Ether Feather - Devil – shadowless – hand

Ether Feather- Devil – shadowless – hand

Ether Feather
VÖ: 06.09.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

I need a doctor

"Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen." Wenn es nach dem Ratschlag von Helmut Schmidt ginge, wären Ether Feather Dauergäste im Wartezimmer. Denn ihr auf "Devil – shadowless – hands" verabreichtes Klanggemisch sprengt Genre-Grenzen und Definitionsansätze. Gegründet vom Cursive-Drummer Dylan Ryan, ist Ether Feather ein Projekt, das man etwas hilflos als Proto-Metal bezeichnen mag. Doom der alten Black-Sabbath-Schule ist ein Grundbestandteil, das bluesige Feeling erinnert an Pentagram, doch gibt es da noch so viel mehr, was man schwerlich den musikalischen Konventionen zuordnen kann.

Auch der Opener "Falconer" gibt nur einen semi-zuverlässigen Repräsentanten für dieses Album ab: markige Doom-Riffs, wuchtiges Schlagzeug und ein Gesang, der grungiges Reibeisen mit psychedelischer Aushölung verknüpft. Damit kommt man noch gut klar, das ist nicht direkt ungewohnt. Doch wenn das folgende "Interstellar" eine Gitarren-Figur auspackt, die sich jauchzend und dahinschmelzend zu einem klassischen Heavy-Metal-Pathos aufschwingt, kommt zum ersten Mal irritierte Begeisterung auf. Weitere Bruchstelle: Der Math-Funk zu Beginn von "New abyss" verweist auf die Post-Rock-Szene Chicagos in den späten Neunzigern, die den Jazz immer gleich mitgedacht hat. Das Trio aus Los Angeles lässt sich nirgendwo einzwängen, findet für die entsprechende dramaturgische Anforderung immer freigeistige musikalische Lösungen. Der Clou dabei ist jedoch, dass die resultierenden Songs nicht in selbstgefälligem Muckertum versanden, sondern emotional treffen und gerne auch mitreißen.

"Ceyenne" schmettert zunächst schwergewichtige Riffs in die Manege, der folgende, weiche Gesang verflüchtigt sich mit federleichtem Indie-Touch jedoch gen Atmosphäre. Momente, in denen große Kontraste zu einem ganz eigenen, vielschichtigen Gefühls-Patchwork arrangiert werden. Doomige Schwere, vor allem getragen von der grandiosen Bassistin Sylvia Black, und Passagen, die man fast schon dem Slacker-Indie zuordnen will, vereinen sich, stoßen sich künstlerisch reizvoll voneinander ab, kommunizieren jedoch auch äußerst ergiebig miteinander. Und wie gesagt: Für breit auftretendes Pathos hat diese Band auch ein Herz und immer ein wenig Platz. Das schmachtende "Dawn of Orion" wirft einen Blick in die Weiten des Weltalls, umflort aber auch irdische Bergmassive, Flüsse und Waldlandschaften. "Your half in the middle" dokumentiert danach – wieder eine andere Baustelle – die Schnittmenge aus Blues und Stoner, lässt durch den Gesang jedoch auch gefühlige Milde einziehen. Dafür, dass Ether Feather ihre komplexe Musikalität in emotional zwingende Stücke übersetzen, ist "The ultimate Halcyon" das abschließende Beispiel und bringt Leben in den etwas elitären Mief des Prog-Rock, sorgt für Momente, die lange haftenbleiben, und bleibt dabei immer nahbar. Da mögen manche einen Arztbesuch nahelegen – der aufgeschlossene Hörer empfängt diese visionären Spinner hingegen mit offenen Armen.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Interstellar
  • New abyss
  • Your half in the middle

Tracklist

  1. Falconer
  2. Interstellar
  3. Haggard hawk
  4. New abyss
  5. Cayenne
  6. Dawn of Orion
  7. Your half in the middle
  8. The ultimate Halcyon

Gesamtspielzeit: 37:41 min.

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Armin

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2019-08-31 20:45:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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