Kishi Bashi - Omoiyari

Kishi Bashi- Omoiyari

Joyful Noise / Cargo
VÖ: 31.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Klassisches Comeback

Da bei Kishi Bashi, diesem amerikanischsten aller Japaner, oft das aktuelle Verhältnis zu seinem angestammten Instrument, der Violine, von gehobenen Interesse zu sein scheint, hier gleich die Wasserstandsmeldung: Er verwendet die Geige wieder deutlich öfter und setzt sie vor allem recht klassisch ein. Aber das ist nicht alles, vorbei das gesteigerte Interesse an elektronischer Klangästhetik, vorbei die Vergleiche mit Animal Collective, MGMT oder Of Montreal. Auf der neuen Platte "Omoiyari" kann man getrost wieder Andrew Bird an die Spitze der Referenzen setzen, oder noch anders: Wem die Fleet Foxes inzwischen zu kopflastig sind, der könnte hier fündig werden, besonders dann, wenn man dazu noch beim ersten Mumford-&-Sons-Album für ein Weniger an maskulinem Pathos plädiert hätte. Es ist nämlich so, dass Kishi Bashi hier einfach Lieder geschrieben hat, mit Anfang, mit Ende, mit Strophe und Refrain, und was für schöne Refrains sind das bitteschön.

Der Country-Shuffle "Angeline" hat da neben naturbelassener Akustikgitarre und einem munteren Schlagzeugtakt einen Chorus, der süßlich den Sonnenuntergang in Empfang nimmt, ein freundliches Falsett voller Zuneigung. Auch "Penny Rabbit and Summer Bear" ist eine Liebeserklärung an das ziellose Dahinstreunen, an Songs, die Luft durch ihre Aufbauten wehen lassen, lockerleicht, wie ein Zitronensorbet. Es fällt schon nachdrücklich auf, wie sehr Kishi Bashi hier auf Akustisches und Analoges setzt, das höchste Maß an Elektronik ist der Strom für Orgel und E-Gitarre. "F Delano" schunkelt sich federleicht, nur mit ein wenig Melancholie versetzt, in Richtung Laurel Canyon und freut sich über den unverstellten Blick, der weder durch besonders komplizierte Kompositionen oder eine intellektuell überfrachtete Botschaft gestört wird. Dabei ist diese Musik bei weitem nicht stumpf, sie betont halt eher das Herz, und in den zahlreichen Chorharmonien der Songs steckt zum Beispiel jede Menge gutmütiges Raffinement.

In "Marigold" erzeugt das beherzte Zupfen der Geige einen kristallinen Wasserfall, in "Summer of '42" wird das Instrument als melodischer Stützpfeiler benutzt, immer elegant, und wenn der Begriff Kitsch fällt, dann mit einem wohlmeinenden Augenzwinkern. Nachdem Kishi Bashi sich zuletzt auf "Sonderlust" durchaus erfolgreich an modernen Produktionsmitteln und Klangtechniken versucht hat, stellt "Omoiyari" eine selbstbewusste Rückkehr zum klassischen Folksong dar. Dabei ist es hilfreich, dass es sich durch die Bank um tragfähige Kompositionen handelt, die ohrwurmmäßig hängen bleiben. Das gewaltige "Violin tsunami" ist dann sogar eine echte Liebeserklärung an Kishi Bashis angestammtes Instrument, mit wildem Bogenschwung wird eine butterweiche Apokalypse auf die Leinwand gezeichnet. Hach, diese Geige hätte damit wohl selbst nicht mehr gerechnet, als sie noch vor drei Jahren oftmals unbenutzt in der Ecke stand.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Angeline
  • Summer of '42
  • Violin tsunami

Tracklist

  1. Penny Rabbit and Summer Bear
  2. F Delano
  3. Marigolds
  4. A song for you
  5. Angeline
  6. Summer of '42
  7. Theme from Jerome (Forgotten words)A meal for leaves
  8. Violin tsunami
  9. Annie, heart thief of the sea

Gesamtspielzeit: 43:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Jovi Löw
2019-06-21 09:50:15 Uhr
Auch schön
SchingSchang
2019-06-21 00:39:23 Uhr
Omorashi ist was tolles! Googlet das mal :P
Kurdt
2019-06-20 23:50:21 Uhr
" Es ist nämlich so, dass Kishi Bashi hier einfach Lieder geschrieben hat, mit Anfang, mit Ende, mit Strophe und Refrain, und was für schöne Refrains sind das bitteschön."

Dem ist nichts hinzuzufügen!
Editor
2019-06-19 12:54:01 Uhr
Hab mir letzte Woche erst die Sonderlust geholt. Die muss leider noch warten.

Aber Lighght war wirklich ein feines Sommeralbum.
Kalle
2019-06-19 12:31:44 Uhr
Jetzt erst entdeckt. Wunderschöne Sommermusik. Top!
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