Perry Farrell - Kind heaven

Perry Farrell- Kind heaven

BMG / Warner
VÖ: 07.06.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Tyrannosaurus Rox

Dieser Text soll kein Dokument mangelnder Wertschätzung sein. Deshalb vorneweg die Errungenschaften eines Perry Farrell: Mit Jane's Addiction und Porno For Pyros brachte Farrell den Alternative Rock an die Grenzen des Massengeschmacks und vielleicht darüber hinaus. Und als Mitbegründer des Lolapalooza gebührt ihm ebenso ein Sternchen auf dem Walk of Fame der Indieszene. Doch wenn man ehrlich ist, hat sich die Relevanz Farrells im 21. Jahrhundert niemals neu aufgefrischt. Es gab kein Werk, welches ein Update für den Rockstar-Status des Amerikaners bereit gehalten hätte. Doch ist es tröstlich, auf dem neuen Album "Kind heaven" zu spüren, dass sich der 60-Jährige immer noch wie ein Halbgott fühlt. Die zugrunde liegende Musik rechtfertigt das mitunter nicht, manches reißt jedoch mit kettensprengendem Hedonismus zu kleinen Begeisterungsstürmen hin.

Zunächst ist der muntere Rocker "(Red, white and blue) cheerfulness" eine gute Wahl, weil er simpel gehalten ist und eine mitreißende Energie besitzt, die man nicht so recht einordnen kann. Sechziger, Siebziger oder doch durch Haarspray gepimpte Achtziger? "Pirate punk politician" ist dagegen einfach nur wuchtig, bounced blind vor sich hin und wirkt wie eine unmotivierte B-Seite von Audioslave. Auch der Glam-Rock-Stomp zu Beginn von "Snakes have many hips" triggert einfache Bedürfnisse, das Jazz-Klavier kommt sich wohl selbst deplatziert vor und die dramatischen Streicher sind eine sich lächerlich machende Groteske. Man könnte jetzt peinlich berührt abwinken, aber andererseits ist es auch bewundernswert, mit welch grober Kelle Farrell die Stile unpassend zusammentackert. Blinder Eklektizismus als heroische Tat einer anachronistischen Figur. Dazu passt zudem das Selbstverständnis des rüstigen Hedonisten dem weiblichen Geschlecht gegenüber. Nummer eins zu sein bei Farrell, dies setzt zuvor einen harten Konkurrenzkampf der willigen Amazonen voraus. An anderer Stelle ist der gute Perry beleidigt, weil sich die Herzensdame so viel Zeit gelassen hat, in seinem Leben aufzutauchen und wird rockistisch angeraunt. Und dem "Machine girl" müssen natürlich auch erst mal die körperlichen Freuden beigebracht werden.

Der große Witz ist jedoch, dass gerade auf der zweiten Albumhälfte Momente versammelt sind, die doch ziemlich geil sind." Die hitzige Percussion, gepaart mit dem süßlichen, weiblichen Gesangsparts in "One" sorgt für animiertes Mitwippen. Den von "Kashmir" geliehenen Streicher-Sandsturm von "More than I could bear" kann man als gelungenen orchestralen Pathos verbuchen und die orgiastische Rave-Explosion von "Spend the body" haut derart unmittelbar rein, dass man den mangelnden intellektuellen Gehalt allerhöchstens wemanders ankreiden möchte, nur eben nicht den Leuten, die solch einen Spaß produzieren. Streckenweise weiß der Glam-Dinosaurier Farrell halt ziemlich genau, was zieht, traut sich aber eben auch überkandidelte Peinlichkeiten. Hier kann einer über sich selbst lachen und das macht die Sache sympathisch.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • One
  • Spend the body

Tracklist

  1. (Red, white and blue) cheerfulness
  2. Pirate punk politician
  3. Snakes have many hips
  4. Machine girl
  5. One
  6. Where have you been all my life
  7. More than I could bear
  8. Spend the body
  9. Let's all pray for this world

Gesamtspielzeit: 31:12 min.

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Armin

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2019-06-06 11:39:33 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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