Sheryl Crow - Threads

Sheryl Crow- Threads

Universal
VÖ: 30.08.2019

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Die Unvollendete

Um die Jahrtausendwende herum hat Sheryl Crow den Faden verloren. Nach einigen großartigen Alben in den Neunzigern begann der künstlerische Abstieg mit "C'mon c'mon". Seitdem ist viel Zeit vergangen. Crow veröffentlichte regelmäßig neue Werke, keines von ihnen erreichte jedoch die Tiefe von "The globe sessions" oder "Tuesday night music club". "Threads" ist das mittlerweile elfte Album der US-Amerikanerin und soll, sofern man ihrem Label glaubt, ihr letztes sein. Das klingt reichlich merkwürdig. Sich mit gerade einmal 57 Jahren aufs Altenteil zurückzuziehen erscheint absurd. Die Hintertür bleibt daher offen: Touren und EPs soll es auch weiterhin geben. Ob "Threads" wirklich der Schlusspunkt einer fast drei Jahrzehnte währenden Karriere sein wird, bleibt deshalb abzuwarten. Eine Rückkehr zu alter Stärke ist es nur bedingt, wenngleich in manchen Momenten angedeutet wird, welch talentierte Songwriterin Sheryl Crow war und ist.

Konzeptionell handelt es sich um ein klassisches Kollaborationsalbum. Die Mehrheit des Materials stammt aus Crows Feder, zusätzlich finden sich einige Coverversionen auf "Threads". Musikalisch gibt es wenig Überraschendes zu hören. Noch immer agiert die Sängerin irgendwo zwischen Country, Rock und Pop, wobei diesmal der Fokus klar auf den ersten beiden Genres liegt. Das ist nicht selten ein Glücksfall. Verantwortlich für das Gelingen vieler Tracks sind die inspirierten Gastauftritte bekannter Künstler. So hat sich Sheryl Crow für "Prove you wrong" Stevie Nicks und Maren Morris ins Studio geholt. Die Stimmen der drei Damen harmonieren hervorragend, der zugrundeliegende Song ist souveräner, aber etwas unspektakulärer Nashville-Pop.

Den Schritt aus der Komfortzone wagt "The story of everything". Ein Text mit politischem Anspruch trifft auf Handbremsen-Funk, selbst Chuck D darf ein paar nichtssagende Lines beisteuern. Hier wäre mehr möglich gewesen. Deutlich besser sind "The worst", welches mit Keith Richards eingespielt wurde, und das mit Kris Kristofferson entstandene "Border lord". Auch der Gottvater der Schratigkeit, Willie Nelson, zeigt sich in "Lonely alone" gut bei Stimme. Über allem thront jedoch "Redemption day". Ursprünglich erschien der Song auf Crows selbstbetiteltem Album im Jahr 1996, Johnny Cash coverte ihn kurz vor seinem Tod, er fand schließlich seinen Weg auf "American VI: Ain't no grave". Die Kombination der beiden Versionen ist schlicht atemberaubend. Zu einem spärlichen Arrangement singen die beiden Verse, die sich ins Gedächtnis brennen.

Schließlich muss noch "Wouldn't want to be like you", welches mit St. Vincent entstand, erwähnt werden. Sheryl Crows Handschrift trifft auf Annie Clarks Bereitschaft, sich aufs Wichtigste zu reduzieren. Kein Evergreen, aber ein guter Song. Das Hauptproblem von "Threads" offenbart sich beim Blick auf die Spielzeit. 17 Songs in 75 Minuten sind deutlich zu viel. Die Tatsache, dass in der zweiten Hälfte der Balladen-Anteil zunimmt, verstärkt Ermüdungserscheinungen. Dennoch findet sich mit "Nobody's perfect", welches mit Emmylou Harris eingespielt wurde, ein weiteres Highlight. Ansonsten regiert allerdings Gleichförmigkeit und Langeweile. Hier hätte ruhig die Schere angesetzt werden dürfen. Sollte dieses Album also wirklich Crows Schwanengesang sein, bleibt so manche Frage offen. Allen voran: Was wäre, wenn sie nicht irgendwann den Faden verloren hätte?

