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The Mars Volta - De-loused in the comatorium

The Mars Volta- De-loused in the comatorium

Gold Standard Labs / Motor / Universal
VÖ: 23.06.2003

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mars macht mobil

Was für ein Wind! Nach dem vehementen Gepuste, welches um The Mars Volta, den intellektuelleren der beiden Wurmfortsätze von At The Drive-In, schon weit vor jedweder Veröffentlichung veranstaltet wurde, traut man sich ja kaum noch, nicht mit Superlativen um sich zu werfen. Wer will schon an der angekündigten, musikalischen Komplettrevolution zweifeln? Besonders, wenn gleich die ersten Höreindrücke derart energetisch und atemberaubend geraten. Ja, "De-loused in the comatorium" nimmt einem vom Start weg die Luft. Wer der Wucht von "Inertiatic ESP" ausgesetzt wird, kann sich kaum entscheiden, ob er den Kopf einziehen oder ihn lieber wild im 7/4-Takt schütteln soll. Vorausgesetzt man fühlt sich imstande, den verworrenen Breaks zu folgen.

Dabei hat man sich sicherlich Sorgen gemacht, als Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler-Zavala damals verwirrendes Zeug wie "Wir sind eine Rockband, die eine Salsaband sein will" absonderten. Oder als sich herumsprach, daß das langerwartete Debüt ein Konzeptalbum über das Leben (und Sterben) eines befreundeten Künstlers sein solle, dem man den fiktiven Namen Cerpin Taxt verpaßte. Als dann die im letzten Jahr erschienene "Tremulant EP" manchen gespannten Hörer mit langwierigen Frickeleien überforderte, die hilflos als Mischung aus Dub, Freejazz, Ambient und Postrock etikettiert wurden, war das natürlich Quatsch. Denn Grundlage von The Mars Volta ist immer noch der ultrahocherhitzte Wasauchimmer-Core, für den schon At The Drive-In standen. Er wurde eigentlich nur ein winziges bißchen geöffnet. In etwa so, wie sich Refused damals die Zukunft von Punk vorstellten.

Wen der im steten Fluß befindliche Klangwust nicht beim ersten Ton vertrieben hat, der wartet gebannt auf die nächste Schleife, die nächste Kehrtwendung, den nächsten Abgrund. Progressiv geht die Welt zugrunde, und The Mars Volta schütteln sich die nahezu perfekten Soundscapes dazu aus dem Afro. Der stets spürbare Anspruch an die Musik wächst der Band glücklicherweise nur ein einziges Mal über den Kopf. Im schier endlosen "Cicatriz ESP" kitzeln die zerfransten Strukturen die Ohren wie Pollen die heuschnupfengeplagte Nase. Der Sturm und Drang der ersten sechs Minuten verirrt sich plötzlich in einem völlig undurchdringlichen Labyrinth von zwitschernden Effekttrümmern und nutzfreien Oszillationen. Wo bleibt der Regisseur, der "Cut" schreit? Zur Not auch mit der einarmigen Schere. Stattdessen hört man diffuse Krakeelerei. "Well, I've lost my way." Anderswo hätte man da eine passende Karte zur Hand.

