Earth - Full upon her burning lips

Earth- Full upon her burning lips

Sargent House / Cargo
VÖ: 24.05.2019

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unbewegt

Monotonie kann durchaus angenehm sein. Gerade in musikalischer Form. Dylan Carlson, Gründer und Fixpunkt von Earth, ist ein Freund der ständigen Wiederholung. Nachdem das Frühwerk der Band den Grundstein zu dem gelegt hatte, was später "Drone Doom" werden sollte, wandten sich Carlson und seine wechselnden Mitstreiter bei ihrer Rückkehr im Jahr 2005 klassischeren Songstrukturen zu. Seitdem erschienen in schöner Regelmäßigkeit Earth-Alben, die meist Anlass zur Freude boten. "Full upon your burning lips" beendet eine fünfjährige Dürrephase, kann dabei aber nur selten an einstige Glanztaten anknüpfen. Die großen Momente fehlen. Die Entscheidung, sich aufs Wesentliche zu beschränken, entpuppt sich diesmal als Fehler. Denn nimmt man Earth-Songs die Melodien und Überraschungen, bleiben Riffs übrig. Schlurfende, schlammige Riffs, die in bleierner Gleichförmigkeit am Hörer vorbeischleichen.

"Full upon your burning lips" ist ein Album ohne Höhepunkte. Manche Tracks dauern mehr als zehn Minuten, andere sind kürzer. Keiner von ihnen bleibt im Ohr haften. Das liegt primär daran, dass ein Riff klingt wie das andere. Einzelne Songs hervorzuheben wird dadurch schwierig. Am ehesten ragt noch "She rides an air of malevolence" heraus, welches einem Mahlstrom gleich der Unterwelt entgegenstrebt. Musikalisch steht neben Carlson, der wie eh und je den Zeitlupen-Blues hat, vor allem Schlagzeugerin Adrienne Davies im Vordergrund. Unaufgeregt und unspektakulär verrichtet sie ihren Dienst, teils wirkt ihr schleppendes Drumming allerdings uninspiriert. Hier ein Snareschlag, dort ein Hieb aufs Becken, Akzente: Fehlanzeige. Bot "Primitive and deadly" noch grandiose Steigerungen und heftige Breaks, suppt nun alles lustlos vor sich hin.

Es ist davon auszugehen, dass dies kein Zufall ist. Earth haben sich bewusst für ein simples Album entschieden. Dröge Fingerübungen wie "Cats on the briar" fügen der Diskographie der Musiker allerdings kaum Nennenswertes hinzu. Dass die US-Amerikaner doch noch ein Händchen für Melodien besitzen, zeigt erst das abschließende "A wretched country of dusk". Erst hier windet sich eine kleine, aber wunderschöne Melodie aus dem Dunkel empor. Zu spät, um etwas am ernüchternden Gesamteindruck zu ändern, aber immerhin. Die lange Pause zwischen dem Vorgänger und diesem Album bietet allerdings Anlass zur Sorge. Wenn dies die besten Ideen waren, die Carlson und Band in petto hatten, dann wirft das einen Schatten auf die Zukunft von Earth.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • She rides an air of malevolence
  • A wretched country of dusk

Tracklist

  1. Datura's crimson veils
  2. Exaltation of larks
  3. Cats on the briar
  4. The colour of poison
  5. Descending Belladonna
  6. She rides an air of malevolence
  7. Maiden's catafalque
  8. An unnatural carousel
  9. The mandrake's hymn
  10. A wretched country of dusk

Gesamtspielzeit: 62:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Christopher

Postings: 1193

Registriert seit 12.12.2013

2019-06-16 21:47:34 Uhr
Ich fand den Vorgänger überragend und habe ihm auch 8/10 gegeben. Das neue Album gibt mir leider nichts, obwohl ich das ähnlich minimalistische Frühwerk der Band sehr schätze.
morning
2019-06-16 21:37:23 Uhr
hier genauso, aber alles ausser Indie funktioniert hier nicht, is aber bekannt, so what
fuzzmyass
2019-06-16 20:38:11 Uhr
Höre es gerade wieder und finde es sehr geil... die Rezi verstehe wer mag...
Achim3000
2019-05-30 09:17:52 Uhr
pitch 7.8!
DWF/H2
2019-05-17 14:46:59 Uhr
4 Punkte nur? Earth zählten lange Zeit zu meinen absoluten Favoriten im Bereich Drone/Doom/Whatever und Songs wie etwa OLD BLACK gehören auch heute noch regelmäßig auf jeden gut sortierten Plattenteller. Ich werde mir mein eigenes Bild davon machen, aber 4 Punkte klingen schon knüppelhart.
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