Night Moves - Can you really find me

Night Moves- Can you really find me

Domino / GoodToGo
VÖ: 28.06.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sommer '19 (Wir tanzen um den Baum)

Kleiner Sprung in die Vergangenheit: "How I met your mother", vierte Staffel, elfte Folge. Die Gang sitzt in der Bar, Wetterfrau Robin taucht im T-Shirt auf und wird von Ted gefragt, warum sie keine Jacke trage. Antwort: sie als gebürtige Kanadierin sei eine ganz andere, richtige Kälte gewohnt. Einschub von Marshall, ebenso nur Zugezogener, der den New Yorker Winter mit einem Frühlingstag in seiner Heimat Minnesota vergleicht. Die zwei vordergründigen Anschlussgedanken: 1.) Wie toll hätte das Vermächtnis dieser Serie sein können, wenn da nicht dieses elendig schlechte Finale gewesen wäre? Und 2.) In Minnesota scheint es wirklich extrem kalt zu sein – auf die Aussage eines Marshall Eriksen wird man sich ja wohl verlassen können! Und sollte das nicht reichen, wissen Night Moves auch noch das eine oder andere über ihren Heimatstaat zu berichten.

Im Vorfeld der Veröffentlichung seines neuen Albums "Can you really find me", dem Nachfolger des 2016 erschienenen "Pennied days", ließ das Duo nämlich das nicht gerade als Kompliment durchgehende Statement verbreiten, dass die völlig ablenkungsfreie Umgebung ihnen beim Schreiben und Konzentrieren helfen würde. Klingt trostlos? Scheiß drauf! Sorry für die Wortwahl. Aber wenn durch das Leben in einer Gegend, in der offenbar das ganze Jahr über 50 shades of Winter herrschen, ein derart weltoffenes Sommeralbum wie dieses entsteht, nimmt man ein bisschen Kälte und damit offenbar verbundene Langeweile gern in Kauf. Für Außenstehende ist das ohnehin einfach. Aber John Pelant und Micky Alfano haben "Can you really find me" nun mal nicht für sich selbst gemacht, sondern für die Fans – und für jene, die noch zu solchen werden. Sie sind irgendwo da draußen! Verführerisch einladend ist die Single "Recollections" zumindest schon, mit ihrer Twang-Gitarre, Pelants Falsett und den erschöpfenden – aber niemals erschöpften – Synthies. Und auch "Strands align", ebenfalls eine Single, weiß den Hörer zu umwerben mit ihrer Mischung aus Achtzigerjahre-Wave und Dream-Pop-Anleihen, ihren hüftschmeichelnden Rhythmen, ihrem kitschig und dennoch charmant anmutenden Refrain.

Schon nach dem ersten Hördurchgang ist eigentlich klar, wie man den Sommer 2019 am besten verbringen sollte (kleiner Tipp: mit diesem Album!), jeder weitere vertieft den Eindruck ein bisschen mehr. Denn "Can you really find me" will nicht nur, sondern sollte gefunden werden, als Soundtrack für jede Fahrt ins Schwimmbad oder an den See, fürs selige Lauschen am Abend bei ausgeschalteten Lichtern und offenem Fenster, als musikalische Untermalung für die Grillfete im heimischen Garten. Zum entspannten Flow von "Waiting for the symphony" lassen sich selbst bei der größten Hitze noch ein paar mehr bunte Lämpchen an den Bäumen befestigen, der eingängige Pop von "Coconut Grove" lädt mit Sektglas zu einem kleinen, verschmusten Tänzchen bei untergehender Sonne ein, der bühnenreife Auftritt von "Saving the dark" hingegen zum Ausbreiten sämtlicher alter Geschichten in kleiner, gemütlicher Runde. Zu solchen Songs, die mit den Sounds längst vergangener Zeiten flirten, lässt es sich eben am besten erinnern. Und siehe da: Der krönende Abschluss mit dem Titeltrack setzt sogar noch eine kleine Schippe Drama und Melancholie obendrauf, bis man vor dem inneren Auge gar schon wieder die ersten kleinen Schneeflocken fallen sieht. Zum Glück sind wir davon, im Gegensatz zu Marshall Eriksen, ganz weit entfernt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Recollections
  • Waiting for the symphony
  • Angelina

Tracklist

  1. Mexico
  2. Recollections
  3. Keep me in mind
  4. Strands align
  5. Waiting for the symphony
  6. Ribboned skies
  7. Coconut Grove
  8. Saving the dark
  9. Angelina
  10. Can you really find me

Gesamtspielzeit: 40:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Wurstboy
2019-07-13 23:19:33 Uhr
Bin ich der einzige, der den Gesang unerträglich findet? Macht die Musik für mich kaputt. Klingt stellenweise wie Jim Carrey in Cable Guy.

The MACHINA of God

Postings: 15554

Registriert seit 07.06.2013

2019-07-07 18:33:14 Uhr
Ok, werde mal reinhören.

Jennifer

Postings: 1716

Registriert seit 14.05.2013

2019-07-02 17:05:54 Uhr
Der Vorgänger hatte die größeren Einzelhits, sehe ich auch so. Aber das neue Album find ich als Ganzes noch ein Stück stärker.

Gordon Fraser

Postings: 1245

Registriert seit 14.06.2013

2019-07-02 17:03:15 Uhr
Ich fand den Vorgänger super und bin bislang von dem hier auch ganz angetan, auch wenn ein "Carl Sagan" natürlich fehlt.

Jennifer

Postings: 1716

Registriert seit 14.05.2013

2019-07-02 17:00:09 Uhr
Du könntest ja auch einfach Deine Meinung zum Album abgeben. Aber irgendwelche Behauptungen aufstellen macht offenbar mehr Spaß.

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