Battles - Juice b crypts

Battles- Juice b crypts

Warp / Rough Trade
VÖ: 18.10.2019

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ticks, Tricks, vertrackt

Wie wär's hier noch mit einem Drumfill? Kleiner Taktwechsel gefällig? Schon das neue Keyboardsolo gehört? Nun lassen Sie das Kind doch mal nach vorne! Beim Experimental-Rock von Battles geht immer noch die Post ab. Keine Eingebung ist zu krude, um sie nicht irgendwo im Song noch unterzubringen. Auf dem bahnbrechenden "Mirrored" und zum Großteil auch auf dem sehr guten "Gloss drop" funktionierte das dank der Fixierung auf zentrale Motive, welche die abenteuerlustigen Stücke eingängig machten. Man denke nur an "Atlas" oder "Rainbow", deren schlumpfige Vocal-Hooks auch ohne verständliche Texte immer noch im Ohr sind. Auf "La di da di", dem ersten komplett instrumentalen Album, fehlte genau dieses Gespür für das gewisse Etwas. Die Songs wirkten angestrengt, blieben nicht wirklich hängen. Ihre vierte Platte "Juice b crypts" – immerhin wieder mit Gastvokalisten an Bord – könnte nun eigentlich Boden gutmachen. Tja: könnte, eigentlich.

Denn der Opener "Ambulance" veranstaltet zwar ein großes Trara mit dem markanten Schlagzeugspiel von John Stanier und Gniedeleinlagen von Ian Williams, welche nunmehr die einzigen verbleibenden Bandmitglieder sind. Aber in seiner Überfrachtung, in seinem Willen, möglichst technisch exzellent und beeindruckend daherzukommen, vergisst der Song, dass es Seele braucht. Das rauscht aufbrausend wie ein ICE vorbei, am Ende bleibt jedoch nur ein lauer Luftzug übrig. Das ist leider stellvertretend für die Stücke am Anfang und Ende von "Juice b crypts". Das zweiteilige "Last supper on Shasta" fiept derangiert, wechselt mit der Tracknummer auch den Rhythmus, um sich kurz darauf die letzten Minuten doch nur hinter einem orientierungslosen Klavier zu verstecken. Auch der Titeltrack davor ist nicht mehr als Gefrickel ohne Gespür für Songaufbau. "A loop so nice..." und "They played it twice", ein weiteres Doppel-Set, findet erst ganz zum Schluss das mitreißende Zusammenspiel der Elemente, allerdings erst nachdem man sich durch Nervmomente mit einem hysterisch kreischenden Synth und einer hysterisch kreischenden Xenia Rubinos wühlen müsste.

Dabei klappt es doch in der Albummitte so gut wie lange nicht mehr. "Super foot" steigert sich vom entspannten Quaken in tolle energische Höhepunkte, die immer noch einen draufsetzen können, ohne den Fokus zu verlieren. "Fort Greene Park" zeigt das Duo von einer gelasseneren, melodischen Seite, die ihnen in Kombination mit dem freakigen Trademark-Sound ziemlich gut steht. Auch die erste Single "Titanium 2 step" macht ihre Sache mit konstantem Drumming unter verschiedenen Movements in Ordnung, die Shouts von Sal Principato passen. Das Shabazz-Palaces-Feature "Izm" zeigt indes, dass Battles-Songs auch in einem HipHop-Kontext als ausgefallene Beatgrundlage funktionieren können – obwohl das Stück hier ein Fremdkörper bleibt. Das Grundproblem, was schon "La di da di" tief ins Mittelmaß zog, hat "Juice b crypts" leider letztlich ebenfalls: viel (Trommel-)Wirbel um wenig Substanz. Schade um ein einst so originelles und begeisterndes Projekt.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Sugar foot (feat. Jon Anderson & Prairie WWWW)
  • Fort Greene Park

Tracklist

  1. Ambulance
  2. A loop so nice...
  3. They played it twice (feat. Xenia Rubinos)
  4. Sugar foot (feat. Jon Anderson & Prairie WWWW)
  5. Fort Greene Park
  6. Titanium 2 step (feat. Sal Principato)
  7. Hiro 3
  8. Izm (feat, Shabazz Palaces)
  9. Juice b crypts
  10. Last supper on Shasta pt. 1 (feat. Tune-Yards)
  11. Last supper on Shasta pt. 2 (feat. Tune-Yards)

Gesamtspielzeit: 40:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 18336

Registriert seit 07.06.2013

2019-10-17 18:52:58 Uhr
Seine Stimme vermiss ich auch nicht, aber der Typ war ja auch an den Keys aktiv und hatte da schon geile Sachen eingebracht, wie ich auch damals live erleben konnte.
"Gloss Drop" fand ich richtig gut, die danach hat mir leider nciht so viel gegeben.

Underground

Postings: 1236

Registriert seit 11.03.2015

2019-10-17 10:00:46 Uhr
Kann die schlechte Rezi nach dem ersten Durchgang nicht nachvollziehen.

Wobei ich auch die Gloss Drop und die La Di Da Di beide stärker als die Mirrored finde, da mir der Mickey Mouse-Gesang dort stellenweise (anders als bei TMV) gehörig auf den Sack geht...der Ausstieg des Sängers war ein Segen für die Band.

Armin

Postings: 16249

Registriert seit 08.01.2012

2019-10-16 21:35:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Felix H

Postings: 3911

Registriert seit 26.02.2016

2019-09-27 10:00:12 Uhr - Newsbeitrag

noise

Postings: 636

Registriert seit 15.06.2013

2019-08-10 13:12:34 Uhr
Puh... fand Battles eigentlich immer interessant und vor allem die Mirrored richtig gut. Aber das hier... ne.
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