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Supercrush - Headcore

Supercrush- Headcore

Landspeed / Epimusic / Indigo
VÖ: 28.04.2003

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das große Schnibbeln

Neulich im Wirtshaus "Zur deutschen Eiche". Der Gast bestellt: "Ich nehm' ein Weißbier, zwei Brezeln und den Eintopf 'Supercrush' bitte." Gewiß gibt es galantere Möglichkeiten, um sich der Musik von Supercrush verbal zu nähern, doch ebenso gewiß ist auch, daß der gewählte Ansatz angemessener scheint. "Headcore", das Debütalbum des deutschen Elektrorock-Trios, schmeckt wie ein deftiger deutscher Eintopf, in den alles hinein geschnippelt wurde, was nicht bei Drei auf den Bäumen war. Und bekanntlich verderben nicht nur zu viele Köche, sondern auch zu viele Zutaten den Brei. Besonders wenn sich deutsche Köche an internationalen Gerichten versuchen ...

Unter diesem hemmungslos betriebenen Eklektizismus leidet bereits der Opener "Stereotype", der sich dennoch als bester Song des Albums entpuppt. Da gibt es dann dreckige E-Gitarren à la Nirvana, gewürzt mit Primal Scream- und Prodigy-Anleihen. Sänger Henry Milla versucht dabei erst gar nicht, nicht wie Kurt Cobain zu klingen. Der treibende Refrain jedoch drängt die eklatante Ideenarmut in den Hintergrund - was in den folgenden Songs kaum noch gelingt. Schon "King of silicone" entpuppt sich als müde Drum'n'Bass-Nummer, über die Supercrush ein paar uninspirierte Schrammelattacken gelegt haben. Stellenweise gemahnt das an Bands wie My Bloody Valentine. Und das müde "Sugarplum" gewinnt auch durch eine Sitar nicht an Reiz - da mögen indische Klänge momentan noch so angesagt sein.

In weiteren Songs bleibt nur noch ein Gedanke: "Das kenn' ich doch schon." Der von Diether Bohlen geprägte Minimalismus ("Aus zwei Akkorden mach' ich zwanzig Songs") scheint bereits seine Nachfolger gefunden zu haben. Wenn Milla sich in "Naked" gar nur auf der Akustikgitarre versucht, wird die Suppe unerträglich fad. Ständig schmeißt er sich plump an selige Nirvana-Melodiebögen ran. Hat man ja neuerdings so selten. Das Gespür für die feine, eigene Melodie ist ihm während seiner ausgiebigen Ausflüge im Selbstbedienungsladen "Rockgeschichte" offenbar völlig abhanden gekommen. Immerhin fällt in "Hysteric insect" ein T-Shirt-Spruch ab: "Any man that eats his chili can't be all bad or hysteric." Doch auch das kann die Mahlzeit nicht mehr schmackhaft machen. Vielleicht empfindet der Hörer am Ende von "Headcore" ein gewisses Gefühl der Sättigung, ein Genuß gleichwohl war es mit Sicherheit nicht. Darauf erst mal einen Magenbitter.

(Sebastian Dalkowski)

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Highlights

  • Stereotype
  • Loop 26

Tracklist

  1. Stereotype
  2. King of silicone
  3. Zero
  4. Sugarplum
  5. Paranoid
  6. Idiot
  7. Loop 26
  8. Ketchup burst
  9. Drone
  10. Hysteric insect
  11. Naked
  12. Orange crash

Gesamtspielzeit: 45:23 min.

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