Kepler - If you see our friend, tell her we miss her

Kepler- If you see our friend, tell her we miss her

iCorrupt
VÖ: 13.09.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Bleibt doch!

Es gab eine Zeit, da machten sich hierzulande die Post-Hardcore-Bands voller Tatendrang auf, um das aufzuheben, was At The Drive-In und Konsorten liegen gelassen hatten. Trip Fontaine vermengten die Vorbilder mit Indie, Noise und Wahnsinn, Kenzari's Middle Kata verstanden sich sowohl als Meister der Laut-Leise-Dynamik als auch der subtil verpackten Antihits, und Kitty Empire huldigten unverblümt dem Krach. Und heute? Gibt es zwei der drei genannten Bands nicht mehr. Und Kenzari's Middle Kata lassen auch schon seit über acht Jahren auf ein Lebenszeichen warten. Was wir natürlich erzählen, weil Kepler sich anschicken, diese schmerzhafte Leere zu füllen.

Für all diejenigen, die den Namen in Bezug auf Musik mit einem "Bitte wer?" quittieren: Kepler, das ist ein Quartett aus Mülheim, auf das die für gewöhnlich gut informierten Leute von Miss The Stars aufmerksam geworden sind und die dort dann auch 2016 ihre erste EP "How to disappear" veröffentlicht haben. Mit "If you see our friend, tell her we miss her" legen sie jetzt ihr erstes Album nach. Und wie sie das tun! "Neon light" braucht keine zehn Sekunden, um so behände wie ungestüm mit der Tür ins Haus zu scheppern und in großen Lettern Post-Hardcore an jede verfügbare Wand zu klatschen. Gitarrenfiguren taumeln durcheinander, Rhythmen stolpern über ihre eigenen Füße, und die Schreihälse am Mikro geben sich mit mächtig Bock die Klinke in die Hand. Dass die Band das eigene Schaffen als Lärm und Geschrei bezeichnet, passt an dieser Stelle vielleicht in wenig ins Bild.

Anderswo zielt diese Beschreibung aber natürlich ins Leere. Und zwar nicht nur, wenn die Band inmitten all ihrer voller Spielfreude geschlagenen Haken mit "Summer sleep" einfach mal eine astreine Akustikballade fallen lässt. Im Gegenteil, jeder der neun Songs zeigt sich voll mit liebevoller Detailarbeit. "Days of glow" etwa, das direkt in die Beine seiner Hörer will, weckt mit seinem im Refrain versteckten "This is forever" Assoziationen an At The Drive-Ins "Napoleon solo". Das vorab veröffentlichte "Into the dark pt. 1 & 2" stellt sich mit im Kontext dieses Albums maximaler Eingängigkeit und landet am Ende doch irgendwie bei einer Bläserimprovisation, ohne auch nur für einen Moment den Faden zu verlieren. Und ganz zum Schluss wirft "One day you'll be fine" die Worte "I never wanted you to remember me / But hopefully you do" in den Raum und erlaubt sich dann fast eine Minute lang, eine richtige Hymne zu sein. Mit Pathos, großer Geste und allem Drum und Dran.

Ehe man sich versieht, stellt man dann fest, dass man hier quasi aus dem Nichts heraus ein besonderes Debüt serviert bekommt. Kepler verstehen sich auf wüst Quergespieltes, aufs Geradeaus, auf Zick-Zack und auf Ruhepausen. So stimmt auf "If you see our friend, tell her we miss her" für eine knappe halbe Stunde so ziemlich alles, außer die überschaubare Aufnahmequalität. Bleibt nur zu hoffen, dass Kepler nicht dem Beispiel der oben genannten Bands folgen und alsbald wieder in der Versenkung verschwinden. In diesem Sinne: Bleibt doch ein bisschen!

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Days of glow
  • Into the dark pt. 1 & 2
  • Summer sleep
  • One day you'll be fine

Tracklist

  1. Neon light
  2. Days of glow
  3. Untitled
  4. Into the dark pt. 1 & 2
  5. Silhouettes
  6. Summer sleep
  7. Stitches
  8. Room
  9. One day you'll be fine

Gesamtspielzeit: 29:47 min.

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Armin

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2019-09-08 19:44:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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