The Divine Comedy - Office politics

The Divine Comedy- Office politics

Divine Comedy / PIAS / Rough Trade
VÖ: 07.06.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Vom Schwelgen und Schuften

Jetzt hat er es doch getan. Neil Hannon, nordirischer Kopf hinter The Divine Comedy, verändert seinen Sound. Nicht allumfassend, aber teilweise. Anlass ist sein neues Album "Office politics", das zu großen Teilen der emsigen Geschäftswelt einen Zerrspiegel vorhält. Und da reicht es anscheinend nicht, den ironisch gebrochenen Dandy-Adel mit üppiger Orchestrierung anzuwenden. Nein, Büro-Vampire, Überstunden-Marathon und die Geilheit auf Anerkennung vom Chef brauchen andere Ausdrucksformen. Wie wäre es zum Beispiel mit seelenlosem Soul in makelloser Hochglanzoptik? Liefert Hannon im Titelsong, dazu einen distinguierten Sprechgesang im Memo-Stil: "Press the flash / Do the deal / Book your place in the hamster-wheel." Direkt zum Auftakt in "Queuejumper" hüpft die Marimba zu infantilen Gehässigkeiten, die Neid und Konkurrenzkampf in der Business-Welt als einen albernen Kindergarten darstellen. Hannon führt das alles gekonnt und mit eiskaltem Kalkül aus, die dem Funk und Soul entliehenen Songstrukturen wirken oberflächlich abgezockt, haben aber auch einen mitreißenden Drive.

"The life and soul of the party" besitzt diesen Überschwang, der sich manifestiert, wenn es hüftsteife Office-Langweiler auf der Firmenparty aber mal so richtig krachen lassen und "Absolutely obsolete" fährt nach wehleidig dahinschmelzender Strophe im Refrain einen zackigen Roboter-Funk auf, der das Herzeleid des Abservierten in elegante Dance-Moves überführt. Doch Hannon findet auch zahlreiche Möglichkeiten, seinen Trademark-Sound zum Einsatz zu bringen. Das vergebliche Sich-Abstrampeln des Mittelstandes in "Norman and Norma" bekommt jede Menge zart hinschmelzenden Orchestertrost und "A feather in your cap" verarztet sich mit weichen Orgelklängen und einem Refrain, der jede Menge aristokratische Leidensfähigkeit abstrahlt. Das Edle der klassischen Instrumentierung weicht jedoch oft einer eher kühlen, gemeinhin als modern konnotierten Soundästhetik. Der industrielle Glam-Rock von "Infernal machines" scheint wild stampfend stolz auf jedes fehlende Sentiment zu sein. Auch "Psychological evaluation und "The synthesiser service centre super summer sale" wenden sich völlig von weicher Melodik oder gediegener Songwriter-Kunst ab und ergötzen sich in einem Mahlstrom der künstlichen Sounds und Rhythmen.

Von den Neuerungen im Sound von The Divine Comedy mag man durchaus angetan sein, sie erscheinen nach so vielen Jahren auch als notwendiges Update – doch fürs Herz sind eher die klassischen Kompositionen. Der osteuropäische Tango "I'm a stranger here" schleicht behutsam durch heruntergewirtschaftete Gassen, und "When the working day is done" bereitet dann einen gewichtigen, mit Orchesteropulenz ausgestatteten Schlusspunkt, der das klassische Sentiment letztendlich doch über die Plastikoberflächen und den zynisch-synthetischen Touch siegen lässt. Läuft.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Norman and Norma
  • Absolutely obsolete
  • The life and soul of the party
  • A feather in your cap

Tracklist

  1. Queuejumper
  2. Office politics
  3. Norman and Norma
  4. Absolutely obsolete
  5. Infernal machines
  6. You'll never work in this town again
  7. Psycholgical evaluation
  8. The synthesiser service centre super summer sale
  9. The life and soul of the party
  10. A feather in your cap
  11. I'm a stranger here
  12. Dark days are here again
  13. Philip and Steve's Furniture Removal Company
  14. 'Opportunity' knox
  15. After the Lord Mayor's show
  16. When the working day is done

Gesamtspielzeit: 60:51 min.

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Freie Meinung
2019-06-06 21:06:26 Uhr
Ja, stimmt!

Armin

Postings: 15013

Registriert seit 08.01.2012

2019-06-06 11:38:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 15013

Registriert seit 08.01.2012

2019-04-04 18:57:37 Uhr - Newsbeitrag
THE DIVINE COMEDY
Am 7. Juni veröffentlicht Neil Hannon ein neues The Divine Comedy Album auf dem eigenen Label Divine Comedy Records.

"Office Politics" heißt es und ist der Nachfolger zu dem 2016 erschienenen, viel gepriesenen Album "Foreverland".Mit "Queuejumper" ist gestern ein erster Track erschienen, den man hier hören kann.

"A song whose jauntiness cannot disguise the rage and contempt that fire it", wie die Sunday Times in ihren Hottest Tracks zu Recht bemerkt. Die 16 Stücke auf "Office Politics” sind eine wahre Glanzleistung: die Musik ist gleichzeitig originell sowie zeitlos und versprüht den typischen Charme aus Witz und Wortspiel.

"It has synthesizers. And songs about synthesizers," sagt Neil. "But don’t panic. It also has guitars, orchestras, accordions, and songs about love and greed." Im Zentrum von “Office Politics” jedoch stehen die Maschinen. Oder “Infernal Machines” wie Neil in einem Song proklamiert.

"I do try to make normal records", sagt Neil mit einem Lächeln. "But it always seems to wander off into odd territories." Und dafür sollten wir dankbar sein. Das Album wurde geschrieben, produziert und arrangiert von Neil Hannon selbst und aufgenommen in London und Irland.

https://thedivinecomedy.com/music/queuejumper
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