Steely Dan - Everything must go

Steely Dan- Everything must go

Reprise / Warner
VÖ: 10.06.2003

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Do it again

Ein Grantler kommt selten allein: Bodo H. Hauser und Ulrich Kienzle, Jack Lemmon und Walter Matthau, Walter Becker und Donald Fagen. Letztere sind in der glücklichen Lage, weder sich noch der Welt irgendetwas beweisen zu müssen. Spätestens seit sie vor drei Jahren nach zwanzigjähriger Pause "Two against nature" veröffentlichten und dafür überraschend Eminem den Grammy für das beste Album des Jahres vor der Nase wegschnappten, weiß man daß man wieder mit den Beiden rechnen muß. Ladies and Gentlemen: Steely Dan.

Beschwingt wie eh und je kommt ihr neuestes Album "Everything must go" daher, und auch die Texte sind erwartungsgemäß bissig. Zwar wollen Becker und Fagen den Anschein erwecken, sie seien jetzt harmlose Pensionäre, die ihren Hobbys nachgehen ("I'm learning how to meditate / So far so good / I'm building the Andrea Doria out of balsa wood"), aber tief in ihrem Inneren wissen die beiden auch, was sie am Musikbusiness und dem ganzen Kram haben. Natürlich gibt es wieder zahlreiche Geschichten und Lebensläufe, die erzählt werden wollen - von Trina, Abu und Gina, in bester Tradition von Rikki, Dr. Wu oder Cousin Dupree. All diese Leute haben - "wahrscheinlich" - nichts mit echten Personen gleichen Namens zu tun, aber wer weiß das schon so genau?

Becker und Fagen sieht man ihr Alter längst an. Hin und wieder scheint es gar durch die Liedtexte durch, aber musikalisch klingen sie immer noch so frisch wie vor über dreißig Jahren: voller Zitate aus alten Jazzklassikern, präzise wie ein schweizer Uhrwerk und dabei doch so lässig, daß die Platte auch bei einem festlichen Abendessen nicht zu sofortiger Flucht der Gäste führt. Zugegeben: Neu ist das alles nicht, Steely Dan bleiben sich eben treu - aber sie kopieren sich nicht selbst, wie man es von ihren Altersgenossen kennt.

Wer die Welt durch die Augen von Becker und Fagen gesehen hat, hat alles gesehen: erfolglose Glücksspieler, Ehebrecher, Lolitas und andere gescheiterte Menschen. Der "American way of life" von seiner sogenannten Schattenseite. Und so blicken sie auch diesmal wieder auf das Land der begrenzten Unmöglichkeiten, in dem es plötzlich heißt: "It's last call / To do your shopping / In the last mall." Das Ende scheint nah und die Beiden sind davon - wie zu erwarten - weder überrascht noch betroffen. So endet "Everything must go" dann auch mit einem klaren Resumee: "Let's admit the bastards beat us / I move to dissolve the corporation / In a pool of margaritas". Das "Well, we're going out of business / Everything must go" meinen sie dann aber hoffentlich nicht ernst. Wobei man sich genau darauf bei Steely Dan eigentlich immer verlassen kann.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Things I miss the most
  • Slang of ages
  • Pixeleen
  • Everything must go

Tracklist

  1. The last mall
  2. Things I miss the most
  3. Blues beach
  4. Godwhacker
  5. Slang of ages
  6. Green book
  7. Pixeleen
  8. Lunch with Gina
  9. Everything must go

Gesamtspielzeit: 42:25 min.

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  • Steely Dan (15 Beiträge / Letzter am 08.10.2017 - 01:09 Uhr)