Twin Peaks - Lookout low

Twin Peaks- Lookout low

Communion / Caroline / Universal
VÖ: 13.09.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Vergebliche Lobesmüh

Mit dem Lob ist das ja so eine Sache. Twin Peaks aus Chicago kamen mit "Wild onion" einst jung, laut, und stürmisch daher – und wurden gefeiert. Das Talent für facettenreiches Songwriting auch über simplen wie eingängig-rotzigen Indie-Rock hinaus blitzte dennoch auf. Natürlich blies der Truppe um den Multi-Instrumentalisten Colin Croom ein ziemlich liebevoller Wind entgegen, sodass man sich mit all dem gewonnenen Selbstbewusstsein im Vorfeld des neuen Albums "Lookout low" nun beachtlich große Hürden errichtete. Häufig bemühte, aber zutreffende Umschreibungen wären: den Horizont erweitern, den Reifeprozess hörbar machen, den Mut zur Veränderung haben. Mehr noch: Als wollten Twin Peaks die perfekte Rock-Platte aufnehmen, haben die Amerikaner ganze 27 Stücke geschrieben, von denen es zehn aufs Album schafften.

So viel vorneweg: Mit knarzig-naivem Indie-Rock hat "Lookout low" nur noch wenig am Hut. Das verdeutlicht "Casey's groove", der in erster Linie äh, ja, groovende Opener, der im Hintergrund zarte Gitarrenlicks toben lässt und auf feinteiliges Drumming bettet. Die euphorische Hymne "Laid in gold" schwankt zwischen Sixties-Harmonien und Seventies-Rock und macht inklusive Bläser und Gitarrensoli ein wenig auf E-Street-Band, was natürlich Charme hat. So weit also nichts Neues, dass Twin Peaks mit Vorliebe und gespitzten Ohren elterlichem Vinylmaterial lauschten und dabei in nicht unbeträchtlichem Maße für ihre Kompositionen stibitzten. Neu ist indes das Gewicht der Songs, ganz im bildlichen Sinne. Ein Ansatz, der die funky Single "Dance through it" mehr geformt und überladen denn wirklich frei aus dem Bauch heraus tönen lässt. "Under a stone" möchte besonders dramatisch und cool sein, aber Clay Frankels rauchiger Gesang kommt gegen die überdrehten Gospel-Chöre kaum an. Zum Glück gelingt der Americana-Ansatz im üppig instrumentierten, aber zumindest dramaturgisch mitreißenden "Ferry song" deutlich besser.

An der Produktion feilte mit Ethan Johns (Paul McCartney, Kings Of Leon, Laura Marling, White Denim) ein üblicher Verdächtiger für größere Projekte. Nur gut, dass das äußerst launige "Better than stoned" den Hörer mit den exotischen Dingen des Alltags wie Rausch und Sex wieder zu erden vermag und der leicht psychedelisch angetupfte Closer "Sunken II" Bläser und Streicher mit ins Grab nimmt. Einem Stück wie "Oh Mama", das tatsächlich mal die Rock'n'Roll-Keule auspacken darf, hätten auch The Rolling Stones als Hommage wohlwollend salutiert, aber so richtig haut das a) nicht vom Hocker und weiß man b) nach Genuss von "Lookout low" auch nicht, wo Twin Peaks wirklich hinwollen. Außer vielleicht mit Gewalt in die Stadien dieser Welt. So ist das manchmal mit dem Lob.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Laid in gold
  • Better than stoned
  • Ferry song

Tracklist

  1. Casey's groove
  2. Laid in gold
  3. Better than stoned
  4. Unfamiliar sun
  5. Dance through it
  6. Ferry song
  7. Under a smile
  8. Oh Mama
  9. Sunken II

Gesamtspielzeit: 41:54 min.

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Armin

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2019-08-31 20:50:51 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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