Brittany Howard - Jaime

Brittany Howard- Jaime

Columbia / Sony
VÖ: 20.09.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ein Stück ihres Herzens

Am Anfang war der Scheideweg. Eine lange Straße, verstaubt und stellenweise uneben, aber mit klarer Sicht nach vorne, Sonnenschein, Berge, grüne Wiesen. Oder eben die Abzweigung nach links, eine scharfe Kurve, ein dichter Dschungel, die Beschaffenheit des Bodens ebenso ungewiss wie das Ziel. Brittany Howard hätte es sich einfach machen können: Als Frontfrau der Blues-Rock-Band Alabama Shakes war ihr eine rosige Zukunft eigentlich gewiss, vier Grammy Awards hatte sie damit schon gewonnen, die Welt bereist, alle wichtigen Bühnen betreten und von dort oben zahlreiche Fans berührt. Doch mit dem berüchtigten 30. Geburtstag kam auch die Unsicherheit, die Frage "Was wäre wenn?" drängte sich gedanklich in den Vordergrund, das Verlangen nach dem kleines bisschen Mehr wurde größer. Und so entschied sich Howard während der Band-Pause für die Abzweigung und damit für die Veränderung.

"Jaime" – betitelt nach ihrer Schwester, die noch im Teenager-Alter an einer Krebserkrankung verstarb – ist das erste Werk, das Howard unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht. Dementsprechend handelt es sich hier nicht um das neue Alabama-Shakes-Album, wenngleich Howards Stimme, die noch immer ein wenig nach Janis Joplin klingt, und die musikalische Nähe zur groovigen Mischung aus Rhythm & Blues und Rock'n'Roll freilich gewisse Erinnerungen wecken. Einzig Zac Cockrell, der Bassist ihrer Hauptband, ist mit an Bord des Soloausflugs, ansonsten war Howard die Arbeit mit neuen Leuten und deren frischen Ideen wichtig. Das Ergebnis zahlt sich aus: Vom hypnotisch nach vorne treibenden Jam in "13th century metal" über das brutal offene und verletzliche "Goat head", in dem die 30-Jährige über ihr Heranwachsen als Kind einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters in den Südstaaten der USA erzählt, bis zum verschrobenen Funk von "History repeats" macht Howard hier nicht einfach nur Musik oder zollt ihrer Schwester Tribut, sondern erzählt ihre ganz eigene Lebensgeschichte. "Jaime" ist kein Album über das Mädchen, das Howard einst das Klavierspielen und Songschreiben beibrachte, stattdessen aber eines, das sich aus vielen kleinen Momenten zusammensetzt.

Musikalisch ist das näher an "Sound & color" von 2015 als am drei Jahre vorher veröffentlichten Debüt "Boys & girls", am besten fährt es sich jedoch damit, wenn man "Jaime" wirklich als für sich stehendes Album ohne Vergangenheit sieht. Dann erst entfaltet sich in "Georgia" so richtig die Schönheit und Zerbrechlichkeit, in der sich Howard mit ihrer Andersartigkeit auseinandersetzt. Durch ihre persönliche Erscheinung als schwarze Frau mit einer beachtlichen Körpergröße von 1,80 Meter sowie durch ihre Zuneigung zum weiblichen Geschlecht passt sie in keine der ihr angebotenen Schubladen so recht rein: "I can't help the way that I was born to be / I ain't no little boy." Dann erst entpuppt sich der stakkatoartige Gesang und Rhythmus von "Baby" als das emotionale Hin und Her beim Ausklingen einer Beziehung, dann erst öffnet die schwermütige, düstere Dramatik vom Abschlusstrack "Run to me" – dessen Vocals ursprünglich auf einem Handy aufgenommen wurden – den wolkenverhangenen Himmel, lässt die Sonne durchscheinen, die den Weg nun endlich beleuchtet. Ganz klar ist noch immer nicht, was da vorne auf Brittany Howard wartet. Aber es muss etwas Wunderbares sein.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Georgia
  • 13th century metal
  • Goat head

Tracklist

  1. History repeats
  2. He loves me
  3. Georgia
  4. Stay high
  5. Tomorrow
  6. Short and sweet
  7. 13th century metal
  8. Baby
  9. Goat head
  10. Presence
  11. Run to me

Gesamtspielzeit: 35:28 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 15737

Registriert seit 08.01.2012

2019-09-08 19:43:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Jennifer

Postings: 1808

Registriert seit 14.05.2013

2019-07-16 20:09:05 Uhr - Newsbeitrag

Armin

Postings: 15737

Registriert seit 08.01.2012

2019-06-27 18:56:59 Uhr - Newsbeitrag

Brittany Howard, Sängerin und Gitarristin der Grammy-Gewinner Alabama Shakes, veröffentlicht am 20.09.2019 ihr Debüt-Soloalbum "Jaime" bei Columbia/Sony Music. Der erste Song daraus, "History Repeats", ist ab sofort erhältlich.

