We Never Learned To Live - The sleepwalk transmissions

We Never Learned To Live- The sleepwalk transmissions

Through Love / Indigo
VÖ: 10.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Bis es etwas Dunkleres gibt

Zuhause ist es eben doch am schönsten. Das wohlige Gefühl, irgendwie am richtigen Ort angekommen zu sein, müssen wohl auch die Engländer We Never Learned To Live erfahren haben, als ihr zweites Studioalbum bei Through Love aus St. Pauli unterkam. Kein Wunder, hat das Zwei-Mann-Indie-Label doch in der Vergangenheit bereits Perlen-Lieferanten wie Fj ørt, Young Mountain oder Mahlstrom veröffentlicht. Ihr Riecher für mitreißende Hybride aus Hardcore und Post-Rock zieht sich durch viele Releases des Hamburger Labels, erreicht mit "The sleepwalk transmissions" aber einen erneuten Höhepunkt: Ein hochemotionales Ungetüm, das in schwarzer Soundästhetik von den diffusen Ängsten unserer Zeit erzählt.

"Permafrost" bringt die Quintessenz dieses packenden und großen Blackened-Hardcore-Moments direkt auf den Punkt. Die Melodien erinnern in ihrer rohen, hymnischen Ehrlichkeit an Thrice, die brachialen Gitarrenriffs konservieren das Beste aus Thursday und Employed To Serve, während sich eiskalte Screams und klagende Melodien abwechseln – ein Attribut, mit dem sie auch Szene-Lieblinge wie Being As An Ocean hinter sich lassen. Eine der größten Stärken von "The sleepwalk transmissions" ist die Zeit, die sich We Never Learned To Live für den Aufbau ihrer hochatmosphärischen Songs nehmen. Nicht selten vergehen, wie in "Android anaesthesist", lange Zeitspannen voll monotonem Aufbau, nur damit dann ein abgrundtief-sehnsüchtiges Gitarrengewitter explodiert. Verzweifelt heulende, Reverb-getränkte Gitarrenflächen treffen in "Luma / Non Luma" auf klassische Blastbeats und eine der mitreißendsten Vocal-Performances der letzten Jahre in diesem Genre. Trotz des monumentalen, aber oft leicht pathetischen Soundbildes zelebrieren leichte Dissonanzen auf "Wounds like wires" die Unperfektheit einer Welt, die in den 44 Minuten des Albums nicht besonders gut wegkommt.

We Never Learned To Live offenbaren auf ihrem Zweitwerk viel Düsterkeit. Die Texte beschäftigen sich mit dystopischen Zukunftszenarien, die geradewegs der letzten Folge "Black mirror" entstammen könnten. Glücklicherweise verfallen sie trotz ihrer durchaus progressiven Ansätze nie in eine Future-Metal-Ästhetik wie Dream Theaters "The astonishing". "The sleepwalk transmissions" klingt zu jedem Zeitpunkt analog und organisch, woran auch die starke Produktion ihren Anteil hat. Dennoch gelingt es den Briten, nie aus der Zeit gefallen zu wirken – ihr Post-Rock-beeinflusster Post-Hardcore-Sound mag ihre Ursprünge in den englischen 2000er-Jahren haben, We Never Learned To Live klingt jedoch vielmehr nach dem englischen Äquivalent zu deutschen Vorreiter-Bands wie Fjørt oder Heisskalt.

(Julius Krämer)

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Highlights

  • Permafrost
  • Android anaesthesist
  • Luma / Non luma

Tracklist

  1. Permafrost
  2. Android anaesthesist
  3. Human antenna
  4. The clocks
  5. Luma / Non luma
  6. Wounds like wires
  7. Retreat syndrome
  8. From the sixth floor
  9. Owari
  10. Digitalis
  11. Radio silence

Gesamtspielzeit: 44:51 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-05-23 20:03:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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