Good Riddance - Thoughts and prayers

Good Riddance- Thoughts and prayers

Fat Wreck / Edel
VÖ: 19.07.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Zerrissen

Kommando zurück: Als Good Riddance im Frühjahr 2015 nach acht langen Jahren endlich wieder Musik veröffentlichten, scheint die Freude seitens des Schreiberlings doch ein wenig übermächtig gewesen zu sein. "Peace in our time" war ein kleines Feuerwerk, das Spaß machte, aber dann doch kaum den Sommer überstand. Die gute Nachricht ist: Die vier Jahre nach dem Comeback-Album haben Frontmann Russ Rankin und seine Mannen tatsächlich prima genutzt, denn Good Riddance nähern sich mit "Thoughts and prayers" nun ihrer Gala-Form der Neunzigerjahre. Verwunderlich ist dabei sicher nicht, dass das neunte Album der Mannen aus Santa Cruz mit gut 29 Minuten mal wieder kompakt und schnell geraten ist - jedoch deutlich wutschnaubender als der Vorgänger.

In Zeiten, in denen im angeblich fortschrittlichsten Land der Welt täglich Menschen sterben, weil jeder Idiot sich bis an die Zähne bewaffnen darf und in einem Amerika, in dem die Klingen der sozialen Schere zwischen arm und reich längst im weit gespreizten Zustand eingerostet sind, stehen die Sterne zumindest für den Punkrock günstig. "Edmund Pattus Bridge" eröffnet das Album der Polit-Punks aus Santa Cruz mit Spoken-Word-Intro, bevor Good Riddance mit der so typischen Mischung aus Aufschrei und Hymnenseligkeit loslegen. Die im symbolischen Sinn angeführte Brücke in Alabama, die im gespaltenen Amerika derzeit keiner überqueren mag, obwohl sie nicht sehr lang ist, steht hier nicht nur als Mahnmal für den tiefen Riss innerhalb der Gesellschaft, sondern auch für das Erstarken des Rassismus im neo-nationalistischen Zeitgeist – denn Edmund Pattus war einst demokratischer US-General und dazu führender KKK-Kader. Wenn Russ Rankin den Mund aufmacht, dann hat das eben Wucht.

Nicht immer in jüngster Vergangenheit, aber zumindest auf diesem Album glückt Descendents-Legende Bill Stevenson an den Reglern eine packende, weil druckvolle und klare Produktion, die gewohnt knallende und doch melodische Hochgeschwindigkeits-Stücke wie das 45-sekündige "Rapture" oder "Our great divide" zu sehr gern gesehenen alten Bekannten macht. Routiniert kloppt sich "Precariat" mit NOFXschen Gitarrenlicks im Stakkato durch die Strophen und haut dazu auch einen feinen Refrain raus. Zweifellos eine der großen Stärken der Platte, denn der Midtempo-Knaller "Wish you well" darf als der wohl größte potenzielle Band-Hit seit langem gewertet werden – wenngleich der Closer "Requisite catastrophes" ähnlich stark ist. Damit man der Harmonie nicht überdrüssig wird, kredenzen Good Riddance nach einer Hymne meist schnaubende, halb im NY-Hardcore steckende Songs wie "No king but Caesar", das im Refrain auch mal lächelt und sich am Ende doch wunderbar melodisch verabschiedet, oder schnellen Melodypunk der besten Sorte wie das zynische "Pox Americana". Sich 2019 über politische Zustände zu echauffieren, ist nicht ungewöhnlich – ein sehr kurzweiliges Punkrock-Album wie dieses hingegen schon.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Edmund Pattus Bridge
  • Wish you well
  • No king but Caesar
  • Requisite catastrophes

Tracklist

  1. Edmund Pattus Bridge
  2. Rapture
  3. Don't have time
  4. Our great divide
  5. Wish you well
  6. Precariat
  7. No king but Caesar
  8. Who we are
  9. No safe place
  10. Pox Americana
  11. Lo que sucede
  12. Requisite catastrophes

Gesamtspielzeit: 29:11 min.

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User Beitrag

MasterOfDisaster69

Postings: 541

Registriert seit 19.05.2014

2019-10-11 19:20:21 Uhr
I like this.

7/10
Nic
2019-07-19 22:48:37 Uhr
Geiles Teil für den Sommer im Freien.

Armin

Postings: 16324

Registriert seit 08.01.2012

2019-07-08 20:08:54 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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