Kaiser Chiefs - Duck

Kaiser Chiefs- Duck

Polydor / Universal
VÖ: 26.07.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Heroes of Gnakdinak

Kommt ein Mann mit einer Ente auf dem Kopf in die Kneipe. Fragt der Wirt: "Was haben Sie denn da?" Sagt die Ente: "Ich weiß auch nicht, gestern Abend noch war es nur eine kleine Schwellung an meinem Fuß." Das tat jetzt ein bisschen weh, aber bekanntlich ist Humor aus der Welt der Vögel meist hartes Brot, sodass man halt nehmen muss, was man kriegen kann. Dann aber irgendwie passend, denn ein allzu großer Spaß war das letzte Kaiser-Chiefs-Album "Stay together" wegen zu viel Umz-Umz statt "Na na na na naa" auch nicht gerade. Vorbei die Zeiten, zu denen man nach den Heulern des grandiosen Debüts "Employment" ganz verschwielt von der Tanzfläche humpelte. Moral: Everything is average nowadays, so why can't we be? Sänger Ricky Wilson sieht das anders: "We can make records forever." Viel Gnakdinak um wenig?

Gleichwohl wissen die alten Helden nach wie vor, was sich gehört, und eröffnen "Duck" mit so schmatzigem Singalong, dass sie die Kneifzange zur Beseitigung des Ohrwurms fairerweise gleich mitliefern müssten. Und in der Tat jubiliert und stampft sich "People know how to love one another" enorm enthusiastisch ins Vergnügungszentrum des britischen Power-Pop – obwohl der Song von der musikalischen Zackigkeit und zotigen Cleverness eines "Every day I love you less and less" noch ein gutes Stück entfernt ist. Man könnte diesen Umstand auf die, nun ja, beginnende Gesetztheit der inzwischen schon seit über 15 Jahren existierenden Band schieben – oder darauf, dass Wilson kurz nach dem Release von "Duck" seine Lebensgefährtin zu ehelichen gedenkt. Weswegen Kaiser Chiefs auch der arg überzuckerte Schmachtfetzen "Target market" verziehen sei.

Schließlich hat der Fünfer genug Gejohle für die jungen und nicht mehr ganz so jungen Hüpfer im Gepäck. Vielleicht hätte sogar Leeds United den Aufstieg in die Premier League nicht vergeigt, wenn dazu die vollmundigen Chöre aus "Golden oldies" erklungen wären. Worin sich die Qualitäten von "Duck" jedoch nicht erschöpfen: Die Single "Record collection" zeigt, dass ein Midtempo-Hit über die Vorzüge physikalischer Tonträger auch mit elektronischer Grundierung und frechem Synthie-Gesprotze bestens funktioniert – Hauptsache, es klatscht und groovt. Und dass Kaiser Chiefs die letzten Jahre mitnichten in einer Kiste auf dem Dachboden verbracht haben, sollte spätestens bei "Wait" mit von Portugal. The Mans "Feel it still" stibitztem Bass und dem ähnlich gepolten Beziehungsdrama-Gerumpel "Don't just stand there do something" klar geworden sein.

Wer nun über weite Strecken den Tiefgang vermisst, hat zwar nicht Unrecht, aber auch das Thema verfehlt, denn vom ebenso sorglosen Erstling unterscheidet sich "Duck" lediglich durch nicht ganz so pointierte Songs und weniger frenetisches Machenwollen. Nicht umsonst ist die strahlende Halbballade "Lucky shirt" der schönste Moment dieses Albums und umarmt den Hörer genauso wie einst Little Man Tates "Joined by an iPod" – noch so ein paar alte Helden. Mit "Kurt vs Frasier (The battle of Seattle)" folgt am Ende sogar ein todsicherer Festival-Hopser, der zudem erstaunliche Querverbindungen zwischen Grunge und Neunziger-Sitcoms zieht. Tiefgehende Gedanken kann man sich danach immer noch machen. Zum Beispiel darüber, ob sich eine siebenbeinige Ente vorkommt wie eine Spinne mit einem Bein zu wenig oder wie eine Ente mit fünf Beinen zu viel.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Record collection
  • Lucky shirt
  • Kurt vs Frasier (The battle of Seattle)

Tracklist

  1. People know how to love one another
  2. Golden oldies
  3. Wait
  4. Target market
  5. Don't just stand there do something
  6. Record collection
  7. The only ones
  8. Lucky shirt
  9. Electric heart
  10. Northern holiday
  11. Kurt vs Frasier (The battle of Seattle)

Gesamtspielzeit: 40:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Duck Brave and the Nâkbeats
2019-07-31 15:44:39 Uhr
nakdinak

Sick

Postings: 98

Registriert seit 14.06.2013

2019-07-31 00:50:18 Uhr
Was eine Kackplatte. Halte ich nicht bis zum Ende durch. Musizieren nach Reißbrett. Mann, mann... Ohoh, Yeah. Meine Fresse...

Sick

Postings: 98

Registriert seit 14.06.2013

2019-07-31 00:41:24 Uhr
Die ersten beiden Songs gehen mir sowas von auf den Sack...
zu faul sich einzuloggen
2019-07-24 16:09:03 Uhr
Record Collection ist super.
People Know... nicht ganz so.

Armin

Postings: 15468

Registriert seit 08.01.2012

2019-07-20 22:34:36 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?



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