Mattiel - Satis factory

Mattiel- Satis factory

Heavenly / PIAS / Rough Trade
VÖ: 14.06.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

These boots are made for stompin'

Nein, viel falsch gemacht hat Mattiel Brown auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum letztes Jahr nicht. Da waren dieser reizvolle Sixties-Vintage-Sound und eine Stimme, die Grace Slick und Nancy Sinatra stolz gemacht hätte. Da war aber auch ein eher vorhersehbares Songwriting, welches den Sound oft genug als schablonenhaften Vorwand benutzte, um über die eigene Einfallslosigkeit ein wenig hinwegzutäuschen. Gute Nachricht hier: Mattiel ist jetzt, auf "Satis factory", voll da. Zu dem liebevollen Sounddesign gesellen sich nun Songs, die von Selbstbewusstsein, welches den eigenen Dämonen abgerungen wurde, künden und die jede Menge Charakterstärke vor sich her tragen.

Die sinistre Western-Stampede "Til' the moment of death" haut einem erstmal einen martialischen Stampfbeat um die Ohren, und die Dame aus Atlanta zündelt mit stoischer Noblesse an den Nervenenden des Hörers, "Took to long / Til the moment of death", tja, Pech gehabt, Mitleid gibt es keines. Der soulige Downtown-Rock'n'Roll von "Rescue you" ist da einladender, wobei auch diesmal klare Grenzen gezogen werden, "I ain't here to rescue you." Es ist begeisternd, wie vollmundig Mattiel ihre Rolle als kraftstrotzendes Riot Grrrl der Sechziger auskostet, hinter den Songs steckt jede Menge Überzeugung und Attitüde, die im Gegensatz zum Vorgänger nicht aufgesetzt wirkt. Wenn "Je ne me connais pas" in die französisch-sprachige Hook hinein rauscht, hat man das Gefühl, Mattiel habe ein ganzen Chor von selbstbewussten Frauen hinter sich. Das klingt dann freudetrunken, aber eben auch nach No Bullshit. Und immer wenn der Druck zu groß zu werden scheint, schießt Mattiel einen Refrain locker aus der Hüfte wie in "Food for thought" oder zeigt in "Keep the change", dass man grungige Hausmannskost mit ein wenig Glam aufpeppen kann.

Abwechslungsreich, gewitzt und spontan scheinen diese Songs, die zwar der Ästhetik der Sechziger verschrieben sind, aber eben darüber hinaus auch einfach spontan zünden. Das "bah bah bah bah" von "Millionaire" verweist auf The Velvet Underground, und "Blisters" gönnt sich ein wenig "Jive Bonnie jive", doch ist es mit den Referenzen hier noch nicht erledigt. Endlich hat diese Wahnsinnsstimme auch Melodien und Refrains, die ihr zur Ehre gereichen. Dabei ist Mattiel Herrin im Ring, die Instrumente sind ihr zu Diensten, und ihre Dämonen hat sie auch für sich in den Kampf geschickt. Das funktioniert auch, wenn sie zum Abschluss in "Long division" die Zügel etwas lockerer hält oder wie in "Berlin weekend" sogar belustigt wirkt. Mit der Georgia-Lady anlegen sollte sich aber keiner.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Je ne me connais pas
  • Food for thought
  • Blisters

Tracklist

  1. Til' the moment of death
  2. Rescue you
  3. Je ne me connais pas
  4. Food for thought
  5. Keep the change
  6. Millionaire
  7. Populonia
  8. Blisters
  9. Athlete
  10. Berlin weekend
  11. Heck fire
  12. Long division

Gesamtspielzeit: 35:50 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-06-06 11:40:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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