Tuxedo - III

Tuxedo- III

Funk On Sight / Stones Throw / Groove Attack
VÖ: 19.07.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Sommer '79 (Er hat noch Glitzer im Bartflaum)

Dass Tuxedo nicht gerade die Großmeister der Originalität sind, weiß man schon bei einem Blick auf ihre Albumtitel. Wenig überraschenderweise führt "III" nicht nur die römische Zahlenfolge fehlerfrei fort, es verändert auch nichts an einem Sound, der schon immer lieber dem Vergangenen huldigte, anstatt etwas Neues zu erschaffen. Warum sollten Mayer Hawthorne und Jake One auch an ihrer Formel herumschrauben? Der Grammy-nominierte Soul-Sänger und der normalerweise im HipHop verortete Produzent zelebrieren – im wahrsten Sinne des Wortes – wieder eine hedonistische Pop- und Electro-Funk-Rückschau, deren Glitzer- und Konfetti-Vorräte auch in der dritten Ausführung nicht aufgebraucht sind. Tuxedo gehen dabei mit ihren Inspirationen aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern noch offensiver um als andere kontemporäre Genre-Epigonen wie Jungle, die immer auch mit einem Fuß im Jetzt stehen. Mit seiner nostalgisch vernebelten Produktion wäre ein Großteil von "III" auch vor 40 Jahren nicht aufgefallen. Egal, ob man die Zeit selbst miterlebt hat oder sie nur aus dem dritten Austin-Powers-Film kennt, das Duo versetzt einen mitten auf die Tanzfläche des legendären Studio 54. Könnte hier irgendetwas egaler als fehlende Originalität sein?

Schon der selbstreferenzielle Opener "The Tuxedo way" fokussiert alle Elemente, welche die nächste halbe Stunde bestimmen sollen. Ein enggeschnürter Groove, mehrstimmiger Falsett-Gesang, subtile Bläser und ein toller, analog-organischer Sound – fertig ist der astreine Retro-Funk-Hit, veredelt von einer melodisch etwas waghalsigeren Bridge. Die sprudelnden Synth-Bässe von "You & me" fangen schon fast zu sprechen an, das ästhetisch ähnliche "If u want it" setzt sechs Songs später den Dialog fort. Wenn sich diese beiden Tracks mit ihren minimalistischen Drumcomputer-Beats an den Radio-Pop der Achtziger annähern, beweisen Tuxedo innerhalb ihrer stilistischen Grenzen auch durchaus Variabilität. "Vibrations" orientiert sich gar an noch späteren Trends und bounct sich mitten ins Herz aller Liebhaber von Neunziger-R'n'B. Dass sich allen Songs direkt ihr Einflussort auf dem Zeitstrahl der Musikgeschichte zuordnen lässt, zeigt dabei nur die enorme Stilsicherheit von Hawthorne und One auf. Ohne je das Uncanny Valley des Pop zu betreten, lassen sich ihre sorgfältig modellierten Nachbauten oft kaum von den Originalen unterscheiden und machen gerade deshalb so unheimlich viel Spaß.

Vorausgesetzt, man nimmt das alles nicht allzu ernst. Schon die Tracklist verrät, dass die Texte mit "banal" noch nett umschrieben sind, dazu wirkt der Rap-Part von MF Doom (!) in "Dreaming in the daytime" nicht nur auf dem Papier wie eine merkwürdige Idee. Weil Selbstbeherrschung und Haltung dem Tanzvergnügen aber eh immer im Weg stehen, fallen solche Momente gar nicht negativ ins Gewicht. Spätestens, wenn das geschmeidige "Extra texture" unter Regie von Dâm-Funk die Synthies von der Leine lässt oder sich die Samtstimme von Benny Sings ins R'n'B-Himmelbett von "Toast 2 us" kuschelt, lösen sich alle Zweifel in knisternder Luft auf. Besonders stark gerät das Abschlussstück "Close", ein Duett von Hawthorne mit der kalifornischen Sängerin Gavin Turek und ein treibender Sonnentanz, der sich für die stickige Disco genauso gut wie fürs offene Cabrio eignet. Anders als bei den beiden jeweils im März erschienen Vorgängern beweisen Tuxedo dieses Mal auch in der Wahl des Veröffentlichungszeitpunkts mindestens genauso viel Geschick wie in ihrer hingebungsvollen Würdigung goldener Pop-Ären. In keiner anderen Jahreszeit hätte sich die volle Wirkungskraft von "III" so entfalten können.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • The Tuxedo way
  • Extra texture (feat. Dâm-Funk)
  • Toast 2 us (feat. Benny Sings)
  • Close (feat. Gavin Turek)

Tracklist

  1. The Tuxedo way
  2. You & me
  3. OMW (feat. Leven Kali & Battlecat)
  4. Dreaming in the daytime (feat. MF Doom)
  5. Extra texture (feat. Dâm-Funk)
  6. Gabriel's groove (feat. Gabriel Garzón-Montano)
  7. Vibrations (feat. Parisalexa)
  8. If u want it
  9. On a good one
  10. Toast 2 us (feat. Benny Sings)
  11. Close (feat. Gavin Turek)

Gesamtspielzeit: 34:04 min.

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Armin

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2019-08-04 19:09:24 Uhr - Newsbeitrag
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