Die Sauna - So schön wie jetzt war es noch nie

Die Sauna- So schön wie jetzt war es noch nie

Buback / Indigo
VÖ: 30.08.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gonna make you sweat

Der Schweiß läuft unaufhörlich, brennt beharrlich in den Augen. Die Sauna aus Oberbayern machen dazu geschmackvollen Lärm, beeinflusst von allerlei Krach-Genres der Vergangenheit. Post-Punk, No und New Wave spielen da eine große Rolle, Noise und herkömmlicher Punk ebenso, aber auch der himmelsstürmende Pop der Achtzigerjahre klingt immer wieder durch. Vergleiche zu Isolation Berlin, Die Nerven oder auch Drangsal liegen nahe, werden aber immer wieder unterwandert. Das Debütalbum "So schön wie jetzt war es noch nie" bewegt sich wild oszillierend zwischen den Genres und durchschreitet das oben erwähnte Koordinatensystem der Stile mit Leichtigkeit. Die Gitarren spielen melodische Asymptoten, die Atmosphäre pendelt zwischen Hoch-, Tief- und Wendepunkten. Grundsätzlich kreieren Die Sauna also Musik für die grauen, wolkenverhangenen Tage, nicht ohne jedoch einen Funken Hoffnung, der sich hier und da Bahn bricht.

"Tu das nicht" startet unruhig, die Gitarren drängeln sich quengelnd in das Zentrum des Stücks, die Drums pumpen sich ebenfalls auf bedrohliche Größe auf, während die Stimme des Frontmanns Matthias Berg beständig an den Nerven zieht. Und dennoch hat diese Wurzelbehandlung für die Ohren etwas seltsam Wohltuendes. Dass das Sextett auch melodiöser agieren kann und dies auch mit großer Fingerfertigkeit bewerkstelligt, beweist direkt der folgende Song "Das geometrische System": Hier blinken die Achtzigerjahre in bunten Neonfarben durch den diffusen Post-Punk-Nebel, die Hook setzt sich unwiderstehlich im Hirn fest. Die Bandmitglieder, die mittlerweile verstreut an verschiedenen Orten leben und sich lediglich an den Wochenenden treffen, finden trotz der Distanz einen gemeinsamen Nenner, auch wenn merklich verschiedene Pole aufeinandertreffen. Daraus ergibt sich eine Spannung, von der die Kompositionen profitieren.

Dies gilt insbesondere für den synthiegetränkten Titelsong, der fiebrig durch die Strophen irrt, nur um im Refrain die Sonne ins Dickicht scheinen zu lassen. Bei allen Ecken und Kanten, die im Sound der Gruppe präsent sind, vergessen Die Sauna nicht, auf starke Melodien und wohldosierten Schönklang zu setzen. Speziell der starke Abschluss "When you're dead" beweist auf abseitige Weise Hitpotenzial, könnte also in besonders schummrigen Kellerclubs zwischen International Music und Ja, Panik laufen: "Ein leeres Stück Papier, liebevoll signiert von Dir / Du bestimmst meine Identität / Everybody loves you, when you're dead". Dazu wirbeln die Synthies und Gitarren im Takt, zitieren kurz den Klang von Joy Division und Co., bleiben am Ende aber dennoch auf der Seite, auf der die Sonne den Mond erhellt. Bei aller Unentschiedenheit funkeln selbst die kratzigsten Sauna-Songs noch sachte und offenbaren ihren weichen Kern. Selbst bei 90 Grad, mit dem Handtuch unterm Hintern.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Das geometrische System
  • So schön wie jetzt war es noch nie
  • When you're dead

Tracklist

  1. Tu das nicht
  2. Das geometrische System
  3. Niemals zurück
  4. Der Letzte
  5. Das Ende
  6. So schön wie jetzt war es noch nie
  7. Frische Rosen
  8. Gib Dir nicht die Schuld
  9. Blutige Lippen
  10. When you're dead

Gesamtspielzeit: 37:53 min.

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User Beitrag

MM13

Postings: 1712

Registriert seit 13.06.2013

2019-08-31 13:50:17 Uhr
gutes album, gute rezi!
nur schade dass ich akkustisch den texten nicht immer folgen kann.

Armin

Postings: 15703

Registriert seit 08.01.2012

2019-08-18 20:47:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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