Korn - The nothing

Korn- The nothing

Roadrunner / Warner
VÖ: 13.09.2019

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Heiße Luft

Korn sind das Faxgerät unter den Nu-Metal-Bands. Gleichmütig verrichten sie ihren Dienst. Dass sie hoffnungslos veraltet sind, interessiert sie nicht. Solange der Strom fließt, wird fleißig weiter gesendet. Eigentlich könnte diese Rezension hier enden. Denn "The nothing" ist einfach nur ein weiteres Korn-Album. Mit allen Stärken und Schwächen. Und vor allem ohne jede neue Idee. Willkommen im der Festival-Headliner-Zone. Fans der Band interessiert die Innovationsscheu ihrer Helden natürlich nicht. Sie freuen sich darüber, dass die Band ihrem Sound treu geblieben ist. Gehässigkeit beiseite: "The nothing" ist trotz aller Bräsigkeit beileibe kein schlechtes Album. Allerdings sind die Songs derart schablonenhaft, dass bisweilen der Eindruck der Selbstkarikatur aufkommt. An der grundlegenden Qualität von Tracks wie "This loss" ändert dies wenig. Nötig ist das alles trotzdem nicht.

Jonathan Davis zeigt sich in guter Form. Mühelos kombiniert er etwa in "The darkness is revealing" klaren Gesang, Growls und Rap-Passagen. Mit seinen Weirdo-Stakkati lockt er jedoch niemanden mehr hinter dem Bierzelt hervor. Strukturell sind die meisten Songs ein Offenbarungseid. Auf ein atmosphärisches Intro folgt eine rhythmische Strophe, die in einen hymnischen Refrain mündet. Als Bridge fungiert meist ein feistes Riff, der Moshpit möchte schließlich auch bedient werden. Dass der Unfug trotzdem irgendwie funktioniert, muss man der Band zugute halten. Songs wie "Idiosyncrasy" und "Finally free" machen trotz Schematismus Spaß. In Sachen Sound hat sich freilich wenig getan. Noch immer klingt der Bass so, als könnte man die tiefste Saite mehrfach um den Hals wickeln, während die Gitarren stoisch vor sich hin riffen. Die Produktion gerät dabei so fett, dass sich Witze über klischeehafte Essgewohnheiten von US-Amerikanern aufdrängen.

Der Gedanke hinter dem technischen Aufwand ist so simpel wie nachvollziehbar: Wenn künstlerisch nur noch wenig vorangeht, muss wenigstens die Verpackung stimmen. Und das tut sie, obgleich die Synthesizer-Einsprengsel klingen, als wären sie einer Sample-CD aus dem Jahr 1998 entnommen. Apropos: Was die Band geritten hat, einen Song allen Ernstes "H@rd3r" zu betiteln, dürfte ihr Geheimnis bleiben. Da ist sie wieder, die Gehässigkeit. Korn machen es einem auch nicht leicht. Wenn beispielsweise "The ringmaster" vielversprechend mit einem prägnanten Riff beginnt, keimt Hoffnung auf. Anstatt so richtig zu eskalieren, versinkt der Song jedoch in einem suppigen Refrain. Und dann beginnt Davis auch noch zu beatboxen. Fehlen eigentlich nur noch die Dudelsäcke. Und die gibt es natürlich auch. Direkt im Intro ertönt das Gebläse. So viel Hingabe zum bandeigenen Vermächtnis verdient Anerkennung. Heiße Luft für heiße Tage. Wir sehen uns bei Rock Am Ring.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Idiosyncrasy
  • Finally free

Tracklist

  1. The end begins
  2. Cold
  3. You'll never find me
  4. The darkness is revealing
  5. Idiosyncrasy
  6. The seduction of indulgence
  7. Finally free
  8. Can you hear me
  9. The ringmaster
  10. Gravity of discomfort
  11. H@rd3r
  12. This loss
  13. Surrender to failure

Gesamtspielzeit: 44:03 min.

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User Beitrag

Schwarznick

Postings: 306

Registriert seit 08.07.2016

2019-09-27 19:55:00 Uhr
"Die neue hat mich nach 2 Fast-Durchläufen nicht bekommen. Ich probier es aber immer mal wieder weiter. :)"

und wie schauts mittlerweile aus?

"Ist vielleicht eher was für Fans der ersten beiden Album."

wird so wohl stimmen, nach 2003 haben sie mich endlich wieder. ich finde es wieder genug abgefucked, die mischung aus wahnsinn, abgehparts und melodie passt perfekt. nachdem ich die letzten nur noch abgewunken habe und mir bei the nothing wie gehabt dachte, hörste mal rein und bist wieder enttäuscht, bin ich jetzt wieder an bord. wahnsinn!

Klaus

Postings: 270

Registriert seit 22.08.2019

2019-09-22 08:32:14 Uhr
Das schöne ist, mit dem Satz davor macht das trotzdem Sinn.

Christopher

Postings: 1193

Registriert seit 12.12.2013

2019-09-22 07:51:20 Uhr
"Als müsste jeder Song eines Albums ein Radiohead werden."

Herrlich, danke dafür.

The MACHINA of God

Postings: 17610

Registriert seit 07.06.2013

2019-09-22 02:17:51 Uhr
Ok, ich habe grad tatsächlich Radiohead statt Radiohit geschrieben.

Das zeigt zweierlei:
1.) Es ist zu spät.
2.) Ich bin zu lange Zeit in diesem Forum unterwegs. :)

The MACHINA of God

Postings: 17610

Registriert seit 07.06.2013

2019-09-22 02:16:49 Uhr
Und diese grauenhaft seifigen Refrains, die in jedem zweiten Track erklingen, machen es nicht besser.

In jedem ZWEITEN? Haben das Korn leider nicht fast immer (siehe auch mein Problem mit der "Serenity"?). Genauso wie bei der "Koi yo nokan" von den Deftones (natürlich qualitativ kein Vergleich) stört mich, dass diese Bands in JEDEM verdammten Song einen "elegischen" ("epischen" oder whatever) Refrain einbauen müssen. Als müsste jeder Song eines Albums ein Radiohead werden.
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  • KoRn (274 Beiträge / Letzter am 10.09.2019 - 21:02 Uhr)

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