Lice - Woe betide you

Lice- Woe betide you

Season Of Mist / Soulfood
VÖ: 10.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Schön böse

Wenn das Böse als allumfänglicher, schwarzer Monolith erscheint, ist man beruhigt. Man kann das Übel als deutlich sichtbares Feindbild ausmachen. Gefährlicher und ein Stück weit beunruhigend wird es, wenn das Böse menschliche, positiv konnotierte Anwandlungen besitzt. Das schwedisch-spanische Projekt Lice stellt auf "Woe betide you" die Dunkelheit mit hellen Einsprengseln dar und gibt dem Dämonischen ein menschliches Antlitz. Mit Mitgliedern von Teitanblood und Shining ist gewährleistet, dass es sich um eine ungemütliche Spritztour in die menschlichen Abgründe handelt. Doch dabei erzeugen die menschlichen Regungen im Metal von Lice das meiste Ungemach. Fast schon mit einer postiven Euphorie ausgestattet ist der Opener "Beyond eternal recurrence", der dem dynamischen Post-Rock ein helles Auftakt-Setting zugesteht. Die melancholischen Untertöne werden von einer tröstlichen, lebensbejahenden Agilität aufgefangen. Fast macht man es sich schon bequem auf einer imaginierten Frühlingswiese, doch dann kommt der Teufel in Form von Frontmann Niklas Kvarforth.

Dieser röchelt und grunzt im ungleich dunkleren "Layers of dirt" in an Travestie grenzender Theatralik. Dazu tönen die Gitarren nachtschwarz, das Schlagzeug lässt sich mit den weihevollen Synthies auf keine Diskussion ein und ballert entsprechend los, sodass schnell ein Vehikel für den Ritt des Fürsten der Finsternis bereitsteht. Durch die Übertreibung im Gesangsvortrag hat dies alles jedoch einen comichaften Anstrich und das bereits erwähnte Böse hat auch keine Probleme, sich lächerlich zu machen. Doch auch Mitleid ist eine Gefühlsregung, die diesem Album nicht fremd ist. Wenn Kvarforth mit brüchiger Würde, aber in cleaner Artikulation ein "Love breaks my chest wide open" von sich gibt, entdeckt man den Romantiker hinter dem schwaren Vorhang. Das Leid dieses Dämons wird greifbar und zugänglich. Es ist generell ein Wechselspiel aus Gnadenlosigkeit und Nachsicht, das Lice hier mit großem Geschick aufführen. Da wird an der einen Stelle die Double-Bass unnachgiebig durch den Schlamm geprügelt, doomige Riffs reißen mit aller bösartiger Trägheit Wunden ins Fleisch und Kvarforths Gegeifer sitzt dem Hörer ebenfalls unangenehm dicht im Nacken.

Doch es gibt auch Momente der Erlösung, des Lichts. Die helleren Gitarrentöne in "Roadkill" trösten zutraulich darüber hinweg, dass man sich auf dem Gang zum Schafott befindet. Und das abschließende "And so the ceaseless murmur of the world came to an end" verblüfft sogar mit einer Fusion aus Jazz, Funk und Rock – sonntägliche Weitschweifigkeit am Höllentor. Dass dieses Stück dann freilich mit düsterem, unbequemem Prog wieder eine Kehrtwendung hin zum Abseitigen macht, ist elementare Grundregel für dieses Album. Viel Schatten, ein wenig Licht und das beunruhigende Gefühl, dass dieser Mephisto ein paar sympathische Züge hat.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Layers of dirt
  • Level below

Tracklist

  1. Beyond eternal recurrence
  2. Layers of dirt
  3. Towards reality
  4. Level below
  5. Roadkill
  6. Pride eraser
  7. And so the ceaseless murmur of the world came to an end

Gesamtspielzeit: 48:28 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-05-30 20:02:39 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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