The Hidden Hand - Divine propaganda

The Hidden Hand- Divine propaganda

Exile On Mainstream / EFA
VÖ: 13.06.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Unter der Hand

Scott "Wino" Weinrich ist wieder da. Der Sänger, Gitarrist und Bandleader, der in etwa jeder dritten tauglichen Doom- oder Stoner-Band seine Finger im Spiel hatte, ist mit einem neuen Projekt zurück in der Arena. Das Kind heißt diesmal The Hidden Hand und kann zu Anfang nicht mal annähernd überraschen: "Bellicose rhetoric" klingt wie ein ehrfurchtsvolles Black Sabbath-Cover. Das hat man erwartet und ehrlich gesagt ja auch erhofft. Als Anhänger eines Musikgenres, das man beim besten Willen nicht mehr als trendy bezeichnen kann, wird man wertkonservativ. Wer das nicht will, treibt weiter mit dem Strom.

Wino allerdings ist kein toter Fisch, und so muß sich der ängstliche Fan keine Sorgen wegen des verdächtigen "The" im Bandnamen machen. "Divine propaganda" klingt, als ob die beteiligten Personen diesen Fauxpas nicht mal bemerkten. Zumindest ist ihnen der dazugehörige Trend offenbar völlig unbekannt. Hier polieren drei Besessene in einer von der Zeit vergessenen Hinterhofwerkstatt alte, dunkle Metallbrocken auf, um daraus bizarre und sperrige Skulpturen zu bauen. Im Gegensatz zu manch anderen Kollegen sind The Hidden Hand auch nicht gänzlich von der Außenwelt abgeschottet. Wohlwollend haben sie zur Kenntnis genommen, daß junge Künstler den Begriff vom "Progressive Rock" einer lärmenden Generalinspektion unterzogen haben.

Außerdem hat der Dreier erkannt, wie schlecht diese Welt ist, in der alle, die sich nicht an fragwürdigen Feldzügen gegen das vermeindlich Böse beteiligen wollen, zur Achse desselbigen gerechnet werden. Offene politische Agitation ist dem Stoner von nebenan bislang eher fremd gewesen, doch The Hidden Hand bringt sie ihm nun mit behutsamen Dampframmenstößen näher. Ganz nebenbei läßt die Band vorsichtig frische musikalische Entwicklungen miteinfließen, immer darauf bedacht, nicht den Verdacht einer geplanten Revolution aufkeimen zu lassen. Gut gemachte Propaganda ist subtil.

Niemand, den das Schaffen des Herrn Weinrich auch anno 2003 noch ernsthaft interessiert, wird von "Divine propaganda" verschreckt werden. Gleichzeitig ist das neue Werk aber auch spannend genug, die verbliebenen Getreuen bei der Stange zu halten. Die eigentlichen Überraschungen birgt nicht die Musik. Die Botschaft ist die Saat, die die versteckte Hand in die ordentlich durchgepflügten Hirne einstreut. Göttliche Propaganda, fürwahr.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Screw the naysayers
  • Sunblood
  • The Hidden Hand (theme)
  • Prayer for the night

Tracklist

  1. Bellicose rhetoric
  2. Damyata
  3. Screw the naysayers
  4. Sunblood
  5. For all the wrong reasons
  6. Tranquility base
  7. The last tree
  8. The hidden hand (Theme)
  9. Divine propaganda
  10. Prayer for the night

Gesamtspielzeit: 36:34 min.

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