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Blink-182 - Nine

Blink-182- Nine

BMG / Sony
VÖ: 20.09.2019

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nein

So langsam verblassen die Erinnerungen. Nach und nach bekommt all der Spaß im Kopf einen satten Grau-Schimmer. So schön sie waren, diese Zeiten vor rund 20 Jahren, als drei Bengels namens Blink-182 mit simplem, aber irgendwie anarchischem und schmissigem Pop-Punk zigtausende Parties weltweit zum Bersten brachten. Es war noch die Epoche der Musikvideos, und die Kalifornier hatten in dieser Disziplin echte Granaten im Gepäck: die Backstreet-Boys-Parodie "All the small things" etwa, oder das geniale Seventies-Nerd-Filmchen zu "First date". Nicht zuletzt natürlich der Nackedei-Run zu "What's my age again?". Schockierenderweise zeigt der Kalender mittlerweile 2019. Das neunte Blink-182-Album heißt schlicht "Nine" und hat – ähnlich schlicht formuliert – ein kleines Problem. Denn zumindest songweise machte der Vorgänger "California" Hoffnung, insbesondere in der Deluxe-Version, man könne sich nach dem Tom-DeLonge-Rausschmiss im Jahr 2015 noch einmal zu spannenden Taten aufraffen. Und hätte sich die Qualität durchweg etwa an "San Diego" gemessen, gälte nach wie vor: Wenn Blink-182 die Hits rausholen, kann der Rest des Genres einpacken.

An Selbstvertrauen mangelt es Mark Hoppus und Travis Barker natürlich nicht, dazu hat man seit geraumer Zeit mit Alkaline-Trio-Mann Matt Skiba einen gewieften wie routinierten Songschreiber in den Reihen. Wenngleich DeLonges Talente natürlich fehlen – die Vorzeichen waren nicht komplett mies. Ein Umstand, der für so manchen Vorboten zu "Nine" so nicht gilt. "Blame it on my youth" wollte in die Vollen, greift letztenendes in spießig-glattem Klangkleid, mit nervigem Rillen-Hänger im Refrain und unnötigem Stimmverzerrer aber ziemlich daneben. Auch bei "Happy days" hoffte man vergebens auf das alte Blink-Feeling mit kaltem Dosenbier und Schlauchbootfahrt. Denn der an Penetranz kaum zu überbietende Chorus samt Handclaps ertönt viel eher in der Kita um die Ecke – oder eben im Garten des Vorstadt-Lofts, wenn der Stuhlkreis sich an Finn-Theos fünftem Geburtstag zum Ringeltanz die Fingerchen reicht.

Für "Nine" haben Hoppus und Barker sich wohl (oder übel) vorgenommen, diverse Soundfetzen zeitgenössischer Popmusik mit stadionkompatiblen Bratgitarren und ein bisschen Blink-182-Kaffeesatz zu vermengen. Die Mehrzahl der Effekte und Produktions-Spielereien auf "Nine" wirken allerdings wie angeklebt. Und so kommen Stücke wie "Hungover you" mit Hochglanz-Anstrich und Lulli-Refrain zu gewollt, zu generisch daher, was wiederum perfekt zu John Feldmanns kantenloser Lollipop-Produktion passt – wie das vor Pennäler-Lyrik nur so berstende "I really wish I hated you" untertreicht: Ob sich Hoppus den Song in seiner Fantasie schon als weltweiten Smash-Hit ausmalte, der zur Co-Headline-Tour mit Rapper Lil Wayne auch dessen Publikum in Extase versetzt? Okay, Melodie und Refrain greifen nach dem x-ten Durchlauf überraschend zu und haben Potenzial zum peinlichen Lieblingssong. Doch Beat, Synthies und andere Effekte packen das Stück in eine meterdicke Schicht Zuckerwatte. Fast-Food eben, bloß maximal überportioniert.

