The Paranoyds - Carnage bargain

The Paranoyds- Carnage bargain

Suicide Squeeze / Cargo
VÖ: 13.09.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die stacheligen Kindermädchen

"Was für Musik hören eigentlich Models?" fragte einmal die hipsternde Zeitgeist-Postille "Vice". Noch interessanter: Was für Musik machen eigentlich Models? Bei Plattentests.de ist das etwa nachzulesen in den Rezensionen zu Hannah Cohen, Karen Elson oder Carla Bruni. Neuzugang in dieser Kategorie: Staz Lindes, einerseits Bassistin und Teilzeit-Sängerin von The Paranoyds aus Los Angeles, andererseits Beauty-Gesicht von Yves Saint Laurent. Uwe Ochsenknechts Kumpels im Film "Fußball ist unser Leben" würden raunen "Die hat der Yves geformt" – doch als Star-Designer Hedi Slimane sie entdeckte, stand die Tochter des früheren Dire-Straits-Mitglieds Hal Lindes längst mit The Paranoyds auf der Bühne und spielte ... ja was eigentlich? Sagen wir es mit der Band: "Punk wing dong gaze porn pop cop chop proto shoes progs clogs hogs fuzzy wuzzy". Allen, die nun so schlau sind wie zuvor, geht es nicht anders als dem Rezensenten: Sie müssen in dieses Debüt reinhören. Zum Glück.

"Carnage bargain" ist nämlich alles andere als blutrünstig, dafür aber von Anfang an ein spritzig lärmendes Vergnügen, das genauso auf Indie-Krawallmacherinnen wie Tacocat oder The Prettiots fußt wie auf dem quietschigen New Wave von The B-52's oder Blondie aus den frühen Achtzigern. Auch eine Nähe zur Riot-Grrrl-Bewegung liegt im weibliche Selbstermächtigung fordernden "Girlfriend degree" auf der Hand, und an Hole zu denken, ist beim Titel "Courtney" zumindest nicht verboten. Doch solche Stiltheorie verblasst schnell, wenn "Face first" die Gitarren sofort wie angestochen aufheulen lässt, The Paranoyds ihre nicht oft die drei Minuten überschreitenden Bömbchen mit fiepsigem Georgel überbacken und sich die drei Frauen des Quartetts am Mikro abwechseln, während Drummer David Ruiz für knackige Grundierung sorgt. Und damit macht der Vierer so viel Laune, dass man diese Paranoia gern als bumsfidele Punkrock-Attitüde statt als ständigen Begleiter der Generation Smombie versteht.

All das ist also mitnichten bloß Eiersalat in Rock, auch wenn ein Song wie "Egg salad" mit disparaten Tempowechseln und schrägen Licks Derartiges suggeriert. Stattdessen platzt die Single "Hungry Sam" förmlich vor aufgeregtem Stakkato und tonlosen Post-Punk-Riffs, lugt der tumultöse 67-Sekünder "Laundry" mit Spaß in den Backen vorwitzig aus dem übervollen Wäschekorb hervor und ist der "Bear" nicht "afraid of spelunking down in those caves" wie einst bei Joanna Newsom, sondern tobt sich im gleichnamigen Song richtig aus. The Paranoyds tun es ihm gleich, fühlen sich hier dank ausgelassener Handclaps ordentlich disco, stellen dort mit Komplizin "Heather Doubtfire" unter Getöse die Möbel um und erweisen sich als so liebenswert stachelige Kindermädchen, dass die höhenlastige Produktion nicht weiter ins Gewicht fällt. Nach einer halben Stunde hatten alle ihren Spaß und können beruhigt zu Bett gehen – aber bitte Zähneputzen nicht vergessen. Es muss ja nicht so blitzblank sein wie dieses Album.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Face first
  • Girlfriend degree
  • Hungry Sam
  • Courtney

Tracklist

  1. Face first
  2. Carnage bargain
  3. Girlfriend degree
  4. Egg salad
  5. Bear
  6. Hungry Sam
  7. Courtney
  8. Laundry
  9. Heather Doubtfire
  10. Ratboy

Gesamtspielzeit: 31:48 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-09-08 19:45:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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