Berlin, 27.06.2019
"'History Repeats' ist sowohl ein sehr persönlicher, als auch ein Song über die menschliche Spezies an sich", erzählt uns Brittany Howard. "Unsere Erfolge im Leben mögen uns vorantreiben, aber unsere stetigen Fehler verhindern, dass wir uns in Richtung Harmonie weiterentwickeln".


Brittany Howard - History Repeats (Audio)


Das Album "Jaime" hat Brittany Howard nach einer Reise querfeldein durch die USA aufgenommen. Von Nashville, Tennessee ging es bis nach Topanga, Kalifornien, einer rustikalen Kleinstadt im Umland von Los Angeles. Irgendwo zwischen den Bergen und dem Strand. Howard nannte das Album "Jaime", nach ihrer Schwester, die ihr beibrachte, wie man Piano spielt und Gedichte schreibt. Jaime starb an Krebs als beide noch Teenager waren. "Der Titel des Albums ist ein Gedenken an sie", sagt Howard. "Sie hat mich definitiv als Mensch beeinflusst und geformt. Aber das Album an sich ist nicht über sie. Es handelt von mir. Ich bin schonungslos offen, wenn es um meine Person geht und an was ich glaube. Deshalb musste ich dieses Album auch allein, als Solowerk, veröffentlichen".

Mit den Alabama Shakes gewann Brittany Howard vier Grammy Awards. Das letzte Album der Band, "Sound & Color" erreichte Platz 1 der US-Billboard-Charts und eine Gold-Auszeichnung. Das Vorgänger-Album "Boys & Girls" erreichte gar Platin. Live stand Brittany Howard mit ihrer Band auf nahezu allen Bühnen: von Obamas Weißem Haus über die Pyramid Stage beim Glastonbury bis zum Lollapalooza, wo sie auf Einladung von Paul McCartney mit ihm sang.

"Jaime" von Brittany Howard erscheint am 20. September 2019 via Columbia/Sony.

Jennifer

Postings: 1808

Registriert seit 14.05.2013

2019-06-25 14:18:19 Uhr - Newsbeitrag
Kommt am 20. September.



I wrote this record as a process of healing.
Every song, I confront something within me or beyond me. Things that are hard or impossible to change, words and music to describe what I’m not good at conveying to those I love, or a name that hurts to be said: Jaime.

I dedicated the title of this record to my sister who passed away as a teenager. She was a musician too. I did this so her name would no longer bring me memories of sadness and as a way to thank her for passing on to me everything she loved: music, art, creativity.

But, the record is not about her. It’s about me.
It’s not as veiled as work I have done before.
I’m pretty candid about myself and who I am and what I believe. Which, is why I needed to do it on my own.

I wrote and arranged a lot of these songs on my laptop using Logic. Shawn Everett helped me make them worthy of listening to and players like Nate Smith, Robert Glasper, Zac Cockrell, Lloyd Buchanan, Lavinia Meijer, Paul Horton, Rob Moose and Larry Goldings provided the musicianship that was needed to share them with you.

Some songs on this record are years old that were just sitting on my laptop, forgotten, waiting to come to life. Some of them I wrote in a tiny green house in Topanga, CA during a heatwave.

I was inspired by traveling across the United States. I saw many beautiful things and many heartbreaking things: poverty, loneliness, discouraged people, empty and poor towns. And of course the great swathes of natural, untouched lands. Huge pink mountains, seemingly endless lakes, soaring redwoods and yellow plains that stretch for thousands of acres. There were these long moments of silence in the car when I could sit and reflect. I wondered what it was I wanted for myself next. I suppose all I want is to help others feel a bit better about being. All I can offer are my own stories in hopes of not only being seen and understood, but also to learn to love my own self as if it were an act of resistance.

Resisting that annoying voice that exists in all of our heads that says we aren’t good enough, talented enough, beautiful enough, thin enough, rich enough or successful enough. The voice that amplifies when we turn on our TVs or scroll on our phones.

It’s empowering to me to see someone be unapologetically themselves when they don’t fit within those images. That’s what I want for myself next and that’s why I share with you, “Jaime”.


Brittany Howard
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