Vagabon - Vagabon

Vagabon- Vagabon

Nonesuch / Warner
VÖ: 18.10.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Das Licht dieser Weltmusik

Huch? Normalerweise sind kurzfristige Änderungen an Alben doch eher Sache von Kanye West – der bekanntlich auch noch mal Hand anlegt, wenn das eigentliche Werk längst auf allen Plattformen veröffentlicht wurde. Lætitia Tamko, seit Erscheinen ihres 2017er-Debüts "Infinite worlds" besser bekannt als Vagabon, wollte den albernerweise oft als so schwierig dargestellten Zweitling dann aber auch nicht einfach so raushauen, wie er ursprünglich gedacht war. Die Folge: Statt im September bekommen ihre Hörer das gute Stück, das zudem mit einem neuen Titel versehen wurde, erst im Oktober zu hören. Aus "All the women" wurde schlicht "Vagabon". Immerhin ein bisschen Einfachheit in dem ganzen Chaos.

Der Grund für die kurzfristige Änderung ist ein edler oder zumindest ein charmanter: Ursprünglich sollten der Name des Albums und der dazugehörige Titeltrack dem Poesiewerk von Nayyirah Waheed huldigen, die aber verlauten ließ, dass ihr das gar nicht so angenehm sei. Und weil Vagabon schon dabei war, benannte sie die Leadsingle "Flood hands" auch noch gleich ins schlichtere "Flood" und den besagten Titeltrack in "Every woman" um. Alles anders also? Ein bisschen schon: Mit der Unterstützung von John Congleton am Mischpult, der zuletzt auch Angel Olsen auf "All mirrors" unter die Arme griff, entfernt sich Vagabon stilistisch stellenweise durchaus vom vorherrschenden, leicht schrammeligen Indie-Sound ihres ersten Albums. Kratzt man ein wenig an der Oberfläche, erkennt man ihn dann aber doch, diesen ganz eigenen und noch so frischen Stempel der Künstlerin.

So spielt das zärtlich auf und ab hüpfende "Water me down" gar mit Synthie-Pop-Tönen und legt zugunsten des Hit-Potenzials in seiner zweiten Hälfte glatt noch eine Schippe TripHop-Elemente drauf. Der Opener "Full moon in Gemini" groovt sich dafür mit tiefem Bass einmal quer durchs Streichorchester und lässt dabei den Drum-Computer feinste Arbeit leisten, während das völlig durchgedrehte "Please don't leave the table" der Bläsersektion einen kleinen Besuch abstattet. Klingt alles wirr im Vergleich zu "Infinite worlds"? Es ist zumindest überraschend, und beim ersten Hördurchgang sicher auch etwas gewöhnungsbedürftig.

Mit wachsender Vertrautheit zum Album steigt aber auch der Wohlklang des ebensolchen. Dann nämlich, wenn aus Weltmusik im episch-ausladenden "Home soon" plötzlich Weltraummusik wird oder wenn Stücke wie "Wits about you" sowie "Every woman" den Songs des Debüts gar nicht mehr so fern sind und trotzdem etwas Neues wagen. Dennoch kann man Vagabon für ihren Mut und ihre Konsequenz nur beglückwünschen – sie ist ihren Weg gegangen, ohne die bereits zurückgelegte Strecke komplett hinter sich zu lassen. "So I'll take my time / Next time / And I'll do it right", singt sie im bereits angesprochenen "Water me down", und erst dann kann man wirklich nur noch ungläubig den Kopf schütteln. Nächstes Mal? Vagabon hat längst alles richtig gemacht.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Full moon in Gemini
  • Water me down
  • Home soon

Tracklist

  1. Full moon in Gemini
  2. Flood
  3. Secret medicine
  4. Water me down
  5. In a bind
  6. Wits about you
  7. Please don't leave the table
  8. Home soon
  9. Every woman
  10. Full moon in Gemini (Monako reprise)

Gesamtspielzeit: 35:47 min.

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Armin

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2019-10-09 21:07:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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