Lilium - Short stories

Lilium- Short stories

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 30.06.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tränen auf den heißen Stein

Beginnen wir einmal mathematisch. Lilium verhält sich zur Band Sixteen Horsepower im exakt gleichen Verhältnis wie Calexico zu Giant Sand. Die Anzahl der an Lilium beteiligten Bandmitglieder hat sich im Vergleich zum von Bassist Pascal Humbert allein eingespielten Debüt "Transmission of all the good-byes" durch den Einstieg von Jean-Yves Tola verdoppelt. In einem Stück der exakt 45 Minuten dauernden "Short stories" kann gar von einer Kongruenz der beiden Besetzungen geredet werden, nimmt bei "Whitewashed" doch Pferdestärken-Sänger Dave Eugene Edwards das Mikrophon in die Hand. Doch schon kommen wir an die Grenzen einer allzu mathematischen Vorgehensweise. Musik lebt von, mit und durch Emotionen. Und diese lassen sich nun einmal nicht mit Logarithmen, Ableitungen oder Nachkommastellen ausdrücken.

Schalten wir also Herz und Seele wieder ein und erfreuen uns an den düsteren Monumenten, die der Wüsten-Zweier aus kargen Harmonien herausgehauen hat. Wahre Wolken aus Schwermut ziehen bedrohlich vorbei, Phantome der Verzweiflung und der Zerrissenheit. Schon die heisere Stimme von Kal Cahoone (Tarantella), die die eröffnende Zeile "Didn't mean to cause such a scandal" in ein durchscheinendes Nichts aus Gitarre, Melodica und Streichern haucht, vertreibt den leisesten Funken Hoffnung. "But if they cheered it wasn't for me." Eine klare Ansage. Grinsbären müssen also draußen bleiben, wenn die dezent frankophilen Melodien ihren Kopf hängen lassen.

Und das tun sie oft und reichlich auf "Short stories". Zu behutsam gestaffelten Klängen wird geklagt und bedauert, geseufzt und vermißt. Songs tragen Titel wie "Sorry", "Miles away" oder "Sense and grief". Aufmunternd ist das nicht. Aber ergreifend. Wenn sich dEUS-Kopf Tom Barman mit Cahoone auf spanisch entschuldigt, daß sie sich nicht mehr lieben können ("Sorry"). Wenn Edwards mit salbungsvoller Lethargie "Ever weak / However strong / They are most beautiful before they're gone" hervorpreßt. Wenn auch Tom Grant von den leisetretenden Czars nur Worte bitterer Verzweiflung findet: "Is it any wonder / I've fallen in love / With falling in and out of love with you / And watching you burn." Und schon ist der Zuhörer Feuer und Flamme.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • If they changed
  • Whitewashed
  • Sorry
  • The trap

Tracklist

  1. If they changed
  2. Locked in tight
  3. Whitewashed
  4. Lover
  5. Miles away
  6. Sorry
  7. Sense and grief
  8. Cavalcade
  9. The trap
  10. Angels

Gesamtspielzeit: 45:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Kyuss
2010-11-29 14:37:47 Uhr
Die neue Lilium - Felt ist auch sehre schön!
Gab hier leider keine Rezi :(
Eike
2005-02-03 14:40:01 Uhr
Ist mit 7/10 unterbewertet, ganz klar.
Eike
2004-12-18 14:33:06 Uhr
Erinnert mich immer an meine Freundin, kann sie deshalb leider nicht mehr hören. Eine von diesen Platten die Atmosphären, Gerüche , Geräusche und Gefühle aufsaugen und bei jeder Rotation wieder im Raum verteilen.
bee
2004-12-17 20:40:40 Uhr
@stativision
ich finde grade diese Scheibe ausgeglichen gut und vielseitig: verschiedene fe/male Voices, dann mal ein jazzy Sax und sehr gutes Songwriting.

stativision
2004-12-17 15:53:37 Uhr
jo, ganz ok, 16horsepower und woven hand find ich allerdings besser. gibts aber auch nen review hier. tom barman singt nur in einem lied, was aber dann auch das beste der platte ist.
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