Opeth - In cauda venenum

Opeth- In cauda venenum

Moderbolaget / Nuclear Blast / Warner
VÖ: 27.09.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ja, det kan vi

Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. Es sind ja nicht gerade Breaking News, dass Mikael Åkerfeldt bekennender Freidenker und Freigeist ist, zumindest in künstlerischer Hinsicht. Die Aussage des Frontmanns und letzten Gründungsmitglieds von Opeth, Metal sei keine Rebellion mehr, dürfte wohl noch manchem Fundamentalisten in den Ohren klingen. Manchmal jedoch kann selbst Åkerfeldt noch für Verblüffung sorgen. Denn plötzlich tauchte die Information über die Entstehung eines neuen Albums auf, obwohl die Skandinavier sich eigentlich eine schöpferische Pause verordnet hatten. Mehr noch – um zum Überraschungsmoment noch einen kräftigen Schuss Exzentrik hinzuzufügen, sollten die Lyrics komplett in schwedischer Sprache verfasst sein. Laut dem Frontmann deshalb, weil es einfach irgendwie passte. Ah ja. Die spinnen, die Schweden?

Nicht ganz. Denn netterweise gibt es eine englischsprachige Fassung gleich dazu, außerdem wollte Åkerfeldt schlicht einmal eine Platte frei von der Leber weg produzieren, ohne Termindruck einfach unbelastet arbeiten. Und das gelingt auch auf "In cauda venenum", dem 13. Album der Band, die einst nach eigener Aussage die böseste Death-Metal-Band der Welt sein wollte, ganz vorzüglich. Denn nach dem dezent einstimmenden Intro liefert "Svekets prins" ein wunderbares Wechselspiel aus leisen Spielereien und lauten Ausbrüchen, die jedoch nie zu ruppig werden. "Hjärtat vet vad handen gör" beginnt mit einem krachenden Metal-Riff, reißt sofort mit, behält aber durch Åkerfeldts wunderbar schwebenden Gesang immer eine leichte Melancholie. Und will vor allem Dank der famosen, knackig-druckvollen Produktion unbedingt sehr laut gehört werden.

"De närmast sörjande" ist wiederum in positivem Sinn anstrengend. Nicht nur, weil die leisen Akustikparts überhaupt erst durch den erwähnten großartigen Albumsound ermöglicht werden, schicken Opeth die Hörer durch eine Dynamikreise, die zwar hart erarbeitet werden will, aber jederzeit lohnt. Das disqualifiziert mindestens diesen Song, im Grunde genommen jedoch sogar die komplette Platte als Berieselung zum Bügeln oder Autofahren – nicht nur komplett zu verschmerzen, sondern vermutlich auch so gewollt. Denn was jener Song im Kleinen verlangt, fordert das Album im Gesamtkontext: permanente Aufmerksamkeit. Denn sonst würden die kleinen Nuancen, diese sorgsam platzierten spielerischen Elemente einfach so vorbei rauschen. Angesichts dezenter Frickeleien wie einem nahezu bösartig filigranen Bass-Solo von Martin Mendez bei "Banemannen" wäre das geradezu verwerflich.

"Banemannen" ist vielleicht auch der Song, der am meisten heraussticht. Nicht weil er der eine große Überhit wäre, den will die Platte auch gar nicht haben. Sondern weil Opeth hier die Experimentierfreude am weitesten treiben, sich tief im Jazz bedienen, in manchen Parts gar an die Filmscores des großartigen Danny Elfman erinnern. Ansonsten – und das mag zunächst paradox klingen – ist "In cauda venenum" an sich gar nicht so überraschend. Jede Platte von Opeth ist die Station einer Reise, lässt eine schlüssige Weiterentwicklung erkennen, fügt sich in ein großes Ganzes ein. Das zugegebenermaßen etwas nerdige Experiment, einmal alle Opeth-Alben aufmerksam am Stück zu hören, dürfte hier aufschlussreich sein. Möglicherweise stößt "In cauda venenum" nicht mehr so vor den Kopf, wie es damals "Heritage" getan hat. Vielleicht beschließt Mikael Åkerfeldt aber im Anschluss auch, dass die Geschichte dieses Hippie-Artrock-Metal auserzählt und es Zeit für neue stilistische Experimente ist. Man weiß es nicht. Man könnte aber auch einfach die Klappe halten, und "In cauda venenum" als das großartige Album würdigen, das es ist.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Hjärtat vet vad handen gör / Heart in hand
  • De närmast sörjande / Next of kin
  • Banemannen / The garroter
  • Allting tar slut / All things will pass

Tracklist

  1. Livets trädgård / Garden of earthly delights
  2. Svekets prins / Dignity
  3. Hjärtat vet vad handen gör / Heart in hand
  4. De närmast sörjande / Next of kin
  5. Minnets yta / Lovelorn crime
  6. Charlatan
  7. Ingen sanning är allas / Universal truth
  8. Banemannen / The garroter
  9. Kontinuerlig drift / Continuum
  10. Allting tar slut / All things will pass

Gesamtspielzeit: 67:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Lateralis84skleinerBruder

Postings: 89

Registriert seit 03.03.2019

2019-10-17 14:57:53 Uhr
Edit: bei Charlatan

Lateralis84skleinerBruder

Postings: 89

Registriert seit 03.03.2019

2019-10-17 14:48:04 Uhr
Ich sag es nochmal, bzw stelle eine Frage. Wer hört in der ersten Hälfte noch die Stimme von Jonathan Davis?

kiste

Postings: 14

Registriert seit 26.08.2019

2019-10-17 13:35:20 Uhr
Hehe, die Schweden. Danke für die Info!
Ich habe die letzten Tage ausschließlich die schwedische Version gehört. Viele kleine Details gefallen mir da nun besser.
@Voyage 34: Kann dir da nur zustimmen, dass sie „ein kleines Stück intensiver wirkt.“

Oceantoolhead

Postings: 987

Registriert seit 22.09.2014

2019-10-17 12:22:49 Uhr
@Kiste

ja gab es. Sogar mit den selben beiden Sprachen :

Kent - Isola
Kent - Hagnesta Hill

allerdings ist das eher alternative Rock in Richtung The Bends als metal

Voyage 34

Postings: 439

Registriert seit 11.09.2018

2019-10-16 17:12:44 Uhr
Hab mal ein bisschen in die schwedische Version reingehört und muss schon sagen, dass wir die Lyrics fehlen, aber sie schon ein kleines Stück intensiver wirkt. Kann das noch nicht für alle Songs bestätigen, aber Lovelorn Crime gefällt mir in schwedisch glaube ich tatsächlich besser, Next of Kin vielleicht auch..
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