Je schneller sich die CD im Player dreht, desto schneller dreht sich auch der Verstand des unbedarften Zuhörers. Er rotiert mit den spinnerten Salsa-Fetzen von "Drunkship of lanterns" um die eigene Achse, erlebt konvulsive Zuckungen zu den Riff-Salven von "This apparatus must be unearthed", gleitet auf den glänzenden Nachtschatten von "Eriatarka" dahin und traut sich beim fast besinnlichen "Televators" ein wenig Entspannung. Bald wird sich an den morbiden Beschwörungen aus "Roulette dares (The haunt of)" festgeklammert. Und schon ist man wieder mitten drin in den schillernden Verdammnissen des Cerpin Taxt. "Open wrists, start back again / In the wounding of its skin," säuselt Bixler-Zavalas verfremdetes Organ. Es schüttelt sich, es windet sich und findet den Weg, noch jede Gänsehaut herunterzugleiten. "Exoskeletal junction at the railroad delay." ¿Qué? Ohne passende Dechiffrier-Maschine wird man all die versteckten Slogans und multidimensionalen Anspielungen kaum entschlüsseln können. Die kreiselnden Gitarren und taumelnden Orgeln jedoch rücken die Bedeutung der Worte in den Hintergrund. Es ist die vibrierende Hymne, die zählt. Und bewegt. Und polarlichtern verglüht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Inertiatic ESP
  • Roulette dares (The haunt of)
  • Drunkship of lanterns
  • Televators

Tracklist

  1. Son et lumière
  2. Inertiatic ESP
  3. Roulette dares (The haunt of)
  4. Tira me a Las Arañas
  5. Drunkship of lanterns
  6. Eriatarka
  7. Cicatriz ESP
  8. This apparatus must be unearthed
  9. Televators
  10. Take the veil Cerpin Taxt

Gesamtspielzeit: 60:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

derdiedas

Postings: 630

Registriert seit 07.01.2016

2021-03-05 12:55:58 Uhr
Die von Clouds Hill sind schon coole Socken.

Man kann als Millionärserbe auch deutlich schlechteres mit seinem Geld anfangen.

Omarboy

Postings: 27

Registriert seit 05.08.2013

2021-03-05 12:09:08 Uhr
https://themarsvoltaofficial.bandcamp.com/releases

Box wird hier aus Hamburg direkt vom Studio geliefert. Also nur 15 Euro Versand.

boneless

Postings: 3492

Registriert seit 13.05.2014

2021-03-05 11:15:01 Uhr
Ja, zu teuer finde ich das jetzt auch nicht. Wären ja ca. 22 Euro pro Platte. Schade ist halt, dass es "nur" schwarze sind und nicht, wie etwa bei dem Ten Year War Boxset von Sabbath unterschiedliche Farben. Aber wahrscheinlich wäre das Ding dann nochmal deutlich teurer geworden.

Ich für meinen Teil hätte auch gern noch die De-loused, der Rest interessiert mich eher weniger, weil ich auch weiß, dass ich die wahrscheinlich nie hören würde. Die Preise für bspw. De-Loused sind natürlich total lächerlich und ich ärgere mich jedes Mal über die Menschen, die meinen, sich mit solchen Sachen ein goldene Nase verdienen zu müssen. Da hofft man inständig, dass auch der größte Fan da nie zugreift und die ewig drauf sitzen bleiben...

Interessant: es scheint 2020 eine inoffizielle Pressung von De-Loused auf gelbem Vinyl gegeben zu haben, die aber komischerweise auf discogs nicht gesperrt ist.

Monzo

Postings: 40

Registriert seit 22.02.2021

2021-03-05 10:44:29 Uhr
Das Packaging der Reissues von Music On Vinyl machen in der Tat meistens nicht soo viel her. Wobei das bei De-loused anhand der Bilder eigentlich nicht so aussieht. Die Qualität der Pressungen sind aber mMn immer sehr gut.
Aber zurück zum Thema. Für 18 Schallplatten kann man eigentlich nicht meckern. Trotzdem ein krasser Brocken, den man sich halt nicht einfach mal so leisten kann.

fitzkrawallo

Postings: 1193

Registriert seit 13.06.2013

2021-03-05 10:37:43 Uhr
Gerade mal geschaut: De-loused kam 2014 bei Music On Vinyl, ein sehr gutes Label für Reissues, raus. Da sind die Preise mittlerweile aber auch jenseits von Gut und Böse auf dem Zweitmarkt.

Die steht hier rum. Wegen deines Posts mal geguckt für was die bei Discogs angeboten wird. Völlig bekloppt.
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