Refused - War music

Refused- War music

Spinefarm / Universal
VÖ: 18.10.2019

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Hol den Vorschlaghammer

Als Refused nach fast zwei Dekaden Absenz den Nachfolger zu "The shape of punk to come" vorlegten, konnten die schwedischen Hardcore-Heroen um Dennis Lyxzén eigentlich nur verlieren. Überraschenderweise hatten sie sich ganz achtbar aus der Affäre gezogen: "Freedom" war mehr als ein müder Abklatsch und hat stellenweise richtig Spaß gemacht. Das Denkmal blieb intakt. Die Erwartungshaltung hätte also geringer sein können, auch wenn 2019 vermutlich kaum jemand mit einem neuen Meilenstein gerechnet haben wird. Ein Langweiler wie "War music" überrascht dann aber doch, obwohl man hätte gewarnt sein können. Bereits die beiden Vorab-Singles animierten nicht unbedingt zu begeisterten Luftsprüngen. "Blood red" geht mit viel Wohlwollen noch als ganz netter "New noise"-Klon mit verunglücktem Chorus durch. Überflüssig, aber na ja. "REV001" stampft hingegen so plump und uninspiriert durch die Gegend, dass man unweigerlich beginnt, sich Sorgen zu machen. Meinen die das etwa Ernst? Offenbar ja. Dass ausgerechnet diese laue Nummer nun am Anfang von "War music" steht, hat immerhin den Vorteil, dass es danach nur besser werden kann. Mit "Violent reaction" zeigt die Formkurve dann auch in der Tat leicht nach oben, aber mit fortgeschrittener Spielzeit macht sich mehr und mehr Ernüchterung breit. 


Das Problem an "War music" ist nicht, dass hier die wilde Stilmixtur und der Ideenreichtum von "Freedom" zugunsten einer neuen, nennen wir es positiv ausgedrückt Kompaktheit aufgegeben wird. Und bekanntlich lebt herkömmlicher Hardcore nicht unbedingt von ausgefeiltem Songwriting oder besonders kreativen Momenten. Dann muss aber zumindest die Intensität stimmen. Auch die geht den zehn Songs allerdings zum Großteil ab. Refused liefern auf "War music" im Grunde brachialen, aber biederen Alternative Rock mit den üblichen Trademarks, Riffs und Hooks, wie man sie gefühlt schon zigmal gehört hat. Im Zweifelsfall im vorherigen Song oder in dem davor. Das ist auf Dauer schrecklich fad. Bleibt aber zum Glück nicht lange im Gedächtnis haften. "Damaged III" ist beispielsweise ein Song, der auch nach mehrmaligem Hören einfach keinen Eindruck hinterlässt. Oder war es "The infamous left"? Vielleicht auch "Economy of death". Egal. Von wenigen Ausnahmen abgesehen bollert "War music" nämlich so eigenschafts- wie einfallslos vor sich hin. Tiefpunkt ist in dieser Hinsicht "Death in Vännäs", das außer dem einigermaßen pfiffigen Titel wirklich rein gar nichts zu bieten hat. Aber selbst wenn Refused sich redlich bemühen, der Ertrag bleibt bescheiden. Das frickelige und rhythmisch vertrackte "Turn the cross" wirkt etwa fast wie eine Selbstparodie. 


