Pound - ••

Pound- ••

Silent Pendulum
VÖ: 31.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

^-_-^

Wer dachte, Ed Sheeran sei in Sachen Werkbetitelung schrullig, hat noch keine Bekanntschaft mit Pound gemacht. Das zweite Album der Djent-Frickler hört auf den schönen Namen "••". Wie auch immer man das ausspricht. Und weil das nicht reicht, geht das Duo bei den Songtiteln noch einen Schritt weiter. Sprache war gestern, an die Programmiersprache Brainfuck erinnernde Zeichenfolgen sind der heiße Scheiß. Ein Alleinstellungsmerkmal wäre also gefunden. Hinsichtlich der Musik müssen interessierte Hörer starke Nerven mitbringen: Die Anzahl der Takt- und Rhythmuswechsel entspricht mindestens der Menge der Plus- und Minuszeichen in der Tracklist.

Hierbei greifen die Musiker auf eine minimalistische Instrumentierung zurück: Ryan Schutte entlockt seiner neunsaitigen Baritongitarre so ziemlich jedes Geräusch zwischen subsonischem Grollen und exaltiertem Kreischen, während David Stickney seine beiden Drumkits bearbeitet, als wären ihm zusätzliche Gliedmaßen gewachsen. Gerade der Wechsel zwischen zwei völlig unterschiedlichen Schlagzeugsounds macht die Musik von Pound speziell: In schnellen Passagen nutzt Stickney eine Snare, die eher nach Blechdose als nach Instrument klingt. In den immer wieder eingestreuten Breakdowns kommt dagegen ein voluminöserer Sound zum Einsatz.

Die Kompositionen der Band sind so oder so nichts für Menschen, die Musik zur Entspannung hören. "x-_-x-_.+._-" beginnt beispielsweise mit einer zweiminütigen Entgleisung, die mit dem Wort "abgefahren" noch vorsichtig umschrieben ist. Melodien zum Festhalten gibt es kaum, stattdessen muss sich der Hörer am rhythmischen Puls orientieren. Auch wenn die Songs beim ersten Durchgang fast willkürlich klingen, sind sie bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Das kann man selbstverständlich verkopft oder gar langweilig finden. Doch der Reiz dieser Musik entsteht genau durch ihre Präzision. Jeder Track enthält einen Moment, in dem all die Versatzstücke zusammenfinden. In "x-xx-x---x-x---x-x---" ist es etwa ein kleines Schlagzeugfill, das das Tor zur Hölle aufstößt. Was folgt, macht keine Gefangenen.

Pound sind eine typische "band's band". Musiker, die selbst in extremeren Metalbands aktiv sind, dürften ihre helle Freude an all den Riffs und Grooves haben. Normalsterbliche benötigen ein gesundes Maß an Neugierde, um einen Weg durch das akustische Dickicht zu finden. Genießen kann Pounds Musik allerdings auch ohne musikalischen Hintergrund. Ähnlich wie bei Converge oder The Locust birgt all der Krach Momente der Klarheit. So belohnt "x-_x-_x-x-x-_x-_x-_x-x-_x-x-" Geduldige mit einem Mittelteil, der es in sich hat. Selbstverständlich folgt auf diesen ein hirnzerfetzender Blastbeat. Schönheit gibt es überall, nur nicht hier. Hier regiert die Dekonstruktion. Kaputtes kann aber eben auch Spaß machen.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • -_-x-_.+._-
  • x-xx-x---x-x---x-x---
  • x-_x-_x-x-x-_x-_x-_x-x-_x-x-

Tracklist

  1. x-.+.+.x-.+.x-.x-.+^
  2. x-_-x-_.+._-
  3. x-xx-x---x-x---x-x---
  4. --x--xxx--xx--x--xxx--xxx
  5. xx_.+-x_ _
  6. x..^..x-x..^..x-x..^..x-x..^..x-
  7. x-_x-_x-x-x-_x-_x-_x-x-_x-x-
  8. x_--_+_--_x_--.+_--_x_--+_-

Gesamtspielzeit: 32:54 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-06-06 11:43:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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