Kent - Hagnesta Hill

Kent- Hagnesta Hill

RCA
VÖ: 17.04.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Running up that hill

Der Schwede, der auf einen Hügel stieg und als Engländer herunterkam - frei nach dem Titel eines Films von Christopher Monger halten es die Schweden von Kent. In ihrem Heimatland sind sie nach vier Alben in ihrer Muttersprache längst Superstars und Abonnenten auf sämtliche nationale Awards wie den Rockbjörn oder den nationalen Grammy. Nach "Isola" veröffentlichen Kent nun mit "Hagnesta Hill" zum zweiten Mal ein Album zusätzlich in englischer Version für den internationalen Markt.

Hagnesta Hill ist der Name der Gegend in Kents Heimatstadt, in der die Band in ihren Anfangstagen zusammentraf. Äußerst pittoresk sind die Natur-Fotos im Booklet und vor allem auch die hübsche junge Frau auf dem Cover, deren blaue Augen mit dem Himmel um die Wette strahlen und vom ersten Augenblick an verzaubern, ausgefallen. Kalt muß es sein auf dem Hügel, sonst wäre sie nicht so dick eingepackt und hätte keine kreidebleiche Hautfarbe, und dennoch strahlt das Bild in seiner Gesamtheit eine sanfte Wärme aus.

Genau das gelingt auch dem Album hinter dem Cover. "The king is dead" beginnt mit zauberhaften Klavierakkorden, die einen, ähnlich wie unlängst beim Muse-Debüt "Showbiz", beim Reinhören schon nach Sekunden überzeugt haben, dieses Album, genau dieses und kein anderes, haben zu müssen. "Thin december air is like the dried smoke / You have come to your senses or inhale and choke" erklingen die ersten Worte - und selten haben mich die ersten 30 Sekunden eines Albums so mitgerissen.

Das zweite Stück "Revolt III" schlägt etwas lautere Töne an. Den Vergleich zu Placebos "Every you every me" muß ich hier nicht extra bemühen. Das erledigt das Gitarrenintro schon selbst. Die erste Single "Music non stop" war in Schweden ein Megahit und bleibt auch ohne Hype ein veritabler Discostampfer mit Ohrwurmgarantie. Als "Disco-Rock" wollen Kent ihren Sound bezeichnet wissen und bei "Music non stop" erschließt sich der Grund dafür.

Die bewährte Brit-Pop-Schublade wäre nicht weniger passend. Kaum eine Band von der Insel, die man nicht in einem der 12 Songs wiedererkennt. Kent kopieren nicht eine einzige Band sondern vielmehr ein ganzes Genre und beweisen mit kleinen Überraschungen wie dezenten Bläsersätzen oder einer gelegentlichen Mundharmonika dabei eine gewisse Eigenständigkeit. Denn es wäre ohnehin vermessen von "Kopieren" zu sprechen, die Songs werden nach wie vor auf schwedisch geschrieben und sind auch auf den schwedischen Markt zugeschnitten, die englische Version der Alben sieht die Band eher als Alternative. Sänger Joakim Berg bringt seine Darbietung erstaunlich akzentfrei rüber, und auch die Texte selbst können bei der Übersetzung nicht viel verloren haben. Wenn doch, dann müssen sie vorher schon verdammt groß gewesen sein.

Besonders groß ist das sechsminütige "Stop me June (Little ego)". Eine akustische Autofahrt auf einem staubigem Highway. Die Geier kreisen, in der Ferne wimmert schwermütig eine Trompete und der Fahrer trauert einer verblichenen Liebe nach. "It's noisy, can't think, I can't speak. You just have to let me go." Oasis im Ohr, die Smiths vor Augen und Led Zeppelin im Hinterkopf.

Nach Genuß dieses Albums möchte man dem Titel des ersten Stückes "The king is dead" am liebsten ein "Bri- Pop is still alive" hinzufügen. Ein Album, das nur aus Songs wie den ersten fünf besteht, wäre ein klarer Fall für die absolute Höchstwertung. Da das Niveau ab dem sechsten Track aber leicht abfällt, bleibt "Hagnesta Hill" nur ein brillantes Album voller Assoziationen und subtiler Schönheit, von dem sich so mancher Brite eine dicke Scheibe abschneiden könnte.

(Armin Linder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The king is dead
  • Revolt III
  • Music non stop
  • Stop me June (Little ego)

Tracklist

  1. The king is dead
  2. Revolt III
  3. Music non stop
  4. Kevlar soul
  5. Stop me June (Little ego)
  6. Heavenly junkies
  7. Stay with me
  8. Cowboys
  9. Protection
  10. Rollercoaster
  11. We need to eat
  12. Whistle song

Gesamtspielzeit: 58:28 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Nike
2004-12-13 19:01:21 Uhr
Ja, das sind alle Alben. Bei den Singles habe ich keinen Überblick.
fish
2004-12-13 09:17:18 Uhr

kent - kent - 1995
kent - verkligen - 1996
kent - isola - swedish version - 1997
kent - isola - english version - 1998
kent - hagnesta hill - swedish version - 1999
kent - hagnesta hill - english version - 2000
kent - b-sidor 95-00 - 2000
kent - vapen och ammunition - 2002

Ich glaube, das sind alle bis jetzt, oder?
Nike
2004-12-13 00:45:48 Uhr
@escape:
Ich fürchte, das neue wird's nur in Schwedisch geben, wie "Vapen och Amunition" (oder war das nicht das lezte Album, muss mal nachschauen). Irgendwie hat's mit den englischsprachigen Versionen international nicht geklappt.
Verstehe eigentlich nicht, warum die Band ausserhalb Schwedens nicht erfolgreich war ...
escape
2004-12-13 00:02:34 Uhr
neues album wird auch zeit dass da was kommt...
schon viel zu lange her.. und hoffentlich wieder swe/ eng.

ach kent.. einfach schön...
ich liebe schwedische musik... *träum.. *kentcdsrauskramundwiedermalhörentu
fish
2004-12-12 22:11:15 Uhr
Kent sind gut!
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Kent - Röd Kent - Röd (2009)

Anhören bei Spotify