Various Artists - Tiny changes: A celebration of Frightened Rabbit's 'The midnight organ fight'

Various Artists- Tiny changes: A celebration of Frightened Rabbit's 'The midnight organ fight'

Atlantic / Warner
VÖ: 12.07.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Is that you in front of me?

I feel better and better and worse and then better.

Es gibt für den Autoren dieser Zeilen nicht allzu viele rundum perfekte Alben. Liegt ja in der Natur der Sache: Eine 10/10 ist etwas Vollkommenes, eine kostbare Rarität, die alle paar Jubeljahre mal erscheint. "Carrie & Lowell" wäre wohl das letzte Album, das diese Wertung von mir bekommen hätte und seit Erscheinen dieser Platte sind mittlerweile auch schon wieder vier Jahre vergangen. Die vorletzte Veröffentlichung, die die Höchstpunktzahl in meinen Augen verdient hätte, feierte letztes Jahr zehnjähriges Jubiläum. "The midnight organ fight" von Frightened Rabbit ist ein formvollendetes Meisterwerk, an den richtigen Stellen schroff und lärmend, meist jedoch hymnisch und melodisch, durchzogen von feinen Venen, durch die mit schnellem Puls dickflüssige Melancholie fließt. Der Suizid Scott Hutchisons schockierte viele Fans, das Tribute-Projekt kam dennoch nicht zum Erliegen. Jetzt erst recht, dachten sich alle Beteiligten, insbesondere weil auch Scott viel Herzblut in diese Compilation hat einfließen lassen. Mit einem Jahr Verspätung erscheint nun also diese in Ton gegossene Ehrerbietung.

I need human heat.

Kuratiert wurde "Tiny changes: A celebration of Frightened Rabbit's 'The midnight organ fight'" von Frightened Rabbit höchstselbst, die Auswahl der Künstler ist recht bunt. Zumeist handelt es sich um langjährige Wegbegleiter und Freunde, einige von ihnen standen Scott Hutchison sehr nah, entsprechend emotional wirken viele der Neueinspielungen. Ausfälle gibt es indes keine. Jede Interpretation hat ihre Berechtigung, ihren eigenen Twist, trifft einen ganz eigenen Ton. Biffy Clyro starten mit ihrer Version des Albumopeners "The modern leper" zunächst leise und verhalten, im Laufe des Songs kommen Streicher dazu, kurz darauf folgen eine intensive Noise-Attacke, Handclaps und die Trademark-Gitarren, die auch hier wie gewohnt gen Himmel stürmen. Auch Wintersleep machen ihre Sache sehr gut, auch wenn ihre Fassung von "The twist" näher am Original bleibt. Allein die etwas weichere, brüchigere Stimme Paul Murphys sorgt schon für eine kleine, willkommene Verschiebung im Sound.

And fully clothed, I float away.

"Fast blood" war schon in der Originalfassung ein intensiver Rocksong, wild und wirbelnd, und die Version des New Yorker Indie-Trios Right On Dynamite setzt genau da an, klingt sie doch rau und stürmisch, fast wie ein Demo. Craig Finn hingegen, seines Zeichens Frontmann der elaborierten Theken-Rocker The Hold Steady, nimmt "Head rolls off" ziemlich auseinander, reduziert das ursprüngliche Tempo und packt viel Hall auf seine whiskeygegerbte Stimme. Und Daughters Interpretation des ohnehin sentimentalen Tränenziehers "Poke" wirkt noch nackter, noch schattiger, irgendwann treibt der Song fort in einen beatlastigen Nebel, doch Elena Tonra und Kollegen bekommen ihn wieder eingefangen. So unterschiedlich all die versammelten Bands und Künstler und ihre Verneigungen vor diesen grandiosen Songs auch sind, sie alle eint, dass sie mit größtem Respekt und viel Fingerspitzengefühl einer Platte Tribut zollen, die irgendwann größer wurde als die Musiker dahinter. Die auch später noch wie die netten Jungs von nebenan wirkten, die nicht wussten, welchen Einfluss sie mit ihren kleinen, krummen Indierock-Songs haben. Und deren Sänger zum Teil auch an den enormen Erwartungshaltungen zerbrach.

And while I'm alive, I'll make tiny changes to Earth.

Scott Hutchison nahm sich im Mai 2018 das Leben. Unter dem Namen Make Tiny Changes hat seine Familie eine Charity-Organisation ins Leben gerufen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, junge Leute mit psychischen Problemen zu unterstützen. Den Link dazu findet Ihr in den Surftipps. Jeder Betrag hilft.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • The modern leper (Biffy Clyro)
  • Fast blood (Right On Dynamite)
  • The twist (Wintersleep)

Tracklist

  1. The modern leper (Biffy Clyro)
  2. I feel better (Oxford Collapse)
  3. Good arms vs. bad arms (Fiskur)
  4. Fast blood (Right On Dynamite)
  5. Old old fashioned (Josh Ritter)
  6. The twist (Wintersleep)
  7. Bright pink bookmark (The Philistines Jr.)
  8. Heads roll off (Craig Finn)
  9. My backwards walk (Harkin & Sarah Silverman)
  10. Keep yourself warm (Benjamin Gibbard)
  11. Extrasupervery (Inletts)
  12. Poke (Daughter)
  13. Floating in the forth (The Twilight Sad)
  14. Who'd you kill now? (Aaron Dessner & Lauren Mayberry
  15. The modern leper (Julien Baker)
  16. The twist (Piano Bar Fight)
  17. My backwards walk (Manchester Orchestra)

Gesamtspielzeit: 64:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Spathen
2019-08-08 21:54:46 Uhr
So viele Erinnerungen, die an diesem Album hängen. Meisterwerk. Gänsehaut.

TDenton

Postings: 31

Registriert seit 16.06.2014

2019-08-03 05:29:49 Uhr
Schon der erste Song hat mir Tränen in die Augen getrieben und bei Wintersleeps Interpretation von The Twist war ich dann endgültig im emotionalen Strudel gefangen - vor den Kollegen natürlich, aber hey, es sind nun mal Wahnsinns Songs und dann auch noch die Tragik um Scotts Suizid. Ein Hoch auf diese Band, ein Hoch auf dieses großartige Album!

derdiedas

Postings: 342

Registriert seit 07.01.2016

2019-07-29 15:12:57 Uhr
Einige mir sehr liebe Künstler wie Julien Baker oder (trotz der letzten Alben) Biffy Clyro mit dabei, aber Frightened Rabbit sind bis zum tragischen Ende leider auch an mir vorbeigegangen, also muss ich mich wohl erstmal in die Originale reinhören

Andreas

Postings: 116

Registriert seit 29.12.2013

2019-07-29 15:06:15 Uhr
Neben den Highlights ist auch noch Manchester Orchestra herausragend!

The MACHINA of God

Postings: 16526

Registriert seit 07.06.2013

2019-07-29 14:17:25 Uhr
Werd ich mir mal anhören. Bin ja auf die Band leider erst durch den Suizid aufmerksam geworden.
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