Siskiyou - Not somewhere

Siskiyou- Not somewhere

Constellation / Cargo
VÖ: 24.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Heute nirgends, morgen dort

Musiker neigen ja in der Regel dazu, ihre ganz eigene Vision umzusetzen und lassen sich oftmals nicht gerne reinreden. Aber manchmal ist der Einfluss oder ein Anstoß von außen ein produktiver Steigbügel. Colin Huebert aus Kanada, der Ex-Drummer von Great Lake Swimmers, seit Beginn des Jahrzehnts mit seinem Projekt Siskiyou vor allem bei Kritikern erfolgreich, bekam die Anfrage von Künstler Stefan Sagmeister, den Titeltrack für das Feature "The happy film" beizusteuern. Doch beinhaltete diese Anfrage auch den Wunsch Sagmeisters, Huebert möge doch mit jenem Song zu der Reduziertheit und Spartanität von Siskiyous selbstbetitelten Debüt aus dem Jahre 2010 zurückkehren. Dieser Ansatz beflügelte Huebert nun derart, dass neben besagtem Song gleich ein ganzes Album, das nun vorliegende "Not somewhere", entstand, instrumentiert und eingespielt in seiner Gänze fast ausschließlich von Huebert selbst.

"Stop trying", der Song aus dem Film, steht direkt zu Beginn und ist eine meditative Folknummer, in die eine Textzeile aus "The happy film" quasi als Motto mit eingearbeitet wurde: "Trying is the problem / You're trying to get somewhere / As if you're not somewhere." Falsche, weil blinde Ambition, das Verneinen positiver Aspekte in der gegenwärtigen Situation – aus jenen Zeilen wächst ein Unbehagen, welches auf diesem Album spürbar bleibt. Da können viele der Tracks auf "Not somewhere" vordergründig ein ruhiges Fahrwasser beschiffen, eine latente Anspannung, ein kleiner Knacks bleibt immer fühlbar. So scheinen die Nervenenden in "What ifs" unbemerkt entzündet, der Gesang Huebers kann sich nicht zwischen sedierter Ermattung und ungesunder Aufgekratztheit entscheiden und das Klavier spendiert ein paar lakonische Töne für ein eher abseitiges Stimmumngsbild. Der eigentlich flüssig runterrollende Folk von "Temporary weakness" mit Hueberts zärtelndem Wisper-Gesang besitzt dennoch einen nächtlich eingefärbten Schatten, den man bei der Zeile "Everything I have done / Gonna give it all away" auch lokalisieren kann. Dass dazu Glöckchen klingen und die Gitarre lieblich aufspielt vertieft nur das unterschwellige Ungemach.

"The end II / / / Song of joy" lässt vom Songtitel nur ein leeres Kreiseln von echter Euphorie. Es ist nur noch der matte Abglanz einer vitalen Motorik übrig. Auch "Dying dying dying / / / Wake wake wake" könnte ein frühlingshafter Reigen sein, hat sich aber scheinbar sinnlos leer gedreht und bekommt sogar noch eine giftige Psych-Rock-Gitarrenbreitseite. Das Idyll ist beschädigt auf "Not somewhere", der Doktor in "Nothing disease" scheint nicht auf Heilung, sondern auf das Zudröhnen seiner Patienten mit Medikation aus zu sein, so dass Huebert nach erfolgter Behandlung nur noch willenlos säuselnd durch trüben Nebel wandelt. So ist dann auch ein kraftvolles Stück wie "Her aim is tall" sonderbar ramponiert und ausgedellt, die Vocals scheinen in eine Tonne hineingesungen, die Gitarren leiern sich eins, so dass der liebliche Chor am Ende wie Hohn wirkt. Und so hat Huebert zwar die Anregung zu instrumentaler Reduktion aufgefriffen, emotional ist das Ganze jedoch so ambivalent, wie man es auch nicht besser mit vollumfänglichem Orchester und drei Monaten Studiozeit hinbekommen hätte.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Stop trying
  • What ifs
  • Her aim is tall

Tracklist

  1. Stop trying
  2. What ifs
  3. Temporary weakness
  4. The end II / / / Song of joy
  5. Untitled 32 (live off the land)
  6. Dying dying dying / / / Wake wake wake
  7. Unreal erections / / / Severed heads
  8. Nothing disease
  9. Silhouette
  10. Her aim is tall
  11. Stop trying (jubilant reprise)
  12. Unreal erections / / / Severed heads (alternate outro)

Gesamtspielzeit: 33:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Jens
2019-06-15 05:48:03 Uhr
ertser lied top song!!

Armin

Postings: 15175

Registriert seit 08.01.2012

2019-06-13 20:38:19 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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