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Prove you wrong (feat. Stevie Nicks & Maren Morris)
  • Redemption day (feat. Johnny Cash)
  • Lonely alone (feat. Willie Nelson)
  • Nobody's perfect (feat. Emmylou Harris)

Tracklist

  1. Prove you wrong (feat. Stevie Nicks & Maren Morris)
  2. Live wire (feat. Bonnie Raitt & Mavis Staples)
  3. Tell me when it's over (feat. Chris Stapleton)
  4. Story of everything (feat. Chuck D, Andra Day & Gary Clark Jr.)
  5. Beware of darkness (feat. Eric Clapton, Sting & Brandi Carlile)
  6. Redemption day (feat. Johnny Cash)
  7. Cross Creek Road (feat. Lukas Nelson)
  8. Everything is broken (feat. Jason Isbell)
  9. The worst (feat. Keith Richards)
  10. Lonely alone (feat. Willie Nelson)
  11. Border lord (feat. Kris Kristofferson)
  12. Still the gold old days (feat. Joe Walsh)
  13. Wouldn't want to be like you (feat. St. Vincent)
  14. Don't (feat. Lucius)
  15. Nobody's perfect (feat. Emmylou Harris)
  16. Flying blind (feat. James Taylor)
  17. For the sake of love (feat. Vince Gill)

Gesamtspielzeit: 74:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

BrianvN

Postings: 9

Registriert seit 13.06.2013

2019-09-20 04:34:04 Uhr
Okay Christopher, danke für dein Statement. Das "Globe Sessions" Album zählt zu meinen Lieblingsalben.

"Story of everything" finde ich auch nicht so super, aber das Gittarrensolo von Gary Clark Jr. wollte ich hervorheben.

Zappyesque

Postings: 130

Registriert seit 22.01.2014

2019-09-19 14:11:49 Uhr
@BrianvN:

Ich stimme dir voll zu die von dir genannten Künstler hervorzuheben und verfolge deren individuelles Schaffen auch mit Begeisterung! Gerade was Isbell und seine Frau in den vergangenen Jahre rausbgebracht haben ist teilweise sensationell und auch Carlile macht auch meiner Meinung nach famose Musik. Generell ist ja die Folk/Country/Americana Szene, auch von diesen großen Namen abgesehen, ja sehr spannend und wird auf dieser Seite des Atlantik, aus diversen verständlichen Gründen auch, häufig kritisch zu sehr vernachlässigt.
Trotz alle dem muss ichaber feststellen, dass dieses Album, für meine Begriffe, alles andere als homogen klingt, sowohl was die Kompositionen angeht als auch die Produktion. Da fehlt es hinten und vorne an gutem Material und die Sachen, die meiner Meinung nach am besten funktionieren hat sie nicht selber geschrieben. Ich kann die Rezensionen und Wertung nachvollziehen.

Christopher

Postings: 1193

Registriert seit 12.12.2013

2019-09-19 08:55:17 Uhr
Ich liebe Sheryl Crows frühe Alben, das ging ja auch aus dem Text hervor. Und interessiert habe ich mich daher durchaus für "Threads". Ich fand nur viele Songs recht banal, u.a. das von dir hervorgehobene "Story of everything".

BrianvN

Postings: 9

Registriert seit 13.06.2013

2019-09-19 02:38:16 Uhr
Ich finde eine 5/10 deutlich zu schlecht bewertet. Auf so viele musikalische Highlights wird in der Rezension nicht eingegangen.

Nur ein paar Beispiele:
4. Story Of Everything (featuring Chuck D, Andra Day, and Gary Clark Jr.)
Tolles Gitarrensolo von Gary Clark Jr. den Künstler habe ich schon mal in der Netflix Marvel Serie Luke Cage Staffel 2 wahrgenommen

8. Everything Is Broken (featuring Jason Isbell)
Jason Isbell habe ich mal durch Zufall auf dem Haldern Pop Festival gesehen, seit dem großer Fan. Der Song zeigt richtig Spielfreude.

Ansonsten werden nur die alten Eisen Emmylou Harris, Johnny Cash und Stevie Nicks hervorgehoben. Finde ich alles tolle Interpreten, aber es gibt auch noch andere spannende. Maren Morris und Brandi Calile sind gerade mit den Highwomen (mit Amanda Shires und Natalie Hemby) unterwegs und legen zum Beispiel einen großartigen Auftritt mit Legenden wie Dolly Parton oder Linda Perry (4 Non Blondes) beim Newport Folk Festival hin (Sheryl Crow war auch mit auf der Bühne). Das Highwomen Album würde ich auch gerne rezensiert lesen.

Der Text wirkt etwas so als ob der Autor sich nicht wirklich für das Album interessiert hat. Country muss ja nicht jeder super finden aber da gibt es durchaus mehr zu zusagen.

Armin

Postings: 15991

Registriert seit 08.01.2012

2019-09-18 15:29:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
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