Alan Parsons - The secret

Alan Parsons- The secret

Frontiers / Soulfood
VÖ: 26.04.2019

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Verzaubert

Dass Produzenten auch unter eigenem Namen nicht völlig erfolglose Platten auf den Markt bringen können, weiß man nicht erst seit Jay Z oder ähnlichen Künstlern. Denn dass Alan Parsons weit vor seiner Karriere als Musiker an Alben beteiligt war, die heute zum musikalischen Allgemeinwissen gehören sollten, ist vielen geläufig. So war der Brite in jungen Jahren unter anderem Assistenz-Toningenieur für die Beatles bei "Abbey Road" und "Let it be". Doch vor allem war es Parsons, der die kreative Wucht von Pink Floyd bei den Aufnahmen zu "Dark side of the moon" kanalisierte und darauf ein Werk für die Ewigkeit schuf. Jetzt, mit 70 Jahren, wäre es eigentlich an der Zeit, sich zur Ruhe zu setzen, zumal das musikalische Erbe des ebenso legendären Alan Parsons Project weitestgehend auserzählt ist und das letzte Solowerk "A valid path" von 2004 auch nicht mehr ganz taufrisch ist. Allerdings hat Parsons die Rechnung ohne seinen umtriebigen Labelboss Serafino Perugino gemacht, der offenbar – eigentlich berüchtigt dafür, mittelmäßig bedeutsame Kooperationen mittelmäßig erfolgreicher Altrocker aus dem Boden zu stampfen – dem Briten lange genug damit in den Ohren lag, doch endlich wieder ein neues Album zu produzieren.

Nun ist es aber auch so, dass sich Parsons mit seinen Soloalben nach dem Ende des Alan Parsons Project nicht eben mit Ruhm bekleckert hatte. Die Ankündigung, "The secret" werde so sehr nach den guten alten Zeiten klingen wie lange nicht, ruft daher naturgemäß eher Skepsis hervor. Allerdings waren Alben, die wie "The secret" eher auf einem losen Konzept basieren statt eine stringente Geschichte zu erzählen, schon immer die Domäne des Londoner Soundbastlers. Den Opener "The sorcerer's apprentice" darf man daher getrost als Fingerübung ansehen – zum einen, weil eröffnende Instrumentals eine lange Tradition bei Parsons haben, zum anderen, weil die synthetischen Orchesterklänge aus der Geschichte des Zauberlehrlings genau den Soundtrack schaffen, den man sich gemeinhin vorstellt. Woran auch das Gitarrensolo von Steve Hackett nicht allzu viel ändert. Der Vergleich mit monumentalen Werken wie "The fall of the house of Usher" vom Debüt "Tales of mystery and imagination" kann insofern nur misslingen.

Dann jedoch kommen sie tatsächlich – die Momente, die den tendenziell durchaus seichten, aber dafür umso eingängigeren Pop-Prog des Project so unvergleichlich machten. Zunächst einmal die Menge an Gastsängern. Und was vor 40 Jahren John Miles war, nämlich der Mann für den Single-Hit, ist nun Jason Mraz, der "Miracle" einen sehr passablen Stempel aufdrückt. Tatsächlich: Spätestens beim Refrain beginnt im Hinterkopf die Suche, welcher Song auf welcher längst im Archiv verstaubten Platte denn nun zitiert wird. Im Fall von "As lights fall" ist die Antwort simpel. Denn dieser Song, gesungen von Parsons selbst, verströmt den Geist von "Eye in the sky" aus jeder Pore, bis hin zum identischen Keyboard-Lauf, zu dem man durchaus die vertrauten Lyrics mitträllern könnte. Fehlt eigentlich nur noch die Stimme des 2009 verstorbenen Eric Woolfson. Hach.

Nur: Ausschließlich von Erinnerungen können Alben selten leben. Klar, auch The Alan Parsons Project waren, vom wundervollen "The raven" einmal abgesehen, nie breitbeinige Rocker, doch mit seinem kongenialen Partner Woolfson gelang es Parsons meist, eben nicht in zu seichte Gefilde abzudriften. Doch gerade im Mittelteil der Platte schleicht sich allzu oft gepflegte Langeweile ein, klingen Songs wie "Years of glory" oder "Soirée fantastique" einfach uninspiriert und müde, sodass es dem zwischenzeitlich schwer erkrankten Lou Gramm obliegt, "Sometimes" etwas Magie einzuhauchen. "The secret" also, wie so manche Vorschusslorbeeren behaupten wollten, auf eine Stufe vor allem mit den ersten sechs Jahren des Alan Parsons Project zu vergleichen, wäre anmaßend. Doch statt wie manch anderer die schnelle Kohle mit ein paar notdürftig zusammengekloppten Compilations einstreichen zu wollen, zitiert Alan Parsons sein musikalisches Erbe mit Würde. Das macht das Album natürlich nicht zu einem Klassiker. Besser als die bisherigen Soloalben des Briten ist "The secret" dennoch allemal.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Miracle
  • As lights fall
  • Sometimes

Tracklist

  1. The sorcerer's apprentice
  2. Miracle
  3. As lights fall
  4. One note symphony
  5. Sometimes
  6. Soirée fantastique
  7. Fly to me
  8. Requiem
  9. Years of glory
  10. The limelight fades away
  11. I can't get there from here

Gesamtspielzeit: 48:44 min.

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Armin

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2019-05-23 20:02:28 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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