Freddie Gibbs & Madlib - Bandana

Freddie Gibbs & Madlib- Bandana

RCA / Sony
VÖ: 28.06.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fortsetzung folgt

Wir schreiben das Jahr 2016.

Fredrick Jamel Tipton alias Freddie Gibbs wird Anfang Juni kurz vor einem Konzert in Toulouse festgenommen. Die Vorwürfe: Vergewaltigung und sexueller Missbrauch. Nach zwei Wochen in französischer Haft wird Gibbs nach Zahlung der Kaution in Höhe von 50.000 Euro unter strengen Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Er stimmt schließlich seiner Auslieferung nach Österreich zu, wo die Tat angeblich im vorherigen Jahr stattgefunden haben soll. Der Rapper beteuert in der Untersuchungshaft seine Unschuld und ist um schnelle Auflösung bemüht. Ende September, nach insgesamt 37 Tagen im Gefängnis und einem Vierteljahr der Unsicherheit wird Gibbs von allen Anklagepunkten freigesprochen und darf Europa ohne weitere Probleme wieder verlassen.

Wir schreiben das Jahr 2019.

Etwas mehr als drei Jahre nach seiner Verhaftung hat sich Gibbs ein weiteres Mal mit dem Produzenten Madlib zusammengetan, um den Nachfolger des 2014 veröffentlichten "Piñata" auf die Welt loszulassen. Das Grundgerüst ist ähnlich: Auf der einen Seite der Rapper, der von seiner eigenen kriminellen Geschichte im Drogenmilieu erzählt und mit seinem grollenden Bass oft an einen jungen Tupac Shakur erinnert, auf der anderen der experimentierfreudige Beat-Bastler, dessen Melodien und Rhythmen nicht selten so klingen, als kämen sie direkt aus einem Siebzigerjahre-Blaxploitation-Film. Auch "Bandana", das nun in den Startlöchern stehende neue Album, ist voll von kratzigen Nebengeräuschen wie von einer alten Platte und ebenso voll von Gibbs' mal in sich ruhenden, mal wütend bellenden Reimen, aber eben auch von versöhnlichen Zeilen wie "I can't hold no grudges / My hands is too busy catching blessings", die im herrlich entspannten Closer "Soul right" gesprochen werden.

Die Ausgangsposition ist jedoch eine andere. Die Geschehnisse der letzten Jahre sind tief verankert in Gibbs' Lyrics, und wo "Piñata" sich einst langsam aufbauen musste, legt "Bandana" schneller los, so als wäre keine Zeit mehr zum Verlieren da – schon morgen kann alles vorbei sein, das Leben lahmgelegt, an einem fremden Ort mit einer fremden Sprache. Der halbminütige Opener "Obrigado" ist kaum mehr als Spielerei, ein Vorbeben, das darauffolgende "Freestyle shit" eine kleine Kostprobe mit Erzählungen vergangener Tage, als Gibbs im Studio in seiner Heimat Indiana saß und dort eigentlich noch mehr seinem Tagesgeschäft – der Dealerei – nachging, als sich auf sein Rap-Talent zu konzentrieren. Mit "Half manne half cocaine" bricht die Panik aus, Koks treibt das Gehirn an, Trap-Beats die Raps, Madlib den Rapper, der Rapper die Meute. Zur Mitte hin der Sprung, aus der Reihe geratene tiefe Schläge durchziehen den Song, Gibbs klingt wie einer, der in den berüchtigten Battle-Nächten im HipHop-Club sämtliche Herausforderer nicht nur ihres Stolzes beraubt, sondern gleich noch süchtig nach ihm selbst macht. Wie einer, der nicht verlieren kann. Wie ein Champion.

Und immer, immer, immer wieder ist da dieser Madlib mit seinen detailverliebten Kunststücken, seinen Ideen, seinen Samples, deren Clearing mitunter verantwortlich war, warum "Bandana" erst drei Jahre nach seiner ursprünglichen Ankündigung 2016 erscheint. So obskur diese manchmal sein mögen, so perfekt fügen sie sich in den Albumfluss ein: Der entspannte Flow von "Situations" endet mit den Worten der Instagram-Ikone Thaddeus Matthews, der in bester Fünfzigerjahre-Radiomoderator-Manier das Weiße aus Omas Zähnen rausflucht, während die lyrische Brutalität von "Crime pays" im direkten Kontrast zu seinem 1979er-Melodie-Paten "Free spirit" von Walt Barr steht. Und auch, wenn Gibbs und Madlib eigentlich keine Hilfe brauchen, lassen sie auf "Bandana" Raum für andere Künstler. So dürfen sich Pusha T und Killer Mike im Neunzigerjahre-Rap-und-Soul-Bündnis "Palmolive" die Hände schmutzig, pardon, geschmeidig machen, und kurz vor Schluss veredeln Mos Def alias Yasiin Bey und The Roots' Black Thought "Education", das sich mal eben auf einen kleinen Geschichtsausflug in das Leben der afrikanisch-amerikanischen Bevölkerung begibt. Das Leben mag Freddie Gibbs kurzzeitig aus dem Verkehr gezogen haben, aber seine eigene Geschichte ist gewiss noch nicht vorbei.

Er schreibt seine Zukunft selbst.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Crime pays
  • Situations
  • Education (feat. Yasiin Bey & Black Thought)
  • Soul right

Tracklist

  1. Obrigado
  2. Freestyle shit
  3. Half manne half cocaine
  4. Crime pays
  5. Massage seats
  6. Palmolive (feat. Pusha T & Killer Mike)
  7. Fake names
  8. Flat tummy tea
  9. Situations
  10. Giannis (feat. Anderson Paak)
  11. Practice
  12. Cataracts
  13. Gat damn
  14. Education (feat. Yasiin Bey & Black Thought)
  15. Soul right

Gesamtspielzeit: 46:32 min.

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Kojiro

Postings: 30

Registriert seit 26.12.2018

2019-07-11 21:35:07 Uhr
Hier mal n schönes, emotionales Interview, in dem er sich auch zu den Vorwürfen äußert.

https://www.youtube.com/watch?v=2vHLE0NsLes

Schroers
2019-07-09 16:15:10 Uhr
Immerhin ist das geschehen, was anlässlich Kate Tempest letztens von einem User gefordert wurde: Die Rezi hat konkret Bezug auf die Vorwürfe genommen (1.Abschnitt)
Frägende Ente
2019-07-09 15:44:01 Uhr
Warum wird hier so ein Vergewaltiger und Drogenheini rezensiert?

Kojiro

Postings: 30

Registriert seit 26.12.2018

2019-07-08 22:25:43 Uhr
Was ist das denn für ne alberne Rezension? Liest sich, als hätte die jemand geschrieben, der zum ersten Mal ne Rapscheibe gehört hat...

@Mondwaffel: Hätte den Titeltrack ebenfalls gerne auf dem Album gehabt; der Beat ist absolut heilig! Der Beatswitch auf Fake Names ist so dermaßen geil...
So wie es sich gehört
2019-07-08 21:17:11 Uhr
Depnersche Rezensionen in den Müll
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