Seba Kaapstad - Thina

Seba Kaapstad- Thina

Mello / H'Art
VÖ: 17.05.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mehr Menschlichkeit

"Sich wohlfühlen", "zur Ruhe kommen", "tief durchatmen", "einfach mal nichts tun" – Schlagwörter dieser Art sind allseits bekannt. Längst sind sie zu Phrasen der Wohlfühlindustrie verkommen. Aber seien wir ehrlich: Das bloße Bei-sich-Sein hat stets gegen den Generalverdacht der Faulheit zu kämpfen. Und Faulheit wiederum zählt zu den Kardinalsünden beinahe sämtlicher Religionsgemeinschaften und Lebensformen. Die moderne Start-Up-Unternehmerin und der betende Gläubige werden sich darin einig sein. Das verdächtige Zur-Ruhe-Kommen passiert im örtlichen Yogaverein oder im Wellnesscenter. Ansonsten sollte man doch besser funktionieren. Seba Kaapstad können da nur fragend die Arme in die Luft werfen. Ihre Musik macht sich für eine Form der Ruhe stark, die aus dem natürlichen Wechselspiel von An- und Entspannung resultiert. Der Gott, von dem Sängerin Zoe Modigas in der grandiosen Vorabsingle "Africa" spricht, hält reichlich wenig von Schuldzuweisungen und ausgestreckten Zeigefingern. Afrika wird zum Sinnbild für Gemeinschaft und Miteinander. Überhaupt werden auf "Thina" so langweilige und 2019 stark aus der Mode gekommene Tugenden wie Güte, Zuversicht und Menschlichkeit hochgehalten. Zukunftspessimisten und Zynikern tritt die Band mit freundlichem Lächeln entgegen und sorgt für eines der schönsten Alben der ersten Jahreshälfte.

Bevor nun jemandem die Schweißperlen von der Stirn tropfen: Keine Angst, "Thina" ist weder ein "religiöses" Album, noch muss man religiös sein, um seine Freude damit zu haben. Das Quartett mit Mitgliedern aus Südafrika, Deutschland und Swasiland spaziert auf leichten Füßen, agiert aber allzeit stilbewusst. Die vier schaffen ihre eigene Klangwelt irgendwo zwischen Neo-Soul, Jazz, (Art-)Pop und HipHop. Die Klaviertöne in "Africa" streifen sanft mit der Hand über den Rücken, bevor dann im Chorus die Fensterläden bis ganz nach oben geschoben werden und die Sonne ins Gesicht scheint. Auf dem Stuhl hält spätestens jetzt nichts mehr. Sängerin Zoe Modigas Stimme ist ebenso gefühlvoll wie kräftig und dazu bemerkenswert wandelbar. Ihr Gesangskollege Ndumso Manana bildet den idealen Konterpart. Im wunderbaren "Don‘t" spielen die beiden ein schönes Hin und Her und wechseln einander ergänzend in ihre höheren und tieferen Stimmlagen. Großes leisten insbesondere Philip Scheibel und Komponist Sebastian Schuster. Der Song wartet mit berührendem Instrumentalintro auf und hält bis zum grandiosen Streicherausklang alle abgegebenen Versprechen.

Seba Kaapstad setzen auf die Schönheit der kleinen Momente. Die Band wirbt für freundliche Worte von Einem zum Nächsten, für ein gemeinsames Lächeln zwischen sonst Unbekannten, für das Aufeinandereinlassen und für das bloße Dasein. Das charmante "Bye" erzählt vom Nachwirken einer zunächst flüchtigen Begegnung. Im Refrain treten Zoe Modigas und Ndumso Manana erneut in Dialog, bis schließlich beide Stimmen ineinander übergreifen. Das Ganze klingt so warm und liebevoll, dass man seinen Ohren kaum trauen möchte. Philip Scheibel und Sebastian Schuster reduzieren die Instrumentalbegleitung auf ein Minimum und lassen dem Song dadurch genügend Raum, sich zu entfalten. Wenn die Haut trocken ist und juckt, sollte man in Milch und Honig baden, wusste angeblich schon Kleopatra. Wenn’s allerdings wo weh tut, das weiß man spätestens nach den letzten Tönen von "Thina", dann sollte man auf jeden Fall Seba Kaapstad hören.

(Katharina Bruckschwaiger)

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Highlights

  • Don't
  • Africa
  • Dezaster
  • Bye

Tracklist

  1. Thina
  2. Africa
  3. Billionaire
  4. Don't
  5. Heckman
  6. Dezaster
  7. Playground
  8. Welcome
  9. Breathe
  10. Love!
  11. Rfre
  12. Bye

Gesamtspielzeit: 42:23 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-05-23 20:03:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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