Nachdem schon der Einstieg mit "The first time" im Pop-Rock-Brei des Niemandslandes stecken bleibt, und auch die mit Drumcomputer und Sythies zugekleisterten Strophen des ansonsten guten Alterna-Poppers "Run away" an Linkin Park erinnern, versucht es "Pin the grenade" als Uptempo-Ohrwurm – ist aber zu sehr auf Hauruck getrimmt. Das per se knackige "Darkside" versöhnt immerhin mit Blink-182-Tribute-Bridge und annehmbarer Hook. Doch auch hier verdirbt die Penetranz den Hörspaß rasch. Dass "Nine" hinter der bunten Oberfläche keine Vollkatastrophe geworden ist, dafür sorgen immerhin das ordentliche "Heaven" oder luftig-launige Tracks wie das mit coolem Twist und feiner Melodie ausgestatte "On some emo shit" – in erster Linie aber "No heart to speak of": Hier lassen Tiefe, Harmonien und Wucht an den Gitarrenwänden die dunkle Seite des Trios glänzen. Klar ist, dass Blink-182 wohl nie mehr klingen werden wie auf der Selbstbetitelten und auch die Neunziger längst hinter sich gelassen haben. Den abermaligen Abgesang auf die Kalifornier zu zelebrieren, wäre allerdings unnötig redundant – genauso wie es "Nine" eben ist.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • No heart to speak of
  • On some emo shit

Tracklist

  1. The first time
  2. Happy days
  3. Heaven
  4. Darkside
  5. Blame it on my youth
  6. Generational divide
  7. Run away
  8. Black rain
  9. I really wish I hated you
  10. Pin the grenade
  11. No heart to speak of
  12. Ransom
  13. On some emo shit
  14. Hungover you
  15. Remember to forget me

Gesamtspielzeit: 41:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

FenomenoVero

Postings: 28

Registriert seit 29.04.2021

2021-05-03 23:39:36 Uhr
1. Blink-182 10/10
2. Enema Of The State 9/10
3. Dude Ranche 8/10
4. Take Off Your Pants And Jacket 8/10
5. Cheshire Cat 6/10
6. Buddha 6/10
7. Neighverhooods 6/10
8. California 6/10
9. Nine 5/10

Dazu bleibt zu sagen, dass Nine deutlich näher an der 4 als an der 6 ist. Evtl gibt es beim nächsten Durchgang ein Downgrade. Da ist wirklich wenig von dem übrig geblieben, warum ich blink-182 mal so mochte. Ein Song wie Happy Days ist einfach nur schlecht. Wieso landet sowas auf einem Album...Haben die echt keine besseren Ideen mehr? Die alten Alben werde ich aber immer gerne hören. Und dazu zähle ich auch Chesire Cat und Buddha. 21 Days ist so ein geiler Song. Die Selftitled ist in fest in meiner Top 10.

jo

Postings: 3195

Registriert seit 13.06.2013

2021-03-23 20:25:09 Uhr
@MartinS:

Ja, aber die beiden danach ja auch ;) (hätte man sich sparen können).
Ich sehe auf der "Neighborhoods" schon einige Ansätze, das auf "Blink 182" Angefangene weiterzuführen; aber es funktioniert eben nicht so richtig. Dennoch passt sie für mich mehr zur Band als die "Nine". Liegt aber vielleicht einfach auch an dem Line-up-Wechsel danach und würde mir sonst nicht so vorkommen.

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1059

Registriert seit 31.10.2013

2021-03-23 17:47:18 Uhr
Also bei der "Neighborhoods" bin ich schon bei solea: Irgendwie nicht richtig Blink, irgendwie nicht richtig AvA, irgendwie einfach eine zerfahrene Platte, die man sich sparen hätte können.

jo

Postings: 3195

Registriert seit 13.06.2013

2021-03-23 08:01:46 Uhr
Echt? Also, ich stimme MartinS ansonsten zu und würde auf der in der Tat nicht so tollen "Neighborhoods" aber dennoch mehr finden als auf der "Nine". Gebe aber auch zu, dass ich letztere bisher einfach kaum gehört habe/hören konnte.

solea

Postings: 326

Registriert seit 15.06.2013

2021-03-22 21:21:01 Uhr
@MartinS
Gut dass du die neighborhoods ausgeklammert hast. Da war ja nicht ein song drauf, den man gerne auf ner playlist hätte.
Ich sag mal so: mir ist ein 4/10 Album mit zwei 8/10 songs lieber als ein Album, bei dem gar nichts hängenbleibt. Auf nine sind einige grausige songs, aber die höre ich dann eben nicht mehr. Ich bin da schmerzfrei.
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