Metronomy - Metronomy forever

Metronomy- Metronomy forever

Because / Universal
VÖ: 13.09.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

A thing for me

Schon fast eine Dekade ist es her, dass Joseph Mount die Magie endloser Strände besang. Gefühlt könnte "The bay" aber schon weiter zurückliegen, denn auch der Metronomy-Kopf selbst hat sich mittlerweile von seinem Sehnsuchtsort verabschiedet und lebt jetzt mit Frau und Kind im ländlichen England. Ja, einer der Schutzpatrone hedonistischer Indie-Partys ist endgültig sesshaft und erwachsen geworden. So ist auch das eigene Sprechen über sein neuestes Werk existenzialistisch geprägt und der Promo-Text zitiert gleich den großen Denker Homer (Simpson): "Vielleicht wachen wir morgen schon auf und sind tot." Mount reflektiert sein Vermächtnis, das mit "The English riviera" – der bescheidenen Meinung des Rezensenten nach eines der besten Indiepop-Alben des Jahrzehnts – und dem arg unterschätzten "Love letters" immerhin zwei Meisterwerke verzeichnen darf. Er sieht die Bedeutung seiner Musik auch als Existenzsicherung für seine kleine Familie und kanalisiert sein selbstzufriedenes Lebensglück, ohne größere Ambitionen an sich selbst zu stellen. Im Angesicht der scheinbar endlosen Reproduzierbarkeit einer solchen Arbeitsweise hätte der 36-Jährige seine sechste Band-Platte kaum passender betiteln können: "Metronomy forever".

Die Abgeklärtheit, mit welcher der Fünfer seine sommerlichen Indietronica-Perlen mittlerweile aus dem Hawaiihemd schüttelt, lässt sich freilich nicht abstreiten. Aber warum auch zwanghaft etwas Neues probieren, wenn das Alte noch so gut klappt? Das erste Albumdrittel besteht im Grunde nur aus Hits, die elegant Metronomys Klangspektrum zwischen Gitarren und Synthies entlang surfen. Die kompakten Riffs von "Insecurity" leiten direkt in "Salted caramel ice cream" über, das sich trotz aller Coolness selbst nicht ganz ernst nimmt und die Tore nach "Funkytown" wiedereröffnet. Anders als "Summer 08" setzt "Metronomy forever" wieder verstärkt auf Band-Sound, Olugbenga Adelekans Bass bringt einen leichten Punk-Vibe in das sonst entspannt groovende "Whitsand bay" und Anna Prior trommelt sich im grandios eruptiven "Lately" in Ekstase. Man vermisst höchstens den weiblichen Konterpart zu Mounts Stimme, sei es durch Prior oder die frühere Feature-Gästin Robyn verkörpert. Die Schwedin erscheint nur als spirituelle Partnerin, wenn Mount in "Sex emoji" in Richtung des von ihm mitbearbeiteten "Honey" nickt. Allerdings wäre diese grotesk überdrehte Annäherung an "Nights out" eher nicht durch die Qualitätskontrolle eines Robyn-Albums gekommen.

Hier offenbart sich auch die zentrale Schwäche von "Metronomy forever", die sich mit Blick auf die 17 Songs starke und 55 Minuten lange Tracklist schon erahnen lässt. Mount wollte bewusst nicht nur Hit um Hit aneinanderreihen, doch seine Interludes, Instrumentals und stilistisch abweichenden Tracks zerschießen das Album qualitativ und stimmungstechnisch ein wenig. "The light" funktioniert wunderbar in seiner discoiden Hypnose, doch der chilligen Dachlounge-Beschallung von "Miracle rooftop" fehlt es an der Zugkraft eines "Boy racers" und Konsorten. Die Akustik-Grunge-Ästhetik von "Upset my girlfriend" will nicht so recht mit dem folgenden Synth-Post-Punk von "Wedding bells" zusammenlaufen und ebnet einem unrunden Abschluss damit den Weg. Wenn auch im ganz anderen Genre unterwegs, ist Metronomys Ewigkeitserklärung Bill Callahans jüngstem "Shepherd in a sheepskin vest" nicht unähnlich: Die Musik gefällt größtenteils, begeistert stellenweise, aber die Inspirationsquelle familiären Wohlbefindens hätte von einer konsequenter gefilterten Aufbereitung profitiert. Da kann Mount in "Walking in the dark" noch so oft "Holler if you need me" beteuern: Dieses Album hat er in erster Linie für sich selbst gemacht.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Whitsand bay
  • Salted caramel ice cream
  • Lately
  • The light

Tracklist

  1. Wedding
  2. Whitsand bay
  3. Insecurity
  4. Salted caramel ice cream
  5. Driving
  6. Lately
  7. Lying low
  8. Forever is a long time
  9. The light
  10. Sex emoji
  11. Walking in the dark
  12. Insecure
  13. Miracle rooftop
  14. Upset my girlfriend
  15. Wedding bells
  16. Lately going spare
  17. Ur mixtape

Gesamtspielzeit: 55:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MrMan

Postings: 4

Registriert seit 05.09.2019

2019-09-14 00:21:34 Uhr
Für mich leider bisher neben der neuen Platte von Local Natives die größte Enttäuschung dieses Jahres.

maxlivno

Postings: 1428

Registriert seit 25.05.2017

2019-09-13 17:19:58 Uhr
Puh, das Album war aufs erste hören leider nicht so überzeugend. 5-6/10 scheint drin zu sein, mehr hab ich da gerade nicht rausgehört.

Armin

Postings: 15737

Registriert seit 08.01.2012

2019-08-31 20:48:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Walking In The Dark
2019-07-24 22:26:32 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=AKUv4vwthGc

Der Bass muss f.

maxlivno

Postings: 1428

Registriert seit 25.05.2017

2019-06-23 17:59:12 Uhr
2019 überlädt mich langsam mit Musik von persönlichen Favoriten. Lately ist schon mal stark, der neue Song überzeugt mich beim ersten Mal noch nicht so sehr.
Tickets für Offenbach werden umgehend bestellt, das Capitol ist eine schöne Location.
Zum kompletten Thread

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