Nérija - Blume

Nérija- Blume

Domino / GoodToGo
VÖ: 02.08.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Lediglich gelegentlich

Jazz gehört im Hause Plattentests.de ehrlicherweise nicht zu den Kernkompetenzen. Klar, Kamasi Washington hat in den letzten Jahren viel Schwung in das Genre gebracht und den kontemporären Jazz auch an den Rand unseres Bewusstseins gespült. Ein Hype, den wir auch mit ungeschulten Ohren nachvollziehen können. Vor wenigen Monaten errang dann das Ezra Collective aus London mit "You can't steal my joy " den begehrten Titel "Album der Woche", und auch hier regiert der Jazz, zeitgemäß und frei interpretiert. Es tut sich was. Auch bei Nérija ist einiges im Gange und die Grundvoraussetzungen sind sehr ähnlich wie beim Ezra Collective: Das Septett stammt ebenfalls aus London und spielt einen gleichermaßen lebensfrohen Jam-Jazz, den man sich eher beim ungezwungenen Sommerfest im Hyde Park vorstellen kann als in einer verrauchten New Yorker Bar.

Ihr im Winter 2018 eingespieltes und nun erscheinendes Debütalbum nennen Nérija "Blume" und ja, der Titel passt schon, denn bunt und lebendig geht es hier durchaus zur Sache. Natürlich muss auch erwähnt werden, dass das Septett zum Großteil aus Frauen mit afroamerikanischen oder karibischen Wurzeln besteht, man würde es sonst nämlich nicht merken: Ihre Musik definiert sich nicht über herausposaunte Messages, sondern über die pure Lust am instrumentalen Rausch, an der freien Form und dem Zusammenwirken der verschiedenen Charaktere. Nérija verknüpfen Bläser, Gitarre, Drums und Kontrabass zu einem weichen, warmen Soundteppich, ihre Stücke bleiben dabei an der langen Leine, bekommen meist sechs oder sieben Minuten Zeit sich zu entfalten.

Schon der Opener "Nascence" holt einen immer wieder ab, die Bläser wiederholen in den sieben Minuten kontinuierlich und eindringlich ihr Motiv, Drums und Kontrabass agieren als dynamische Mittelfeldmotoren, die immer wieder Schwung ins Spiel bringen. Auch als lediglich gelegentlicher Jazz-Hörer findet man immer hinein in diese spannenden, quirligen Kompositionen, denn bei aller Lust am befreiten Musizieren wird es nie zu abstrakt: "Last straw" wirkt aufs erste Ohr nervös und unfokussiert, man könnte sich nur zu gut vorstellen, wie Nérija mit diesem Song eine Hitchcock'sche Verfolgungsjagd untermalen, doch hier kommt selbstverständlich niemand zu Schaden. Am Ende löst sich die Spannung allmählich auf und die Nummer kulminiert in einem fast schon abrupten Schlusspunkt. Auch die anderen sprudelnden Stücke wickeln auf diese Weise den Hörer um den Finger, während die pop- und rockinfizierten Hörgewohnheiten derweil mit Leichtigkeit auf links gedreht werden. Die Kollegen im vollverglasten Plattentests.de-Hauptquartier haben es aber auch wirklich nicht anders verdient.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Nascence
  • Last straw

Tracklist

  1. Nascence
  2. Riverfest
  3. Last straw
  4. Partner girlfriend lover
  5. EU (Emotionally unavailable)
  6. Blume
  7. Equanimous
  8. Swift
  9. Unbound
  10. Blume II

Gesamtspielzeit: 55:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Underground

Postings: 980

Registriert seit 11.03.2015

2019-08-13 17:13:07 Uhr
guter punkt, whitenoise! mir fielen gleich noch ein paar weitere ein, seis drum...

whitenoise

Postings: 318

Registriert seit 17.06.2013

2019-08-13 16:04:03 Uhr
Und wenn ihr schon ein bisschen Jazz abdecken wollt, wo sind dann Rezensionen zu den jüngsten Alben von Sons of Kemet, Angles 9 oder The Comet is Coming? Ein paar Alben tauchen ja Jahr für Jahr auch immer wieder auf dem Radar von Nicht-Jazz-Fans auf, aber das sind nicht unbedingt die, die hier besprochen werden?

whitenoise

Postings: 318

Registriert seit 17.06.2013

2019-08-13 16:01:58 Uhr
Was ist denn "temporärer Jazz"?
Ivan Rebroff
2019-08-13 13:55:31 Uhr
Vom PT Supermann kommt jetzt auch nichts mehr.
Ken
2019-08-12 14:47:04 Uhr
Es geht auch sehr um den Kosmos aus Highlife-, Jazz-Fusion und Funk-Riffs und Afrobeat mit Modern Hip Hop. Dies scheint hier nicht adäquat in der Analyse gewürdigt zu sein. Trompeterin Sheila Maurice-Grey ist bspw. die Anführerin der Afrobeat-Revolutionäre Kokoroko. Das wär wichtig zu erwähnen, um das Gesamtbild zu verstehen.
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