Baroness - Gold & grey

Baroness- Gold & grey

Abraxan Hymns / ADA / Warner
VÖ: 14.06.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Am Ende des Regenbogens

Auf Baroness ist Verlass. Das heißt aber nicht, das Quartett um Mastermind John Baizley sei vorhersehbar. Verlass ist auf die Georgianer insofern, dass sie mit "Gold & grey" erneut ein Album geschaffen haben, das wie auch seine bunten Vorgänger, alles was Baroness ausmacht auf den Punkt bringt ohne sich zu wiederholen. Überraschend ist hingegen die Farbwahl. Mit dem Klang des Wortes "Orange" konnte sich John Baizley schlicht nicht anfreunden, auch wenn aller Logik nach nun ein "Orange album" an der Reihe gewesen wäre. Das Cover dieses letzten Pinselstrichs des gewaltigen Albenzyklus den Baroness nun seit 13 Jahren schaffen, ist zwar sehr orange, in den Albumtitel schaffte es die Farbe aber nicht. Dass "Gold & grey" in Baizleys Ohren weitaus poetischer als "Orange" klingt, ist allerdings nachvollziehbar. Und wenn schon Konzepte über den Haufen geworfen werden, warum dann nicht auch gleich die sture, zeitlich äußerst eng getaktete Arbeitsweise der Band? Statt akribisch durchgeplanter Aufnahmesessions wie bei den letzten Alben, entstand das Album in weitaus entspannterer Atmosphäre zu Teilen in Baizleys Heimstudio, sowie in "Purple"-Produzent Dave Fridmanns Tarbox Road Studio in New York. Vermutlich war diese Herangehensweise die richtige Entscheidung, galt es doch nach dem Weggang von Peter Adams wieder einmal ein neues Bandmitglied einzuarbeiten. Live durfte sich die neue Gitarristin Gina Gleason bereits seit 2017 beweisen, auf der neuen Platte gibt sie nun ihr Recording-Debüt mit Baroness.

Am grundsätzlichen Sound der Band hat sich wenig getan. Es ist ja nun kein Geheimnis, dass John Baizley die treibende Kraft hinter der Band ist und so schmissen Besetzungswechsel bisher und auch dieses Mal nicht gleich alles aus der Bahn. Das macht gleich der Opener "Front toward enemy" klar. Dieser klingt so, wie der Titel es vermuten lässt: Dem Hörer springen in bereits in den ersten Minuten des Albums alle Markenzeichen der Band entgegen. Beinahe so, als müssten Baroness nach allen personellen Veränderungen gleich zu Beginn klar machen, dass sie noch immer dieselben sind, obwohl sie das natürlich nicht sind. "Front toward enemy" bringt prägnant auf den Punkt, was die Gruppe ausmacht: Brillante, virtuose Arbeit an Gitarren, Bass und Schlagzeug, vorneweg natürlich das geniale Zusammenspiel erstgenannter und die großen, gerne mehrstimmigen Melodiebögen, die aus beinharten Metal-Krachern Hymnen machen. Songs dieser Kategorie sind auf "Gold & grey" natürlich vielfach zu finden. Unbedingt zu nennen sind hier das vorab veröffentlichte "Borderlines", sowie "Throw me an anchor", das trotz aller Schwere dank Baizleys und Gleasons Gesang in luftige Höhen vordringt.

Bei einer Tracklist von 17 Songs bleibt allerdings auch Zeit für sanfterer Töne. Und davon finden sich doch einige auf dem Album. "I'm already gone" lebt von klagendem Gesang und geht so fast als Ballade durch. Bei "I'd do anything" wechselt Baizley dann schon zur Akustikgitarre und greift zusammen mit Piano und Streichern ganz tief in die Gefühlskiste. Fast schon folkig wird es bei "Emmet – radiationg light". Hier dominieren Gesang und Akustische das Geschehen. Wirklich hübsch vergrößert sich der Song zur Mitte hin mit Hilfe von Piano, Glocken und (selbstverständlich) mehrstimmigem Gesang. So bietet er etwa zur Albumhälfte eine willkommene Verschnaufpause.

