient, ist die Sache längst klar. "Tryna live on through my music / The future influence, the next to do it / The odds are against you, kiddo / Life want everything from you, like a divorced widow", spuckt Brown da. Im Hintergrund mischen Q-Tip selbst und dessen Cousin Consequence mit, eine dezente Trompete spielt den Schlangenbeschwörer. Ja, Danny Brown wird sicher ruhiger. Nein, Danny Brown zieht sich nicht zurück. Er nimmt nur Anlauf.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Dirty laundry
  • Negro spiritual (feat. JPEGMAFIA)
  • Combat

Tracklist

  1. Change up
  2. Theme song
  3. Dirty laundry
  4. 3 tearz (feat. Run The Jewels)
  5. Belly of the beast (feat. Obongjayar)
  6. Savage nomad
  7. Best life
  8. uknowhatimsayin¿ (feat. Obongjayar)
  9. Negro spiritual (feat. JPEGMAFIA)
  10. Shine (feat. Blood Orange)
  11. Combat

Gesamtspielzeit: 33:27 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Unangemeldeter

Postings: 277

Registriert seit 15.06.2014

2020-01-31 13:21:57 Uhr
Oh geil, das merk ich mir vor. Album finde ich zwar inzwischen ziemlich enttäuschend, aber live hätte ich Lust, den mal zu sehen.

boneless

Postings: 2951

Registriert seit 13.05.2014

2020-01-30 21:31:52 Uhr
Wow, Brown geht auf große Europa-Tour. Gigantische 9 Konzerte wird es geben.
Für Deutschland sind folgende Gigs geplant:

26.03.: Binuu, Berlin

%)

Plattenbeau

Postings: 885

Registriert seit 10.02.2014

2019-12-27 07:23:46 Uhr
Das Album enthält einige gute Ideen und Ansätze, insgesamt finde ich es einfach langweilig.

6/10

MopedTobias

Postings: 14767

Registriert seit 10.09.2013

2019-12-26 21:26:05 Uhr
Jahresendbetrachtungen? Auf hohem Niveau muss ich hier schon von einer kleinen Enttäuschung sprechen. Es ist zwar durchaus erfrischend, Brown mal so zurückgenommen zu hören, aber sein Alleinstellungsmerkmal ist einfach der klaustrophobische Wahnsinn, der "Atrocity exhibition" zu einem der besten Genre-Alben des Jahrzehnts gemacht hat. Entspannten Rap können andere noch besser.

Trotzdem natürlich ein gutes Album, für weniger sind die beteiligten Personen auch einfach zu talentiert. Ich gehe bei maxlivnos Einschätzung weiter oben weitgehend mit (auch bei den Highlights), würde vielleicht einen halben Punkt weniger geben.

Jennifer

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 2358

Registriert seit 14.05.2013

2019-10-25 19:50:25 Uhr
Ja, "One of the best yet", kommt Ende nächster Woche. Die erste Single mit J. Cole schlägt sich wacker.

Ich mach mal einen neuen Thread auf.

Edit: Hier isser.
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