Schmafu - SISWISIS

Schmafu- SISWISIS

Hinterhof
VÖ: 07.06.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Uncool? Aber sicher.

HipHop-Kollektive mit klassischer Bandbesetzung auf drei: Spontan fallen einem da The Roots ein. Oder … The Roots. Oder aber Schmafu, eine fünf Mann starke Wiener Formation, die mit "SISWISIS" ihr Debütalbum vorlegt. Gerappt wird vorwiegend im Wiener Dialekt, doch auch davon abgesehen halten sich die Parallelen zu den zuvor genannten US-Amerikanern in Grenzen – bis auf die Bandbesetzung eben. Nun werden sich bestimmt manche fragen, warum hier innerhalb weniger Zeilen zwei Mal auf das Line-Up verwiesen wird. Schließlich kann es einem herzlich egal sein, ob die Instrumentals analog oder digital erzeugt werden, solange sie gut klingen. Die Antwort ist ganz einfach: Schmafu vermitteln auf "SISWISIS" Live-Stimmung und Direktheit, ganz so, als würde man sich zwischen den Musikern im Proberaum befinden. Diese gefühlte Unmittelbarkeit ist die größte Stärke der Band. Die Raps hingegen überzeugen nicht durch hohes technisches Niveau, werden aber vom bandinternen Zusammenspiel getragen. Es sind eher Themenwahl und Aufarbeitung derselben, die Schmafu hervorstechen lassen. Dabei ist hervorstechen eigentlich das falsche Wort, denn mit "SISWISIS" sind Schmafu so weit von dem entfernt, was gerade im deutschsprachigen HipHop inklusive sämtlicher Subgenres en vogue ist, dass sie ihr Feld im Grunde alleine bestellen.

Manche werden sich wegen Verdacht auf Uncoolness rasch abwenden, wenn Frontman Simon E. von bladen, also fetten Männern in der Sauna, ihren Rückenhaaren und ihrer gelebten Rückständigkeit erzählt, aber so ganz ohne polarisierende Momente wäre das Ganze schließlich langweilig. Apropos polarisierende Momente: "Odanedodawos" kehrt überlieferte Rollenbilder um und verdichtet sie. So bleibt der Mann daheim, betreibt Yoga und lässt sich von der Frau zum Essen ausführen, während sie das Ruder in der Hand hat und sich von 6 bis 18 Uhr am Arbeitsplatz befindet. Dass die Wiener bei der bloßen Umkehrung stehen bleiben und auf eine deutliche ironische Zuspitzung oder einen beigefügten Kommentar verzichten, ist etwas schade. Trotzdem glückt der Band insbesondere auf der Instrumentalebene ein aufgeweckter Funk-Rap-Song. Auch der letzte Track "Endstation" hat seinen Instrumentals zu verdanken, dass die Lyrics weit weniger platt wirken, als sie letzten Endes sind. Das eingängige Gitarrenlick erinnert sogar an die guten Seiten von John Mayer.

In Stücken wie "So is" zeigt sich, wo die lyrischen Stärken der Band liegen: Die fünf üben Populismuskritik. Anders als so manche Kommentatoren aus den unterschiedlichsten Genres verliert sich das Quintett jedoch nicht in plumpen Phrasen und verzichtet auf erhobene Zeigefinger und Feindbildkonstruktionen. Was in "Odanedodawos" nicht ganz gelingt, nämlich den Text ohne heraustretenden Kommentar für sich sprechen zu lassen, funktioniert auf "So is" oder "Dass'd vastehst" umso besser. Erstgenannter Song ist mit seiner mehr als geschmeidigen Gitarre und seinen punktgenauen Drums ein optimaler Tanzflächenfüller. Das dadaistisch anmutende "Wos is nix" treibt einen im Anschluss kopfnickend in die bevorzugte Couchposition. Im Chorus von "Pomale" zeigen Schmafu außerdem, dass an ihnen ausgezeichnete Stadionrocker verlorengegangen sind, was zwar auch irgendwie uncool ist, dabei aber ausgesprochen sympathisch. "SISWISIS"? Isso.

(Katharina Bruckschwaiger)

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Highlights

  • So is
  • Wos is nix
  • Pomale

Tracklist

  1. Schorf oda müd
  2. Odanedodawos
  3. Erledigt
  4. So is
  5. Wos is nix
  6. Sauna
  7. Kartln
  8. Dass'd vastehst
  9. Pomale
  10. Endstation

Gesamtspielzeit: 42:46 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Simel
2019-06-22 11:48:39 Uhr
Sehr treffende Worte!
Nik
2019-06-22 11:33:24 Uhr
Interessantes Album mit vielen Facetten. Danke für den Review!

Armin

Postings: 15175

Registriert seit 08.01.2012

2019-06-20 21:00:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

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