Beyoncé - The lion king: The gift

Beyoncé- The lion king: The gift

Parkwood / Columbia / Sony
VÖ: 19.07.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Vater Rhyme und Mama Afrika

Wer "Circle of life", "Hakuna matata" oder "Can you feel the love tonight" noch heute problemlos mitsingen kann, der hatte Mitte der Neunziger wahrscheinlich Kinder oder war eben selbst im Disney-Zielgruppenalter. Kein Zufall, dass nun 25 Jahre – also ungefähr eine Generation – später die fotorealistische Neuauflage des Zeichentrick-Klassikers in die Kinos kommt. Die Kinder von damals haben schließlich nun zum Großteil selbst Nachwuchs und genügend nostalgische Gefühle gehortet. Selbstverständlich sind die Songs aus Elton Johns und Bernie Taupins Feder dabei: Der offizielle Soundtrack ist fürs behutsame Modernisieren ebendieser Stücke zuständig. Doch Beyoncé, ihrerseits als etwas hüftsteife Synchronisation der erwachsenen weiblichen Hauptrolle Nala besetzt, hat mit "The lion king: The gift" darüber hinaus eine Parallelveranstaltung eröffnet – ein Showcase für diejenigen, die vom Kontinent des eigentlichen Schauplatzes stammen.

So ist das Mixtape nicht nur von afrikanischen Klängen durchzogen, sondern lässt die Größen der dortigen Musikszene gleich selbst an die Regler und die Mikrofone. Deshalb gerät "The lion king: The gift" neben angenehm kurzen Filmdialog-Schnipseln zum Aufeinandertreffen von pathetischem Orchesterbollern, clubtauglichen Floorfillern und exotischen Klängen. Beyoncé hält sich häufig zurück, ist teils nur als Feature-Gast oder auch gar nicht in der Interpretenzeile zu finden. Das flotte, schlagfertige "Don't jealous me" etwa hat mit Tekno, Yemi Alade und Mr Eazi ausschließlich nigerianische Künstler am Start und gehört zum Besten, was dieses Mixtape zu bieten hat. "Sheep don't run with lion / Snake don't swing with monkey" – Battle Rap mal anders. Auch Burna Boy, der mittlerweile seine Bekanntheit in alle Welt ausgebaut hat, überzeugt im locker-flockigen "Ja ara e". Das Haar in der Suppe? Aus Ostafrika, wo "The lion king" eigentlich spielt, ist niemand vertreten.

Dennoch lässt sich auch Madame Knowles-Carter nicht lumpen und setzt mit "Spirit", der einzigen Überschneidung mit dem offiziellen Soundtrack, die Disney-Shownummer ans Ende, die man ihr eh immer zugetraut hatte. Sie wechselt mühelos zwischen Melismen und Gespitte, singt im hübschen "Otherside" Verse in Kiswahili und hält diese Sammlung generell irgendwie zusammen. Das gelingt zwar, jedoch nicht ohne Schwierigkeiten, machen doch in der Albummitte ein paar Hänger dem Flow schwer zu schaffen. Interessanterweise betrifft das viele große Namen, die das Konzept sowieso eher stören. Kendrick Lamar kann im kurzen "Nile" keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, eher nerven der Singsang und das blöde "Nile"/"denial"-Wortspiel. Und trotz Gatte Jay-Z und Donald Glover, der im Film die Hauptrolle Simba spricht und hier als Childish Gambino gastiert, ist "Mood 4 eva" ein einziges Achselzucken.

Besser machen es dann wieder die Tracks zum Ende hin. "My power" lehnt sich mit dem kraftvollen Chorus von Nija aus Los Angeles zwar arg an alte Banger von M.I.A. an, aber was soll's, wenn die Beine unweigerlich anfangen, im Takt zu zucken. "Scar" ist als Austausch zwischen den Newcomerinnen 070 Shake und Jessie Reyez der dramaturgische Höhepunkt kurz vor Schluss. So wie die Handlung eben zum Abschluss die Kurve zum Happy End kriegen muss, zeigt auch bei "The lion king: The gift" der Daumen wieder nach oben. Unterm Strich eine spannende Intersektion zwischen Popcorn und Savanne. Moonchild Savage und Shatta Wale statt Hans Zimmer und Elton John? Warum denn eigentlich nicht?

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Find your way back (Beyoncé)
  • Don't jealous me (Tekno, Yemi Alade & Mr Eazi)
  • Water (Salatiel, Pharrell Williams & Beyoncé)
  • My power (Tierra Whack, Beyonce & Moonchild Sanelly feat. Nija)

Tracklist

  1. Balance (Mufasa interlude) (James Earl Jones)
  2. Bigger (Beyoncé)
  3. The stars (Mufasa interlude) (James Earl Jones)
  4. Find your way back (Beyoncé)
  5. Uncle Scar (Scar interlude) (Chiwetel Ejiofor)
  6. Don't jealous me (Tekno, Yemi Alade & Mr Eazi)
  7. Danger (Young Simba & young Nala interlude) (JD McCrary & Shahadi Wright Joseph)
  8. Ja ara e (Burna Boy)
  9. Run away (Scar & young Simba interlude) (JD McCrary & Chiwetel Ejiofor)
  10. Nile (Beyoncé & Kendrik Lamar)
  11. New lesson (Timon, Pumbaa & young Simba interlude) (Billy Eichner, Seth Rogen & JD McCrary)
  12. Mood 4 eva (Beyoncé, Jay-Z & Childish Gambino)
  13. Reunited (Nala & Simba interlude) (Beyoncé & Donald Glover)
  14. Water (Salatiel, Pharrell Williams & Beyoncé)
  15. Brown skin girl (Beyoncé, Saint Jhn & Wizkid feat. Blue Ivy Carter)
  16. Come home (Nala interlude) (Beyoncé)
  17. Keys to the kingdom (Tiwa Savage & Mr Eazi)
  18. Follow me (Rafiki interlude) (John Kani)
  19. Already (Beyoncé, Shatta Wale & Major Lazer)
  20. Remember (Mufasa interlude) (James Earl Jones)
  21. Otherside (Beyoncé)
  22. War (Nala interlude) (Beyoncé)
  23. My power (Tierra Whack, Beyonce & Moonchild Sanelly feat. Nija)
  24. Surrender (Simba & Scar interlude) (Donald Glover & Chiwetel Ejiofor)
  25. Scar (070 Shake & Jessie Reyez)
  26. I'm home (Mufasa, Sarabi & Simba interlude) (James Earl Jones, Alfre Woodard & Donald Glover)
  27. Spirit (Beyoncé)

Gesamtspielzeit: 54:20 min.

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Armin

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2019-08-04 19:06:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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