Dominik Eulberg - Mannigfaltig

Dominik Eulberg- Mannigfaltig

!K7 / Indigo
VÖ: 06.09.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Natürliches Wachstum

Elektronische Musik ist nicht origiär dafür bekannt, im Grünen stattzufinden. Die Herzkammer des Techno ist noch immer der Club. Dem deutschen DJ und Produzenten Dominik Eulberg sind die vier Wände um die Tanzfläche schon immer zu eng gewesen. Er geht gerne raus. Und er macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen, wenn es um das Thema Naturschutz geht. Seine Aktivitäten unter freiem Himmel sind vielleicht ein Grund dafür, dass es ganze acht Jahre gedauert hat, bis das wunderbare "Diorama" einen Nachfolger erhält. Beim Hören von "Mannigfaltig" wird jedoch schnell klar, was die eigentliche Ursache für die lange Pause war: Dominik Eulberg ist Perfektionist. Zwölf Tracks umfasst das Album, wobei nur zwei kürzer als sechs Minuten sind. Eulberg verlangt dem Hörer einiges ab; in erster Linie die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen. Denn seine Tracks sind keine stumpfen Stampfer, sondern präzise ausgearbeitete Reisen durch Schall und Raum.

Wer Jon Hopkins mag, dürfte auch mit dem Schaffen Dominik Eulbergs etwas anfangen können. Zwar kommen die Kompositionen des Deutschen ohne die ganz große Dramatik aus, sie berühren jedoch ähnlich wie jene des Engländers. Verantwortlich dafür ist das feine Zusammenspiel aus Melodie, Textur und Rhythmus. So baut sich etwa in "Fünffleck-Widderchen" vier Minuten lang Spannung auf, ehe endlich eine Bassdrum einsetzt. Gegenläufige Percussion nimmt den Groove der Synthesizer auf, während sich Hi-Hats und Pads in den Vordergrund schleichen. Nach sechs Minuten geschieht dann etwas Wunderbares, das man am besten selbst erfahren muss. Aufmerksamen Lesern dürfte bereits der merkwürdig anmutende Tracktitel ins Auge gesprungen sein. Dahinter verbirgt sich ein ebenso verschrobenes wie liebenswürdiges Konzept, mit dem Eulberg auf die Artenvielfalt aufmerksam machen möchte.

Doch das ganze Drumherum wäre unsinnig, wenn die Musik nichts taugen würde. Einzelne Tracks herauszuheben ist aufgrund der durchweg hohen Qualität ein schwieriges Unterfangen. Besondere Erwähnung verdient aber auf jeden Fall das elfminütige Epos "Zehnpunkt-Marienkäfer", dessen Melodieführung angenehm an Kraftwerk erinnert. Ebenfalls fantastisch ist "Goldene Acht". Zu diesem Track existiert ein sehenswertes Video von Jan Haft, das Eulbergs hypnotischer Musik faszinierende Naturbilder gegenüberstellt. Eulberg gelingt mehr als einmal das Kunststück, seinen Maschinen Klänge zu entlocken, die ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. So sind beispielsweise die sechs Minuten von "Siebenschläfer" pure Euphorie. Deutlich melancholischer geht es in "Vierfleck" zu, doch auch hier besticht der Produzent mit seinem Gespür für das Zusammenwirken von Melodie und Sound. Wir leben auf einem erstaunlichen Planeten. Ihn zu bewahren ist tatsächlich alternativlos. Der Soundtrack stimmt schon einmal, es ist Zeit für Taten.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Vierfleck
  • Fünffleck-Widderchen
  • Goldene Acht
  • Zehnpunkt-Marienkäfer

Tracklist

  1. Eintagsfliege
  2. Zweibrütiger Scheckenfalter
  3. Dreizehenspecht
  4. Vierfleck
  5. Fünffleck-Widderchen
  6. Sechslinien-Bodeneule
  7. Siebenschläfer
  8. Goldene Acht
  9. Neuntöter
  10. Zehnpunkt-Marienkäfer
  11. Elfenbein-Flechtenbär
  12. Zwölfpunkt-Spargelkäfer

Gesamtspielzeit: 86:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Plattenbeau

Postings: 663

Registriert seit 10.02.2014

2019-08-26 11:21:13 Uhr
Habe ihn erst kürzlich durch eine Reportage beim DLF entdeckt, wo einer seiner Songs ("Dream Machine") verwendet wurde. Der Song gefällt mir im Moment sehr gut. Muss mich mal etwas in seine Werke reinhören.

Watchful_Eye

Postings: 1605

Registriert seit 13.06.2013

2019-08-25 23:39:05 Uhr
"Ganz weit vorne bei mir: „Die 3 Millionen Musketiere“. "

Exakt, hier auch :D

Mr. Orange

Postings: 1181

Registriert seit 04.02.2015

2019-08-25 23:33:59 Uhr
"Diorama" war klasse und wird in meiner Top 100-Liste auftauchen.

In meiner ebenfalls. Eulberg hat zwar vermutlich nie Pionierarbeit geleistet, aber innerhalb seines Rahmens einige großartige Leistungen vollbracht. Ganz weit vorne bei mir: „Die 3 Millionen Musketiere“.

Watchful_Eye

Postings: 1605

Registriert seit 13.06.2013

2019-08-25 23:04:03 Uhr
"Diorama" war klasse und wird in meiner Top 100-Liste auftauchen. Die neuen Tracks klingen auch wieder gut..

maxlivno

Postings: 1421

Registriert seit 25.05.2017

2019-08-25 22:09:52 Uhr
Die Rezension liest sich sehr spannend. Wird vermerkt
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