Dafür, dass "War music" nicht komplett abschmiert, sorgen einige wenige Ausreißer nach oben. Das schon genannte "Violent reaction" macht nicht viel falsch, würde auf einem mittelmäßigen Album aber auch nur als Lückenfüller taugen. Besser ist schon "I wanna watch the world burn", das unerwartet indie-poppige Töne anschlägt und mit seinen cleanen Vocals eine willkommene Abwechslung von der omnipräsenten Pseudo-Härte bildet. "Malfire" beginnt ebenfalls zurückhaltend und baut zunächst Spannung auf, um dann im Chorus den Dampfhammer auszupacken. Doch insgesamt ist das einfach zu wenig. Auch die Texte setzen bei allem verbalen Radikalismus kaum Akzente: Die Schweden prangern Missstände an und besingen die Revolution, wie man es von ihnen nicht anders kennt und erwartet. Das ist immer noch gut und richtig, klang früher aber auch schon mal überzeugender. Und so zeichnet sich "War music" im Ganzen vor allem durch seine Einfallslosigkeit aus. Jede andere Band würde mit diesem mediokren Auftritt vermutlich nur ein gelangweiltes Gähnen hervorrufen. So ziemlich jede andere Band hat aber auch nicht mit einer solchen Fallhöhe umzugehen. Da war es rückblickend wenig hilfreich, dass Lyxzén vor Erscheinen vollmundig verkündete, dass dies die Platte sei, "die die Leute von uns beim letzten Mal haben wollten". Fraglich, wer diese Leute sein sollen. Klar dürfte hingegen auch sein, dass sich Refused in puncto Denkmalpflege dieses Mal keinen Gefallen getan haben.

(Markus Huber)

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Highlights

  • I wanna watch the world burn
  • Malfire

Tracklist

  1. REV001
  2. Violent reaction
  3. I wanna watch the world burn
  4. Blood red
  5. Malfire
  6. Turn the cross
  7. Damaged III
  8. Death in Vännäs
  9. The infamous left
  10. Economy of death

Gesamtspielzeit: 34:20 min.

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User Beitrag

Jack the real Wiesel

Postings: 39

Registriert seit 16.12.2013

2019-10-11 07:56:50 Uhr
@The MACHINA of God

Jaaaaa, vor allem David Sandström enttäuscht mich am meisten. Was der eigentlich am Schlagzeug wegschnetzeln kann. Dass der nicht bei den ganzen monotonen und simplen Stampf-Beats einpennt...
Ich weiß noch, dass sie damals in Interviews immer ganz bescheiden ihr Licht unter den Scheffel gestellt haben, wenn sie für ihre Riffings gelobt wurden: "Aaach, wir versuchen eigentlich nur unsere Riffs bei Slayer zu klauen." Und ich dachte mir immer: Die Riffs klingen null wie Slayer.
Bei den bisherigen vorab Singles von War Music sehe ich das aber total anders. Das klingt für mich 1 zu 1 wie Slayer. Weil langweilige Standard-Metal-Riffs (sorry, Slayer-Fans).
Was mir jedoch positiv auffällt: Ich habe das Gefühl, dass Dennis Lyxzens Screams wieder kraftvoller als auf Freedom sind.

Mayakhedive

Postings: 1079

Registriert seit 16.08.2017

2019-10-11 04:31:38 Uhr
:D Da könnte man jetzt fast in die Meta-Ebene gehen und ihnen zugutehalten, dass man für die Mobilisierung der Massen, die man für eine Revolution ja zweifelsohne braucht, heute eben eher Bierzeltmusik machen muss.

The MACHINA of God

Postings: 17589

Registriert seit 07.06.2013

2019-10-11 00:17:54 Uhr
Boah, was ist denn mit den vor allen Dingen rhythmisch passiert? Schon "Rev001" stampfte vor sich hin, das hier ist fast noch schlimmer. Die Bierzelt-Revolution, oder was?

The MACHINA of God

Postings: 17589

Registriert seit 07.06.2013

2019-10-11 00:06:41 Uhr
Meistgestreamter Song übrigens: "New noise" mit rund 17 Millionen Plays. Zweiter Platz: "New noise" mit knapp 9 Millionen Plays. Exakt gleicher Song, nur auf zwei verschiedenen Releases.
So sieht gutes Streaming-Management aus. Statt 26 Millionen KLicks, warum nicht einfach aufteilen? Sind halt auch gegen den Kapitalismus, die Guten...

The MACHINA of God

Postings: 17589

Registriert seit 07.06.2013

2019-10-11 00:03:56 Uhr
Neuer Song "Economy of Death":



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