Lewis Capaldi - Divinely uninspired to a hellish extent

Lewis Capaldi- Divinely uninspired to a hellish extent

Vertigo / Universal
VÖ: 17.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Von ganzem Herzen

Geknödelt-emotionaler Gesang und Liebeserklärungen, die bis aufs Maximum lyrisch ausgeschlachtet werden – mal ehrlich: Davon hatten wir in den letzten Jahren mit Lukas Graham, George Ezra und anderen doch wirklich ausreichend. Wer braucht überhaupt noch romantische Künstler-Vielfalt, wenn Ed Sheeran ohnehin alle Stücke seiner Alben in den Charts platziert, könnte man fragen. Auch Lewis Capaldi aus Schottland hat sich mit seinem charakteristischen Gesang teilweise Schmusesongs zur Aufgabe gemacht. Der kleine Unterschied zu seinen Musikerkollegen: Der Hype um den 22-jährigen entwickelte sich 2017 so rasant, dass er zum meistgestreamten Künstler ohne Plattenvertrag erblühte. Mittlerweile ist der Major-Deal in der Tasche, die Songs seines lang ersehnten Debütalbums "Divinely uninspired to a hellisch extent" aber noch genauso rührend.

Es gehört schon eine Menge Talent dazu, einen Song wie die ebenfalls gehypte Single "Someone you loved" zu schreiben: unerwartete Brüche in der Melodie, eine schlichte, aber nicht beliebige Klaviermelodie und eine schnelle, emotionale Entwicklung, die bei Capaldis wirkt wie ein stimmlicher Kraftakt. So ergreifend das Stück ist, so abrupt endet es auch: kein vorbereitendes, emotionales Absacken, kein Mikrofon, das langsam abgedreht wird. Vom Musikvideo, in dem Großcousin, Namensvetter und "Doctor Who"-Star Peter Capaldi einer jungen Mutter das Herz seiner verstorbenen Frau überlasst, dürfte dann wirklich jeder tief bewegt sein. Wer hier den Eindruck gewinnt, der Schotte würde sich wie genannte Mitstreiter bloß etwas zurechtsäuseln und die wohlbekannte "Meine vermeintlich einzigartige Stimme wird es schon richten"-Karte ausspielen, ist schief gewickelt: Schnell weicht der Songwriter davon ab, sein Organ für jeden Ton auszuquetschen und lässt in "Maybe" oder "Hollywood" auch beschwingte Gitarren und völlig ungezwungenen Gesang zu.

Der Fokus von "Divinely uninspired to a hellisch extent" liegt dennoch auf balladesken Lovesongs, so wie beim anmutig langsamen "Lost on you" oder in "Fade", wo in Capaldis Stimme auch bluesiges Brummen zum Vorschein kommt. Und stellt man einen Vergleich an, wird auch ein weiterer Unterschied zu Ed Sheeran und Co. deutlich: Die Stücke klingen nicht durchkonstruiert oder darauf angelegt, möglichst viele Menschen zu erreichen. Das Gefühl, dass Capaldi seine Songs nur für explizit angesprochene Personen geschrieben hat, bewahrt er sich auch in ihnen. Zwar sind einige ausgeschmückter als andere, im Kern basieren sie aber alle auf sehr rohen und dennoch charmanten Songwriter-Künsten. Und irgendwo muss ein Hype ja auch herkommen.

(Lena Zschirpe)

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Highlights

  • Bruises
  • Someone you loved
  • Hollywood

Tracklist

  1. Grace
  2. Bruises
  3. Hold me while you wait
  4. Someone you loved
  5. Maybe
  6. Forever
  7. One
  8. Don't get me wrong
  9. Hollywood
  10. Lost on you
  11. Fade
  12. Headspace

Gesamtspielzeit: 42:24 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-05-23 19:59:46 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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