Unterm Strich besticht "Gold & grey" durch seine Vielseitigkeit. Tatsächlich bildet es Baroness beinahe in der gesamten Bandbreite ab, wenn auch ein paar Farbtöne, besonders aus der Anfangszeit, hier fehlen. Der Grundton des Albums ist äußerst versöhnlich, was dem Umstand, dass es den Abschluss der Farben-Pentalogie (oder Hexalogie, je nachdem wie man zählt) bildet, auf würdige Weise gerecht wird. Indem Baroness musikalisch wie textlich ihre bewegte Geschichte Revue passieren lassen, werden noch einmal Erinnerungen an alle Vorgänger hervorgerufen. Aufgegriffene Elemente werden aber nicht einfach wiederholt, sondern gekonnt weiterentwickelt, sodass trotz einiger Referenzen nie das Gefühl aufkommt, dass Baroness hier einen Aufguss servieren. Im Gegenteil: "Gold & grey" ist mehr als selbständig und schafft großartige Momente, blickt aber voller Lebenserfahrung zurück auf den regenbogenfarbenen Weg, den die Band trotz aller Widrigkeiten bis zu diesem Punkt gegangen ist.

(Christopher Padraig ó Murchadha)

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Highlights

  • Front toward enemy
  • Seasons
  • Cold-blooded angels
  • Borderlines

Tracklist

  1. Front toward enemy
  2. I'm already gone
  3. Seasons
  4. Sevens
  5. Tourniquet
  6. Anchor's lament
  7. Throw me an anchor
  8. I'd do anything
  9. Blankets of ash
  10. Emmet – radiating light
  11. Cold-blooded angels
  12. Crooked mile
  13. Broken halo
  14. Can oscura
  15. Borderlines
  16. Assault on east falls
  17. Pale sun

Gesamtspielzeit: 60:35 min.

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User Beitrag

tjsifi

Postings: 456

Registriert seit 22.09.2015

2019-08-06 15:52:26 Uhr
Schöne Acoustic Session:
https://soundcloud.com/wxpnfm/sets/the-key-studio-sessions-baroness

boneless

Postings: 3149

Registriert seit 13.05.2014

2019-07-29 18:25:06 Uhr
Für mich sind sie erst seit dem Purple richtig interessant geworden. Davor war das für mich eine belibige Kapelle unter vielen.

Umgekehrt wird ein Schuh draus...

Nach der "Static Tensions" kam nix mehr besonderes.

Jawohl. Schade ist allerdings, dass Kylesa noch nie eine gute Liveband waren. Selbst zu Static Tensions Zeiten kam da, trotz 2 Drummern, fast gar nichts rüber.

Eurodance Commando

Postings: 647

Registriert seit 26.07.2019

2019-07-29 15:17:06 Uhr
Weiß nicht, ab Yellow & Green wurde mir das alles zu seicht, zwar vielfältiger, aber irgendwie mochte ich den kratzigeren Sound am liebsten. Die blaue war noch ganz gut, aber auch schon schlechter. Das rote ist einfach von vorne bis hinten stimmig. Haben sie nie wieder erreicht. Und in dem Genre gibt's viele bessere Alternativen mittlerweile. So ging's mir auch mit Kylesa. Nach der "Static Tensions" kam nix mehr besonderes.

tjsifi

Postings: 456

Registriert seit 22.09.2015

2019-07-29 14:28:12 Uhr
Sehe ich komplett anders. Für mich sind sie erst seit dem Purple richtig interessant geworden. Davor war das für mich eine belibige Kapelle unter vielen. Shock Me, Chlorine and Wine, usw. das waren die SOngs die mich dann zum näheren Hinhören bewegt haben.
Eurodance Commando
2019-07-26 18:15:52 Uhr
Seit dem blauen Album einfach nicht mehr hörenswert. Den Sludgekram konnten sie gut, danach alles zu glatt.
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