The Budos Band - V

The Budos Band- V

Daptone / Groove Attack
VÖ: 12.04.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kopfurlaub von London bis Äthiopien

Wenn Künstlerinnen und Künstler sich stilistisch umorientieren, bilden sie ihre neue Ausrichtung gerne auch außerhalb der eigentlichen Musik ab. So geschehen bei The Budos Band: Das neunköpfige Kollektiv machte sich mit drei fein durchnummerierten Alben ihres instrumentalen Afro-Jazz und -Soul einen durchaus markanten Namen unter Liebhabern, bis Platte Nummer vier eine krasse Zäsur darstellte. "Burnt offering" war nicht nur ihr erstes Album mit einem richtigen Titel, der bärtige Zauberer auf dem Cover deutete auch an, dass sie hier ­– so unglaublich das klingen mag – mit Stoner-Rock und Siebziger-Proto-Metal à la Black Sabbath flirteten. Auch beim Nachfolger finden sich Hinweise auf den Inhalt schon in Bild und Schrift. Der Name "V" verweist auf die Ursprünge, doch Songtitel und Gothic-Ästhetik versprechen weitere Tiefenbohrungen in den Abgründen schwerer Gitarrenmusik. Und so kommt es tatsächlich zu dem, worauf die bisherige Karriere der New Yorker vielleicht zwangsläufig hingearbeitet hat: The Budos Band lassen beide ihre Welten aufeinanderprallen. Doch diese Kollision ist keine zerstörerische, sondern eine, die aus zwei autonomen Objekten ein synergetisches Ganzes formt.

So beginnt der Opener "Old engine oil" mit einem astreinen Led-Zeppelin-Riff, bis Bläser- und Rhythmussektion den Funk dazu holen – ein einzigartiges, kraftvolles Stück psychedelischen Neo-Souls. Erst, wenn Bandleader Jared Tankel in "Spider web pt. 1" zu einem knorrigen Saxophon-Solo ansetzt, verdient sich "V" sein Jazz-Attribut, verliert aber auch dabei nie an Zugänglichkeit. Besagter Song bündelt auch eine andere große Stärke der Budos Band: Sie beweisen die für Instrumentalmusik so essenzielle Fertigkeit, ohne Worte ausdrucksstarke Bilder zu erzeugen. Zeitweise wähnt man sich in einer Garage im London der Sechziger, "The enchanter" führt wiederum mit geisterhafter Orgel und zitternden Gitarren in ein verlassenes Spukhaus, während das schwere "Peak of eternal night" unter Vollverausgabung der vierköpfigen Drums-und-Percussion-Truppe unheimlich auslandende Schluchten aus dem Boden hebt. Auch "Maelstrom" gerät nicht nur wegen seines Hochgeschwindigkeits-Bassspiels oder des leichten Surf-Vibes so eindrücklich, sondern vor allem aufgrund eines fast schon Morricone'schen Gespürs für cineastische Dynamik.

Doch das größte Faszinosum bleibt dieses Aufeinandertreffen von britisch-amerikanischem Blues- und Hard-Rock mit dem von Künstlern wie Mulatu Astatke kultivierten äthiopischen Jazz – und damit einhergehend auch die Verbindung von Virtuosität mit kompakter, rhythmusorientierter Eingängigkeit. So fließt "Ghost talk" trotz Polyrhythmik und verstörend verzerrtem Bass direkt ins Blut und auch das aggressivere "Arcane rambler" ist von Beginn an nichts anderes als ein fulminantes Groove-Monster zwischen Retro-Funk und Afrobeat. Am allerbesten macht es "Veil of shadows": Mit unheilvollen Gitarren und Drones beginnend folgt ein Flamenco-Solo von Trompeter Andrew Greene, bis die Orgel den Lead übernimmt und schließlich die Bläser mit der dringlichsten Melodie des Albums den Sack zumachen. Es ist fast schon übernatürlich, wie organisch diese neun Männer zusammenspielen, auch im schleppenden Abschluss "Valley of the damned", der ein letztes Kopfkino heraufbeschwört. Das kann der ehrfurchtgebietende Berg auf dem Coverbild sein oder auch eine überambitionierte Black-Sabbath-Coverband, die mit einem Jazz-Ensemble jammt. The Budos Band bleiben Meister der sprechenden Bilder, seien es tatsächliche oder von ihnen selbst erzeugte.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Old engine oil
  • Arcane rambler
  • Veil of shadows

Tracklist

  1. Old engine oil
  2. The enchanter
  3. Spider web pt. 1
  4. Peak of eternal night
  5. Ghost talk
  6. Arcane rambler
  7. Maelstrom
  8. Veil of shadows
  9. Rumble from the void
  10. Valley of the damned

Gesamtspielzeit: 33:53 min.

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Armin

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2019-05-09 20:38:25 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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