Metz - Automat

Metz- Automat

Sub Pop / Cargo
VÖ: 12.07.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zusammen, was getrennt gehört

Das Album: Lieblingsformat aller Pop-Romantiker, Vinyl-Liebhaber und Streaming-Gegner. Ein abgeschlossener Kosmos von üblicherweise knapp einer Stunde Spielzeit, mit gegebenem Konzept vom Cover-Artwork bis hin zur Reihenfolge der Tracks. Pink Floyd und Kendrick Lamar lassen grüßen. Dass dieses verklärte Bild bei weitem nicht auf alle Alben zutrifft, dürfte mit einem Blick auf die Masse an zusammengewürfelten Songs ohne besonderen Kontext klar werden. Dass auch eine Compilation vergangener B-Seiten und Non-Album-Singles dennoch ein stimmiges Gesamtwerk ergeben kann, beweisen Metz mit "Automat". Hier stimmt zwar nicht alles, die Kanadier schaffen es aber trotz oder vielleicht gerade wegen der Verschiedenheit der Songs, ein repräsentatives Bild ihres Noise-Punks zu vermitteln.

So gibt es zahlreiche Raritäten zu entdecken, die als Erstveröffentlichung second hand mitunter für horrende Preise gehandelt werden. "Soft whiteout" beginnt die chronologische Reise 2009, also ganze drei Jahre vor Metz' Debütalbum. Ihr ohnehin schon anarchisches Klangbild übertrifft die Band mit stimmiger, weil authentischer Demo-Soundästhetik und wilden The-Clash-Momenten. An Chaos wird der Opener lediglich vom hitzigen und ebenfalls von 2009 stammenden "Ripped on the fence" übertroffen, das in seiner spröden Durchtriebenheit gar an die frühen Sonic Youth erinnert, dabei aber wegen fehlender Struktur auch die Möglichkeit verpasst, zumindest ansatzweise ins Ohr zu gehen. Ihren eingängigsten Moment steuern Metz mit der dazugehörigen B-Seite "Dry up" bei, dessen Instrumentierung fast schon so etwas wie Zugänglichkeit und Harmonie suggeriert, aber dennoch wunderbar nach Garage klingt.

Bemerkenswert an "Automat" ist, dass kein Song besonders abfällt. Metz halten das Niveau ihres Ungetüms aus Noise, atonalen Gitarrenmelodien und Geschrei durchgängig hoch, was nur für das Können der Band spricht. Lediglich Stücke wie "Can't understand" klingen in ihrer hallgefluteten 80er-Ästhetik etwas nach lärmigem Schema F, was aber auch an der starken Konkurrenz der übrigen Stücke liegt, die gemessen am Nischendasein als Single-B-Seite mitunter eine absurd hohe Qualität bieten. "Leave me out" bringt sogar – allerdings etwas zu repetitive – schwedische Indie-Referenzen ins Spiel. Das alles ist jedoch zu verschmerzen angesichts eines in den besten Momenten hochkarätigen Lückenfüller-Albums, das sich zu keiner Sekunde wie ein solches anfühlt. Aber glücklicherweise gibt es neben Oasis und System Of A Down ja noch mehr Bands mit unverschämt guten B-Seiten.

(Julius Krämer)

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Highlights

  • Soft whiteout
  • Dry up
  • Dirty shirt

Tracklist

  1. Soft whiteout
  2. Lump sums
  3. Dry up
  4. Ripped on the fence
  5. Negative space (7 inch version)
  6. Automat
  7. Wet blanket (Demo)
  8. Dirty shirt
  9. Leave me out
  10. Can't understand
  11. Pure auto
  12. Eraser

Gesamtspielzeit: 43:05 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-07-20 22:35:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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