Wanda - Ciao!

Wanda- Ciao!

Vertigo / Universal
VÖ: 06.09.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wandawall

Quo vadis, Wanda? Die Wiener Lederjacken-Indierocker sagen mit ihrem vierten Album "Ciao!", bleiben sich und ihrem Stil dabei aber weitestgehend treu. Gleich bleibt auch die enorme Spaltung, die Wanda erzeugen: Die einen hassen den leicht versifften Machismo der Österreicher, die anderen feiern die schlitzohrige Schludrigkeit, mit der die Gruppe einen Hit nach dem anderen komponiert. Wurscht ist Wanda letztlich wohl kaum jemandem. Auch die neue Platte wird die Gemüter spalten, so viel ist klar. Der Band selbst dürfte das freilich egal sein, die Arenen zwischen St. Pölten und Flensburg wird sie weiterhin füllen, genauso wie die Playlists sämtlicher Radiostationen. Der Eroberungszug geht also weiter, auch wenn "Ciao!" das wohl flatterhafteste Album des Quintetts ist. Was angesichts der Vorleistungen der Wiener nun nicht wirklich verwundert.

"Amore" schlug vor fünf Jahren schließlich so richtig ein, entfachte einen unwahrscheinlichen Hype. Und auch "Bussi" wusste im Großen und Ganzen zu überzeugen, wiewohl es die schnapsbetrunkene Wucht des Debüts nie erreichen konnte. "Niente" war dann eine bewusste Abkehr vom leicht rüpelhaften Schlawiner-Rock, hier zeigten sich Wanda deutlich melancholischer, sentimentaler, ihre Songs schimmerten nicht mehr rotweinrot und asphaltgrau, sondern eher in sepia. "Ciao!" wirkt vor diesem Hintergrund wie das erste eher unentschiedene Album der Band, sämtliche bereits bekannte Stilelemente sind zwar vorhanden, ein homogenes, kohärentes Ganzes ergeben die 14 Stücke jedoch nicht im selben Maße. Die Platte funktioniert aus diesem Grund eher wie ein Mixtape. Auf der Songebene vermisst man vielleicht den großen Überhit wie "Bologna" oder "Columbo", am ehesten könnte man hier auf "Ciao Baby" verweisen, schlüssigerweise auch die erste Singleauskopplung.

Die Grundvoraussetzungen sind freilich wie gehabt: Hier wird lässig durch die Hose atmender Hallodri-Rock gespielt, im Midtempo, eh kloar, dazu streunt Frontmann Marco Michael Wanda schmähend durch die Strophen wie ein begossener Hund durch regennasse Gassen, seine Stimme wund von Zigarettenrauch und Schnapskonsum. In ihrer zweckdienlichen Reduktion erinnern einige Stücke an frühe Songs des Britpop, natürlich einmal auf links gedreht und durch ein paar Heurige geschleift. Inhaltlich bleiben Wanda dem Themenspektrum Amore verpflichtet, aber auch dem bittersüßen Weltschmerz, den man spürt, wenn man jung und wild und eigentlich ohne Sorgen ist. Insbesondere "Swing shit slide show" fällt hier auf, flirtet der Song doch massiv mit dem ungestümen Grunge-Sound der frühen Neunzigerjahre. Gerade dieses Stück wirkt wie eine Frischenzellenkur, die Wanda richtig gut zu Gesicht steht.

Das Doppel aus "Vielleicht" und "Gerda Rogers" tut dann einfach so, als hätte es John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und, erm, Ringo Starr nie gegeben: Wanda is the walrus! Diesen Coup hätten sich Richard Curtis und Danny Boyle auch nicht besser ausdenken können. Und doch: Es funktioniert. Wanda adaptieren hier den Stil der Sixties, steigen in das gelbe U-Boot und bringen damit ein wenig Schwung in ihren Klangkosmos. "Domian" ist tatsächlich eine Ode an den ehemaligen Kult-Telefonseelsorger des Westdeutschen Rundfunks, der des Nächtens mit Hackfleisch-Liebhabern über so manche Ferkelei diskutierte. Hier zeigt sich der abgründige, schelmische Humor, der bei der österreichischen Lausbubenbande immer wieder aufblitzt. Und der dieses Album zu dem erfrischenden Schelmenstreich macht, den man Wanda vielleicht schon gar nicht mehr zugetraut hätte.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Ciao Baby
  • S.O.S.
  • Swing shit slide show

Tracklist

  1. Ciao Baby
  2. Nach Hause gehen
  3. Ein komischer Traum
  4. S.O.S.
  5. Der Erste der aufwacht
  6. Ein schneller Tod
  7. Swing shit slide show
  8. Nix reparieren
  9. Das Erste an was ich denk
  10. Vielleicht
  11. Gerda Rogers
  12. Domian
  13. Zu wem oder was
  14. Alma
  15. Ein komischer Traum (Demo / Bonus)
  16. S.O.S. (Demo / Bonus)
  17. Swing shit slide show (Demo / Bonus)
  18. Puch Maxi (Demo / Bonus)
  19. Ein letztes Wienerlied (Live in der Wiener Stadthalle, 2018 / Bonus)

Gesamtspielzeit: 57:22 min.

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User Beitrag

dronevil

Postings: 99

Registriert seit 14.08.2019

2019-09-13 19:35:23 Uhr
Das letzte war ja auch schon nicht so gut. Aber da waren noch zwei bis drei veritable Hits drauf, hier ist eigentlich nur ein Song überdurchschnittlich ("Ciao Baby"). Ich vermute auch stark, dass die Band sich demnächst auflösen wird. Das Feuer fehlt, das ist klar bemerkbar.

Mr. Fritte

Postings: 345

Registriert seit 14.06.2013

2019-09-13 17:40:27 Uhr
"jede Zeile wird 8mal wiederholt" -> Genau das hat mich am Vorgänger schon gestört und ist hier dem ersten Eindruck nach noch schlimmer. Nach einer Minute weiß man bei den meisten Songs schon, da kommt nix Neues mehr. Schade.

Mister X

Postings: 2569

Registriert seit 30.10.2013

2019-09-09 20:36:44 Uhr
Bilderbuch und Wanda sind für mich so Parralel-Bands. Beide zur gleichen Zeit durch die Decke gegangen. Beide Bands die nicht merken, wann auch mal gut ist mit Releases. Die letzten Beiden Bilderbuch-Alben fand ich auch so nötig wie eine Warze an meinem Arsch. Bin gespannt wie lange beide ihren Film noch fahren können.

Plattenbeau

Postings: 663

Registriert seit 10.02.2014

2019-09-09 20:35:58 Uhr
Dieses repetitive Element der Texte fand ich auf Niente eigentlich ziemlich geil.

Mein Hunger auf dieses neue Album hält sich allerdings in Grenzen.

captain kidd

Postings: 1698

Registriert seit 13.06.2013

2019-09-09 20:07:28 Uhr
Schrecklich. Keine Songs mehr, keine Melodien, keine Haltung. Wirklich hassenswert. Lieber auf Faber warten...
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