The S.L.P. - The S.L.P.

The S.L.P.- The S.L.P.

Columbia / Sony
VÖ: 30.08.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Spaghetti Pizzorno

Hätten Sie's gewusst? An Sergio Lorenzo Pizzorno ist ein Soundtrack-Komponist verlorengegangen. Die Fans seiner Band Kasabian dürfte diese Ahnung bereits das eine oder andere Mal beschlichen haben – etwa in Stücken wie dem Sitar-durchfluteten "West Ryder silver bullet" oder der bewusstseinserweiternden Mußestunde "Acid turkish bath (Shelter from the storm)". Als Gitarrist und musikalischer Leiter des Quartetts kommt Pizzorno jedoch vor lauter Indie-Bangern und Stadien voller mitjohlender Lads nur selten dazu, seiner Leidenschaft zu frönen. Immerhin lagerten auf der heimischen Festplatte seit geraumer Zeit die ersten Gehversuche in diese Richtung. Da kommt die offizielle einjährige Bandpause nach "For crying out loud" wie gerufen – und der Mann aus Leicester mit seinem ersten Album unter schlankem Initialen-Alias um die Ecke.

Und ins Stadion will er damit garantiert nicht. Eher in den nächsten postmodernen Spaghetti-Western. Aus einem solchen scheint der Opener "Meanwhile ... in Genova", mit dem der italienischstämmige Brite seinem Idol Ennio Morricone die Ehre erweist, zumindest direkt einzuschweben – samt Cineasten-Twang und emulierten Streichern zum diskret bassigen Rumpel-Groove. Nur einer von drei "Meanwhile ..."-Parts, zu denen sich mit "... at the welcome break" und "... in the silent nowhere" später ein Album-Teiler sowie ein abwechselnd fiepsendes und orchestrales Finale gesellen. Womit der Rahmen abgesteckt wäre und der Gastauftritt von UK-Rapper Slowthai im Mittelteil zudem eine zweite Ebene in "The S.L.P." einzieht: die von Pizzornos Mobiltelefon, auf dem sich jede Menge merkwürdige Geräusche, Electronica und vor allem HipHop tummeln.

Mit Letzterem liebäugelte Pizzorno bei Kasabian in Sachen Struktur und Phrasierung ohnehin immer wieder unterschwellig, wie schon der donnernde Dance-Reißer "Club foot" vom Debüt belegte. Die erfolgreiche Gegenprobe heißt hier "Favourites", ein ebenso knackig-bewegliches Duett mit der Londonerin Little Simz – und außerdem eine wunderbare Parabel zum Thema digitale versus reale Identität, illustriert am nicht eben unfallfreien Date nach einem scheinbar vielversprechenden Tinder-Match. Sie so: "Now I don't know why I swiped it, now I don't know what to do / Now I've got to spend my evening talking shit to you." Er so: "There's a discrepancy in the bill / I think I paid too much!" Und schon können sich beide die erhoffte Anbahnung nicht nur vom Handy, sondern auch von der Backe wischen. Aber wenigstens dieser Track hat Bestand.

Anders als die tolle Vorabsingle schmatzen sich weite Teile von "The S.L.P." subtiler ins Bewusstsein: Der schicke Elektro-Popper "((trance))" gönnt sich erst dann einen dramatischen Schlussakkord, wenn der Rave leergefegt ist und auch die Riff-Breaks des ungemütlichen "Lockdown" der Katerstimmung Platz gemacht haben. Wer genau hinhört, wird jedoch feststellen, dass der kalkweiße Soul von Pizzornos Stimme im knochentrockenen Tech-Hopper "The wu" oder beim leicht windschiefen Ragga-Step von "Soldiers 00018" nicht immer optimal aufgehoben ist. Aber wer wird gleich meckern? Das kann "The oldest Gary" im angerauten Klagelied einer abgehängten Generation von Fast-Thirtysomethings sowieso viel besser. Vielleicht sollte ihm mal jemand sagen, dass man im Grunde alles sein kann, was man will. Sogar Soundtrack-Komponist.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Lockdown
  • ((trance))
  • Favourites (feat. Little Simz)

Tracklist

  1. Meanwhile ... in Genova
  2. Lockdown
  3. ((trance))
  4. The wu
  5. Soldiers 00018
  6. Meanwhile ... at the welcome break (feat. Slowthai)
  7. Nobody else
  8. Favourites (feat. Little Simz)
  9. Kvng Fv
  10. The oldest Gary
  11. Meanwhile ... in the silent nowhere

Gesamtspielzeit: 38:45 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 15703

Registriert seit 08.01.2012

2019-08-25 20:45:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 15703

Registriert seit 08.01.2012

2019-05-15 12:30:12 Uhr - Newsbeitrag
Liebe Leserinnen und Leser,



heute kündigt Kasabian-Mastermind Sergio Lorenzo „Serge“ Pizzorno das Kasabian Sideproject The S.L.P. mit einer ersten Single an!



Hier in "Favourites" feat. Little Simz reinhören: http://smarturl.it/SLPFavourites



Die neue Single erscheint am 15. Mai 2019 via Columbia Records! Der Song ist ein erster Vorgeschmack auf ein komplettes Album des neuen Nebenprojekts!


dem (möchte man dem Promotext der britischen Kollegen glauben) "große Suchtgefahr" ausgeht, holte sich der 38-jährige Gitarrist, Songwriter, Produzent und Sänger die Londoner Rapperin, Sängerin und Schauspielerin Little Simz als Featured Artist ins Studio.



Der Song, dessen Text und Musik von Pizzorno stammen, ist der erste Vorgeschmack auf ein komplettes Album des neuen Nebenprojekts, das sowohl alte als auch neue Fans begeistern wird. Seine Weltpremiere feierte "Favourites" in der Rubrik "Annie Mac’s Hottest Record" im Programm von BBC Radio One. Die Songs des kommenden Longplayers entstanden in einer einjährigen Bandspause, die Kasabian nach der Veröffentlichung des 2017er-Albums "For Crying Out Loud" bzw. der anschließenden Tour eingelegt hatten.



"'Favourites' behandelt das Thema 'Identität im Digitalzeitalter'", erklärt Pizzorno. "Mich hat v.a. allem interessiert, wie Online-Dating eine Momentaufnahme dieser Identitätskrise darstellt. Die Geschwindigkeit und die Struktur des Songs sollen das Gefühl beim ersten Date zum Ausdruck bringen, wenn dein wahres Ich, dass du in deinem Kopf hast, ausbrechen will. Es ist ein Dialog zwischen zwei Menschen, die versuchen, mit ihrem echten Selbst in Einklang zu kommen, wenn die digitale Interaktion zu einer physischen wird."



In Kürze wird es weitere Musik und Live-Termine von The S.L.P geben.
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